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*** Judy ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Judy Garland wurde nur 47 Jahre alt. In Rupert Goolds neuem Film versucht Renée Zellweger, diese große Künstlerin kurz vor ihrem Tod darzustellen.
 
By Myself
 
In den 30er-Jahren war Judy Garland einer der berühmtesten Kinderstars Hollywoods, während der 40er-Jahre war sie einer der größten Filmstars der Welt und nach ihrem Rauswurf bei MGM 1950 feierte sie Erfolge mit Konzerttourneen. Im Jahr 1968 ist sie aber leider bankrott. Da kommt das Angebot, eine Reihe von Konzerten in England zu geben, gerade Recht. Aber ihre Tablettenabhängigkeit, ihr Alkoholismus, ihre chronische Unzuverlässigkeit und andere Probleme drohen das Unternehmen scheitern zu lassen …
 
Die erste Musiknummer dieses Films zeigt uns alles, was an dem ganzen Film einfach nicht stimmt. Renée Zellweger singt „By Myself“. Und sie singt überraschend gut, klingt aber kaum wie Judy Garland. Regisseur Goold zeigt uns die gesamte Nummer in einer einzigen, langen Einstellung. Das muss für die Crew und die Hauptdarstellerin anstrengend gewesen sein. Die Szene gewinnt dadurch aber leider nicht an Wirkung. Wir bekommen weder Spannung noch Stimmung vermittelt. Obwohl Zellweger natürlich nur die Lippen zu ihrem eigenen Playback bewegt, merkt man ihr die Mühe an, die ihr diese Darstellung bereitet. Wenn die letzten Töne des Lieds verklingen, bekommen wir keine Reaktion des Publikums zu hören oder zu sehen.
 
 
Wozu das alles? Wozu all diese Mühe, wenn das Drehbuch keine eigenen Ideen hat und bloß längst Bekanntes zeigt? Warum müssen sich Kamera und Beleuchtung mit den Schwierigkeiten einer minutenlangen Einstellung quälen, wenn die Regie es nicht schafft, die Stimmung eines Live-Auftritts einzufangen? Wieso muss Renée Zellweger sich für eine gute Imitation verausgaben, ohne eine echte Rolle zu spielen? Wofür der ganze Aufwand?
 
Musiker-Biografien stehen gerade hoch im Kurs. Erst kam „Bohemian Rhapsody“, dann „Rocketman“. Dazwischen kam noch das dritte Remake von „A Star Is Born“, was irgendjemanden bei 20th Century Fox wohl daran erinnert hat, wer beim ersten Remake von 1954 die Hauptrolle gespielt hat. Also bekommen wir nun einen Film über das Leben von Judy Garland. Oder über das Ende ihres Lebens. Nein, bloß über ein Kapitel vom Ende. Aber ein paar Szenen aus der Jugend des ehemaligen Kinderstars müssen doch auch gezeigt werden. Und die Deko aus „The Wizard of Oz“, immerhin ist das Garlands bekanntester Film.
 
„Judy“ fehlt nicht nur ein klares Konzept. Dem Film fehlt ihm auch ein richtiges Drehbuch. Uninspiriert werden Episoden aneinander gereiht. Szenen werden gezeigt und führen nirgendwohin, ganze Sequenzen bleiben in der Luft hängen. An einer Stelle steigt Garland mit ihren Kindern im Haus ihres Exmanns in einen Schrank. Warum erfahren wir nicht und dieses Bild wird nie wieder aufgenommen. Nach ihrem ersten erfolgreichen Konzert in London fragt die Sängerin, „What if I can‘t do it again?“, um danach bis zum Ende des Films nie wieder solche Zweifel zu äußern. Warum muss sich Garlands fünfter Ehemann gleich nach der Hochzeit nach einem Showgirl umdrehen, wenn Untreue im Film gar nicht als Problem dieser Ehe gezeigt wird?
 
