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*** Ruf der Wildnis ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Der Roman von Jack London rund um einen Hund, der dem Ruf der Wildnis folgt, wurde erstmals 1935 mit Clark Gable und danach noch mehrmals verfilmt. Die neueste Version fällt gleichzeitig sehr altmodisch und doch modern aus.
 
„Gnade war etwas für freundlichere Zonen“
 
Bernhardinermischling Buck führt in Kalifornien um 1900 ein privilegiertes Leben. Sein wohlhabender Besitzer lässt ihm alles Mögliche durchgehen. Selbst nachdem er die Tafel bei einem Familienfest verwüstet, muss er zur Strafe bloß auf der Veranda schlafen. Aber Buck wird gestohlen und nach Kanada als Schlittenhund verkauft. Im Verlauf verschiedener Abenteuer muss er sich auf seine Instinkte und seine Abstammung besinnen und folgt am Ende dem Ruf der Wildnis …
 
Regisseur Chris Sanders („Lilo & Stitch“, “Drachenzähmen leicht gemacht”) legt hier einen recht altmodischen Film vor. Die Handlung, die menschlichen Charaktere und die Dialoge erinnern an Filme vergangener Jahrzehnte. Daran ist zunächst mal nichts verkehrt. Man sollte bloß keine Überraschungen erwarten.
 
 
Die Handlung ist absolut vorhersehbar, selbst wenn man Jack Londons Roman nie gelesen hat. Der Schlittenführer mit dem sympathischen Lächeln ist natürlich ein grundgütiger Mensch. Aber sobald Buck sich die Führung des Rudels erkämpft und seiner neuen Position würdig erwiesen hat, bedeutet eine Neuigkeit auch schon wieder das Ende des schönen Lebens für den Hund. Und nachdem Buck dem alten Abenteuer John zuvor schon zweimal geholfen hat, wer wird in dann wohl aus den Händen eines grausamen Goldsuchers retten?
 
Drehbuchautor Michael Green („Blade Runner 2049“, „Mord im Orient-Express“) hat die Handlung des Romas gestrafft und vereinfacht. Und obwohl er einige der schlimmeren Grausamkeiten der Vorlage gestrichen und andere entschärft hat, ist der Film für kleinere Kinder sicher ungeeignet. Regie und Drehbuch treffen nicht immer den richtigen Ton. Bucks erster Einsatz als Schlittenhund wirkt einfach zu schmerzhaft um lustig zu sein. Ein Kampf um die Führung des Rudels und das Ende eines rachsüchtigen Goldsuchers fallen recht brutal aus.
 
Der Film lässt aber auch immer wieder nette Einfälle erkennen. Etwa wenn das Küchenpersonal alles Essbare in Sicherheit bringt sobald Buck in der Nähe ist oder wenn das Bild eines Mannes der mit einer Axt rasiert wird, erkennen lässt in was für einer rauhen Gegend der Hund angekommen ist.
 
Leider wird hier der gleiche Fehler begangen wie in so vielen Literaturverfilmungen der letzten Jahre. Der allwissende Erzähler aus dem Off erzählt einfach viel zu viel. Zusammen mit den vielen Erklärungen der Protagonisten auf der Leinwand (zwei verschiedene Figuren zeigen dem Hund an zwei verschiedenen Stellen des Films einen Weg auf einer Karte, bloß damit auch jeder mitbekommt, worum es in den folgenden Szenen geht) wird das alles ein bisschen viel und lässt den Film wie ein Hörspiel mit Bildern wirken.
 
01 ©2020 Twentieth Century Fox02 ©2020 Twentieth Century Fox03 ©2020 Twentieth Century Fox04 ©2020 Twentieth Century Fox
 
„… die ungezähmte, kaltherzige Wildnis des Nordens“
 
Dabei hätte Regisseur Sanders durchaus auf die Bilder des Films vertrauen können. Kameramann Janusz Kaminski hat sich seine Oscars für „Schindlers Liste“ und „Der Soldat James Ryan“ ehrlich verdient. „Ruf der Wildnis“ ist der erste Film seit einem Jahrzehnt, in dem er nicht für Steven Spielberg arbeitet. Aber auch ohne den Altmeister im Regiestuhl liefert Kaminski wunderschöne Bilder der kanadischen Wildnis.
 
Vor dem Hintergrund dieser Wildnis erlebt der vollständig im Computer entstandene Buck seine Abenteuer. Natürlich wirken der Held und andere computergenerierte tierische Darsteller nicht in jeder einzelnen Szene zu hundert Prozent echt. Aufmerksame Filmfans werden vielleicht bemerken, wie Harrison Ford mehr als einmal nicht genau dort hinschaut wo der Hund auf der Leinwand zu sehen ist. Aber das sind Kleinigkeiten. Wenn dafür vor und während der Dreharbeiten keine Hunde gequält oder in Gefahr gebracht wurden, soll uns das nur Recht sein. Und Kinder ab 8 Jahren werden sich über den modernen CGI-Helden mindestens so gut amüsieren können wie über einen echten Hund.
 
Und das ist gut so. Denn so wie die menschlichen Schauspieler in anderen Filmen zum Beispiel neben computergenerierten Dinosauriern zu bloßen Nebendarstellern verblassen, so hinterlässt auch die Besetzung dieses Films nur wenig Eindruck.
 
Harrison Ford murmelt sich durch seine Rolle, ohne sich je richtig anzustrengen. Omar Sy zeigt wieder die gleiche sympathische Ausstrahlung wie in „Ziemlich beste Freunde“. Mit Cara Gee („The Expanse“) ist tatsächlich eine Angehörige der First Nations in der Rolle der Ureinwohnerin zu sehen. Das war bei früheren Verfilmungen noch nicht selbstverständlich. Dan Stevens („Downton Abbey“) gibt einen Bösewicht und Karen Gillan („Jumanji: Willkommen im Dschungel“) verschwendet ihr Talent und ihre Zeit in zwei kurzen Szenen, die auch jede andere Darstellerin genauso gut gespielt hätte.
 
Fazit
 
Eine alte Geschichte wird mit moderner Technik recht altmodisch erzählt. Hundefans ab 8 Jahren werden trotzdem gut unterhalten.
 
 
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