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*** Wer ist Daddy? ***

 
wid kritik
 
Autor: Walter Hummer
In den meisten Sitcoms stellen dumme Charaktere aus nicht nachvollziehbaren Gründen dumme Sachen auf besonders dumme Art und Weise an. Zum Glück dauern die einzelnen Episoden immer bloß 25 Minuten. „Wer ist Daddy?“ dauert 113 Minuten.
 
Vater werden ist nicht schwer …
 
Peter und Kyle Reynolds (Ed Helms und Owen Wilson) sind Zwillingsbrüder. Nachdem sie zwei Jahre keinen Kontakt hatten, treffen sie einander bei der Hochzeit ihrer Mutter (Glenn Close) wieder. Während der Hochzeitsfeier im Haus ihrer Mutter sieht sich Peter eine Folge „Law & Order“ im Fernsehen an. Plötzlich meint er in einem der Nebendarsteller seinen Vater zu erkennen, der kurz nach seiner Geburt an Krebs verstorben sein soll.
 
Als er seine Mutter darauf anspricht, gesteht sie, die beiden Söhne seit mehr als vierzig Jahren belogen zu haben. Am Ende einer langen Szene, die ebenso unlogisch wie unlustig ist, erklärt die Mutter dann, der echte Vater sei die Football-Legende Terry Bradshaw. An dieser Stelle ist jedem Zuseher klar, dass sich das als Lüge herausstellen wird. Die beiden Brüder aber müssen dazu nach Miami fliegen, Terry Bradshaw kennenlernen, mit ihm nach Hause fahren und erst einen vollkommen unpassenden Dialog mit seinem Nachbarn führen, um zu der gleichen Erkenntnis zu gelangen.
 
Man kann sicher lange nach einem Film suchen, dessen Handlung gleichzeitig so unlogisch und trotzdem vorhersehbar ist, wie die von „Wer ist Daddy?“. Es gibt schlechte Drehbuchautoren und es gibt faule Drehbuchautoren. Justin Malen („Office Christmas Party“) ist offensichtlich beides im Übermaß. Das wäre halb so wild, wenn er nicht den Sinn für Humor eines Achtjährigen hätte.
 
 
Zu Beginn des Films sehen wir den Proktologen Peter, wie er eine Prostatauntersuchung durchführt. Warum? Na, weil Justin Malen es witzig findet, wenn ein Mann einem anderen die Finger in sein Rektum steckt. Nichts gegen einen guten Rektal-Witz hin und wieder. Aber der Drehbuchautor liefert uns in dieser Szene gar keinen Witz. Nicht mal einen Mittelmäßigen. Nicht mal einen Schlechten. Nein, er zeigt uns einfach eine Prostatauntersuchung. Das muss doch reichen. Finger im Po, hohoho. Was will man mehr?
 
In der nächsten Szene sehen wir, wie Peter seinen Sohn von seiner Exfrau abholt. Der Sohn will nicht mitkommen und benimmt sich respektlos. Warum? Keine Ahnung. Wird nie erklärt. Der zwölfjährige Sohn ist ein undankbarer, kleiner Fratz. Punkt.
 
Der Film ist gerade mal keine fünf Minuten alt, da sieht Peter sich während der Hochzeitsfeier im Hause seiner Mutter eine Folge von „Law & Order“ an. Nochmal: der Mann sieht während der Hochzeitsfeier seiner Mutter fern. Ich war auch schon auf öden Hochzeiten. Aber wenn mir dann langweilig war, habe ich einfach behauptet, die Braut sähe schwanger aus oder habe das kleine Brautpaar von der Torte geklaut. Aber noch nie habe ich mich ins Wohnzimmer des Gastgebers zurückgezogen um fernzusehen. Was hat sich Drehbuchautor Justin Malen bloß dabei gedacht, als er solche Szenen geschrieben hat? Oder bei den Szenen, in denen Terry Bradshaw einen der beiden Brüder ständig ignoriert und wir nie erfahren warum? Was soll daran witzig sein, wenn ein Zehnjähriger in einer öffentlichen Toilette einen erwachsenen Mann anpinkelt, um dann von ihm angepinkelt zu werden? Und wer findet es lustig, wenn der Rezeptionist im Hotel nur flüstert? Und warum spielt dieser Film in einer Welt, in der Senioren bei jeder sich bietenden Gelegenheit Obszönitäten von sich geben?
 