Clang, clang, clang went the trolley
 
Drehbuchautor Tom Edge („The Crown“) hat bisher vor allem für das Fernsehen geschrieben. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb so episodenhaft und nie wie aus einem Guss. Es ist immer schade, wenn die Hauptfigur eines Films nie wie ein vollständiger Charakter, nie wie ein echter Mensch wirkt. Besonders bedauerlich ist es aber, wenn das bei einem Film über einen echten Menschen passiert. Judy Garland ist hier nie eine verletzte Künstlerin oder eine verzweifelte Mutter. Sie wirkt immer wieder nur herablassend, fordernd und neurotisch.
 
01 ©2020 Entertainment One02 ©2020 Entertainment One03 ©2020 Entertainment One04 ©2020 Entertainment One
 
Regisseur Goold hat bisher hauptsächlich für das Theater gearbeitet. Was auf der Bühne wirkt, muss im Film nicht unbedingt funktionieren. Warum zeigt uns der Film Garlands Kinder aus der Ehe mit Sid Luft als verwirrte Schulkinder, wenn sie 1968 beide bereits Teenager waren? Sollen wir wirklich glauben, das Publikum hätte Garland nach einem Sturz auf der Bühne gleich mit Gegenständen beworfen? Und warum sollten die Kulissen für „The Wizard of Oz“ bereits während des Castings für die Hauptrolle fix und fertig im Studio stehen?
 
Die beste Sequenz des Films, rund um zwei homosexuelle Fans, berührt uns mehr vor allem wegen der Geschichte der Figuren, sicher nicht wegen der ungeschickten Gestaltung. Eine Szene mit Judys neuem Partner und ihrer Crew in einem Pub fällt furchtbar plump aus. Das Gleiche gilt für ein Interview im Fernsehen und einen Streit der Eheleute.
 
Es gibt Filme, die wirken auf eine gute Art „altmodisch“. Für „Judy“ gilt das leider nicht. Zellwegers angestrengte und anstrengende Darstellung, das behäbige, episodenhafte Drehbuch und die ungeschickte Regie erinnern an einen TV-Film aus vergangenen Jahrzehnten. So hat der Film nichts mit „Bohemian Rhapsody“ oder „Rocketman“ gemeinsam und erinnert leider vor allem an alte Fernseh-Biografien wie „Goodbye, Norma Jean“ oder „Rainbow“.
 
For Once In My Life
 
Renée Zellweger („Bridget Jones“) hat seit Jahren in keinem halbwegs interessanten Film mitgespielt. Maske und Kostümbildner sorgen durchaus für eine deutliche Ähnlichkeit mit dem Vorbild. Zellweger singt gar nicht schlecht. Sie hat Garland offenbar über lange Zeit studiert und zeigt das immer wieder in ihrer Haltung und ihren Bewegungen. Aber auf der Leinwand sehen wir während des ganzen Films nur eine gute Imitation, niemals eine Interpretation der Figur oder eine Darstellung dieser Person. Und wie bereits erwähnt, sind Zellweger die Anstrengungen in jeder Szene anzusehen.
 
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Ähnliches gilt leider nicht für den Rest der Besetzung. Die noch recht unbekannte irische Schauspielerin Jessie Buckley lässt uns im Unklaren, was es mit ihrer Figur der Tourneebetreuerin auf sich hat. Finn Wittrock („La La Land“) sieht als Garlands fünfter Ehemann gut aus, mehr aber auch nicht. Beide Darstellungen hat man während des Abspanns bereits wieder vergessen.
 
Michael Gambon ist einer der bekanntesten britischen Shakespeare-Mimen und vor allem als Dumbledore in der „Harry Potter“-Serie bekannt geworden. Hier spielt er eine nichtssagende Rolle so, wie sie jeder andere ältere Herr auch gespielt hätte. Mein Onkel hat noch nie auf einer Bühne oder vor einer Kamera gestanden. Aber selbst er hätte diese Rolle nicht anders dargestellt.
 
Fazit
 
Renée Zellweger bemüht sich tapfer gegen ein uninspiriertes Drehbuch und eine einfallslose Regie anzuspielen und scheitert dabei ehrenhaft. Ein wirklich gelungener Film über die große Judy Garland steht noch aus.
 
 
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