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*** Little Women ***


ouatih kritik

Autorin: Katharina Mühl
 
Es gibt Filme, bei denen keiner versteht, wieso sie ein so großes Budget zur Verfügung gestellt bekommen. Little Women bietet Schauspieler*innen wie Emma Watson, Meryl Streep oder auch Bob Odenkirk. Es gibt großartige Kameraeinstellungen und auch Ausstattung und Kostüm haben einen einwandfreien Job gemacht. Nur leider trägt das allein keine 2 Stunden und 15 Minuten.
 
Vier kleine Mädchen
 
Der Film erzählt vom Leben der vier amerikanischen Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Jede von ihnen verfolgt ein künstlerisches Ziel: Jo möchte Schriftstellerin sehen, Meg steht gerne als Schauspielerin auf der Bühne, Amy liebt die Malerei und Beth verbringt ihre Zeit am liebsten am Klavier. Da es sich um einen historischen Film handelt, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts ereignet, ist die Rolle der Frau jedoch noch sehr von den Themen Heirat, Familie und Muttersein geprägt.
 
Selbstverwirklichung ist sekundär, hauptsächlich werden die vier Mädchen immer wieder von ihrer Tante ermahnt, ja reich zu heiraten, um die Zukunft ihrer Familie abzusichern.
 
 
Keine konsequente Linie
 
Der Film springt in seiner Erzählung ständig zeitlich hin und her. Den Rahmen bilden Besuche von Jo, der Schriftstellerin, bei einem Verleger, dem sie ihre Geschichten verkaufen möchte. Da die Schauspielerinnen den kompletten Film über die gleichen bleiben, gibt es optisch folglich kaum Unterschiede zwischen den jungen und den erwachsenen Mädchen. So bleibt es dem Zuschauer überlassen, die Ereignisse zeitlich einzuordnen, um den Handlungsstrang zu verstehen. Dies ist jedoch leicht machbar und dramaturgisch gut durchdacht.
 
Schwierige Figuren
 
Weniger komplex und ausgeprägt ist dabei die Gestaltung der vier Protagonistinnen. Diese haben keine Tiefe, sondern scheinen oberflächlich Schubladen als Kommentar zur Geschlechtersituation zu verkörpern. So gibt es beispielsweise die Rebellin, Jo, die sehr stark auftritt und der Meinung ist, eine Frau brauche keinen Mann. Ihre Gegenfigur bildet Meg, die als erste in der Familie heiratet und Mutter wird. Amy ist die Mischung aus beiden, eine Frau, die versucht sich selbst in der Kunst zu verwirklichen, schließlich kapituliert und doch auf die Heiratskarte setzt.
 
Anstrengende Mädchenthemen
 
In vielen Rückblenden sieht man die vier Protagonistinnen als kleine Mädchen. Das einzige Thema, das sie zu beschäftigen scheint, ist dabei Schönheit. Wie sieht meine Nase aus? Welches Kleid trage ich heute? Selbst Jo, die man aus heutiger Zeit vermutlich als Feministin bezeichnen würde, weint, als sie ihre schönen langen Haare einmalig abschneiden muss. Im Film wird immer wieder thematisiert, dass Familie das wichtigste sei: Egal, was passiert, die vier Schwestern hätten ja sich. Dabei gibt es mehrere Stellen, an denen deutlich wird, dass die Bindung der vier zueinander nicht immer die herzlichste ist.
 
01 ©2020 Sony Pictures03 ©2020 Sony Pictures05 ©2020 Sony Pictures09 ©2020 Sony Pictures
 
Nichts zu erzählen?
 
Generell hat der Film ein Talent dafür, Leitgedanken, die er aufstellt, sofort wieder einzureißen. Es geht oft darum, wie arm die Familie doch ist. Dennoch sieht man sie nie auf etwas verzichten. Anderes Beispiel: Amy erklärt einem Anbeter langwierig, warum sie ihn nicht heiraten möchte. Zwei Minuten später gibt sie diesem das Ja-Wort. Aufgrund dieser Inkonsequenz und den oberflächlichen Themen wirkt der Film leider wie eine schlechte Seifenoper. Die Chance für Tiefe ist zwar durchaus gegeben; so haben die vier Mädchen beispielsweise einen Vater, der im Bürgerkrieg kämpft.
 
Ernste Themen tauchen jedoch immer nur kurz und sprunghaft auf. Leider bietet der Film auch keinerlei Identifikationspotential. Die vier Protagonistinnen wirken oberflächlich und schaffen es nicht, Mitgefühl zu erzeugen. Auch, wenn ihnen sie allem zum Schluss hin ein paar schwere Schicksalsschläge treffen, bleibt einem der Kloß, den man in anderen Filmen als Zuschauer zu solchen Minuten hinunterschlucken muss, dieses Mal erspart.
 
Alltag des 19. Jahrhunderts nicht mehr nachvollziehbar?
 
Die Romanvorlage von Louisa May Alcotts erschien 1868 bzw. 1869. Vielleicht wäre der Film zur damaligen Zeit ein Erfolg gewesen. Die Geschlechterrollen von Mann und Frau haben sich stark verändert, Feminismus ist ein außerordentlich gefragtes (Mode)Thema, weswegen die oberflächliche Frauendarstellung in diesem Film stark enttäuscht.
 
Auch als historischer Film funktioniert Little Women leider schlecht, da er ausschließlich den Alltag der vier kleinen Mädchen thematisiert, nicht jedoch historische Ereignisse. Es bleibt die Frage, für welche Zielgruppe der Film gemacht wurde. Vermutlich wären die alltäglichen Problemchen der Protagonistinnen für die jungen Mädchen aus dem 19. Jahrhundert eine willkommene Alltagsflucht gewesen. Heute hinterlassen diese jedoch nur großes Unverständnis, Stirnrunzeln und die Empathie bleibt aus.
 
 
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