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*** Early Man ***


 
eman kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Die Macher von „Wallace & Gromit“ und „Chicken Run“ bescheren uns einen halbwegs lustigen kleinen Animationsfilm, der nach wenigen Minuten aus den falschen Gründen plötzlich sehr interessant wird.
 
Steinzeit oder Bronzezeit, Hauptsache Pleistozän
 
Vor langer Zeit in Manchester: ein Asteroid schlägt ein und tötet alle Dinosaurier. Die überlebenden Hominiden (ja, das ist einer dieser Filme, in denen Menschen und Dinos gleichzeitig gelebt haben) inspizieren den Gesteinsbrocken. Weil der aber noch zu heiß ist (kein Wunder, er hat eben ein Massensterben ausgelöst) kicken sie den glühenden Brocken herum und erfinden so das Fußballspiel. Einige Zeitalter später sind davon bloß Höhlenzeichnungen übrig geblieben. Der junge Steinzeitmensch Dug möchte seinen Stamm überreden, statt der ewigen Kaninchen auch mal Mammuts zu jagen. Doch Eindringlinge vom europäischen Festland, wo bereits die Bronzezeit angefangen hat, bedrohen das Tal der Steinzeitmenschen. Weil die Fremden große Fußballfans sind, fordert Dug sie zu einem Spiel. Gewinnen die Briten, müssen die Eindringlinge vom Kontinent das Tal räumen. Verlieren die Einheimischen, müssen sie für die Fremden in den Minen arbeiten. Es geht also um das Schicksal der Insel und ihrer Bewohner …
 
 
Aardman Animations hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte fast ausschließlich mit Knetanimation beschäftigt. Mit Peter Gabriels „Sledgehammer“ und Nina Simones „My Baby just cares for me“ hat dieses Studio zwei der innovativsten Musikvideos der 80er-Jahre produziert. Später wurden die Kurzfilme rund um „Wallace & Gromit“ für das britische Fernsehen geschaffen. Vor knapp zwanzig Jahren brachte das Studio dann mit „Chicken Run“ seinen ersten Spielfilm heraus. Dieser Film brachte mit seinem schrägen Humor und seiner durchgeknallten Geschichte frischen Wind in die Animationsfilmszene. Die folgenden Filme wie „Wallace & Gromit“, „Flutsch und weg“, „Die Piraten“ oder „Shaun das Schaf“ fielen dann aber alle wieder recht konventionell aus. Im Vergleich zu Tim Burtons herrlich skurrilen Stop-Motion-Filmen wie „Corpse Bride“ oder „Frankenweenie“ wirken Aardmans Filme meistens ein bisschen bieder. Und neben der liebenswerten Ratte in Pixars „Ratatouille“ wirken die wenig ausdrucksvollen Gesichter der Artgenossen in „Flutsch und weg“ einfach nur langweilig.
 
Und ebenso wie die Mimik der Knetanimationsfiguren, wirkt auch der Humor in den Aardman-Produktionen nur selten subtil. So gesehen bleibt auch „Early Man“ dem Stil des Unternehmens treu. Der erste echte Lacher des Films war zu hören, als ein Kaninchen jedem Jäger des Stammes entkommen ist, um dann gegen einen großen Stein zu laufen. Das zweite Mal hat der Saal nach weiteren 30 Minuten gelacht, als sich zwei der Helden auf der Flucht mit einer Rolle Klopapier aus einem Fenster abgeseilt haben. Der Rest der Gags ist entweder uralt oder nicht besonders lustig oder beides. Wenn die Steinzeitmenschen Babykrokodile als Wäscheklammern verwenden oder sich mit einem Hirschkäfer rasieren, dann haben wir das so oder so ähnlich bereits vor Jahrzehnten bei „Familie Feuerstein“ gesehen. Weil wir gerade von „uralt“ sprechen: Zu der unvermeidlichen Trainingssequenz hören wir doch tatsächlich „Tiger Feet“, den einzigen längst vergessenen Hit der ebenfalls längst vergessenen Band „Mud“. Regisseur und Co-Autor Nick Park wird dieses Jahr sechzig Jahre alt. Nicht nur mit der Auswahl des Soundtracks zeigt der Brite ganz deutlich, wie sehr er der Zeit seiner Kindheit nachtrauert.
 
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Brüssel oder Manchester, Hauptsache England
 
Vor einigen Jahren haben sich einige amerikanische Filmkritiker lächerlich gemacht, weil sie in „Die Muppets“ linke Propaganda zu erkennen glaubten. Letztes Jahr hatten vermutlich die gleichen Kritiker ein Problem, als in der Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ für knapp zwei Sekunden zwei Männer miteinander tanzend zu sehen waren. Man weiß ja, wie schnell Kinder durch so einen Anblick sexuell verwirrt werden können. Ich selbst hätte aber niemals ernsthaft gedacht, mal beim Betrachten eines Kinderfilms über die politische Agenda der Filmemacher grübeln zu müssen. Aber vielleicht beschreibe ich einfach mal ein paar merkwürdige Handlungselemente:
 
Die britischen Steinzeitmenschen leben lange Zeit in Ruhe und Harmonie, bis die Fremden von Kontinent auftauchen. Der Oberbösewicht spricht sogar in der deutschen Synchronfassung mit französischem Akzent. Seine Helfershelfer klingen unter anderem italienisch, spanisch und holländisch (in der englischen Originalversion erklingt selbstverständlich auch ein deutscher Akzent). Die Bösewichter vom Kontinent wollen die britische Insel ihrer Bodenschätze berauben und die Einwohner versklaven. Ziel der Einheimischen in diesem Film ist es, die Festland-Europäer endgültig wieder loszuwerden. Und das obwohl die Fremden aus der Bronzezeit stammen und damit eindeutig die moderneren Menschen sind. Wir lernen: nur in der Vergangenheit können sich die Inselbewohner wohlfühlen. Mein Lieblingsbild des Filmes zeigt die Vorfahren der Briten, wie sie den Europäern quer über den Ärmelkanal ihre blanken Hintern hinstrecken. Das alles und noch einiges mehr wird nicht in ein oder zwei Szenen kurz angerissen. Tatsächlich habe ich eben das Grundgerüst der Handlung und die Kernaussage des Films beschrieben. Aber vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein ...
 
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„… und am Ende gewinnen die Deutschen“
 
Bei Animationsfilmen ist die Qualität der deutschen Synchronfasssung vielleicht noch wichtiger als bei Realfilmen. Deshalb behält sich bei Disneyfilmen der amerikanische Mutterkonzern seit Jahrzehnten die Auswahl der deutschen Synchronsprecher vor. Dreamworks hat bei „Shrek“ den Esel, der in der Originalfassung von Eddie Murphy gesprochen wurde, von dessen deutscher Synchronstimme Randolf Kronberg sprechen lassen. Über die Synchronfassung von „Early Man“ nur so viel: Kaya Yanar, einer der mittelmäßigsten aus der Legion mittelmäßiger deutscher Comedians, darf gleich mehreren Figuren seine Stimme leihen.
 
Fazit
 
„Early Man“ bietet passable Unterhaltung für Kinder bis zwölf Jahren. Aber für diese Altersgruppe laufen zurzeit auch genug andere Filme im Kino. Und die haben alle den Vorteil, dass man seinen Kindern anschließend nicht die Geschichte der Europäischen Union erklären muss.
 
 
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