01 ©2018 Warner Bros Entertainment02 ©2018 Warner Bros Entertainment03 ©2018 Warner Bros Entertainment04 ©2018 Warner Bros Entertainment
 
Irgendjemand hätte auch Erstlings-Regisseur Lawrence Sher dringend erklären müssen, dass Comedy vor allem eine Frage des Timings ist. Wenn eine Figur eine andere für tot hält, sollte der Film uns und dem Charakter wenigstens ein bisschen Zeit geben, ehe wir den anderen wieder lebendig herumhüpfen sehen. So etwas nennt man Spannung aufbauen. Da wir gerade beim Timing sind; die überdimensionalen Hoden eines sterbenden Katers bekommen wir minutenlang in Nahaufnahme zu sehen, obwohl sie nichts zur Handlung beitragen. So gleicht sich alles irgendwie aus.
 
Vater, Mutter, Kind, …
 
Ed Helms hat bereits gezeigt, wie großartig er als sympathischer Looser sein kann. Jeder kennt ihn aus den „Hangover“-Filmen und fast niemand vor ein paar Jahren seine fantastische Leistung in „Willkommen in Cedar Rapids“ gesehen. Hier ist er in mehrfacher Hinsicht im falschen Film.
 
Owen Wilson hat vor einigen Jahren in so unterschiedlichen Filmen wie „Minus Man“ und „Darjeeling Limited“ gezeigt, was er kann. Aber dann hat er bemerkt, dass er auch Geld verdienen kann, indem er abwechselnd seine Parts aus alten Filmen immer und immer wieder spielt. Hier wärmt er seine Darstellung aus „Ich, Du und der Andere“ auf.
 
„Wer ist Daddy?“ hat eine beeindruckende Liste von großartigen Darstellern in Nebenrollen zu bieten, von denen hier jeder einzelne sein Talent verschwendet. Dreißig Jahre lang war ich der Meinung, jeder Film würde durch die bloße Mitwirkung von Glenn Close automatisch besser werden. Wie ich jetzt herausgefunden habe, stimmt das doch nicht.
 
J.K. Simmons (Oscar für „Whiplash“) sehen wir in einem Part, den man besser ersatzlos gestrichen hätte.
 
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Comedy-Legende Harry Shearer hat in diesem Film nicht einen witzigen Satz zu sagen. Da hat er Glück, denn der arme Ving Rhames muss einen Gag bringen, der so furchtbar ist, dass man sich für den Mann schämt. Oscar-Preisträger Christopher Walken spielt eine Rolle, die jeder aufrechtgehende Schauspieler seines Alters genauso hätte spielen können.
 
Die noch ziemlich unbekannte Katie Aselton („Legion“) hat zusammen mit Ed Helms eine Szene, in der sich zwei intelligente Erwachsene auf witzige Art näher kommen. Man amüsiert sich, ist berührt und kann kaum glauben, wie wunderbar diese Szene gelungen ist. Aber wenige Minuten später folgt eine Szene, die das alles wieder in den Dreck zieht.
 
Fazit
 
Bei manchen Filmen ist es schwierig zu bestimmen, was schief gelaufen ist. Bei „Wer ist Daddy?“ ist es einfach: fast alles. In 113 Minuten sehen wir genau zwei Szenen die nicht komplett misslungen sind. Man wünscht sich, die Filmemacher hätten diese Szenen rausgeschnitten und in einem sehr viel besseren Film verwendet.
 
 
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