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*** Catch Me! ***


 
cme kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Aus der Geschichte einer Gruppe von Freunden, die seit mehr als dreißig Jahren eine lange Partie „Fangen“ spielen, hätte man verschiedene Filme machen können. Eine abgedrehte Farce. Eine Parabel über das Älterwerden. Eine Buddy-Komödie. Eine bittersüße Geschichte über Freundschaft. Regisseur Jeff Tomsic hat keine dieser Möglichkeiten gewählt.
 
„Du bist es!“
 
Sechs Freunde haben 1983 angefangen Fangen zu spielen. Mehr als dreißig Jahre später spielen sie immer noch dieselbe Partie. Nur ein Mitglied der Spielgruppe, Jerry (gespielt von Jeremy Renner), hat es bisher geschafft, noch nie erwischt zu werden. Als Hoagie (Ed Helms) den anderen erzählt, dass Jerry bald heiraten und anschließend mit einer perfekten Bilanz aus dem Spiel aussteigen will, steht für die Freunde fest: sie müssen Jerry wenigstens einmal erwischen. Koste es was es wolle …
 
Am Anfang dieses Films steht eine kurze, aber großartige kleine Szene. Um seinen alten Freund Bob (Jon Hamm) am Arbeitsplatz erwischen zu können, bewirbt Hoagie sich als Reinigungskraft in der Versicherung, in der Bob als Manager arbeitet. Der Vorarbeiter des Putztrupps fragt den Bewerber natürlich, warum er sich als Reinigungskraft bewirbt, obwohl er doch ein Doktor der Veterinärmedizin ist und eine eigene Praxis hat. Ed Helms liefert darauf eine köstliche kleine Parodie auf das typische Bewerbungsgespräch. Wenn Helms mit vertraut klingenden leeren Phrasen begründet, warum er einen miesen Job als hehre Berufung betrachtet, ist das nicht bloß rasend komisch. Diese Szene ist eine wunderbare kleine Alltagsbeobachtung, die zeigt, welche Richtung der Film hätte einschlagen können.
 
 
Bereits die nächste Szene macht aber schnell deutlich, in welche Richtung dieser Film weiter steuern wird. Wenn Hoagie seinen alten Freund Bob überrascht, während dieser einer Reporterin des Wallstreet-Journals ein Interview gibt, ist diese Szene zunächst mal zu langatmig aufgebaut, um wirklich witzig zu sein. Wenn die Reporterin spontan entscheidet, das ursprüngliche Thema ihres Artikels fallen zu lassen und das jahrzehntelange Fangenspiel zur Story zu machen, ist das einfach unrealistisch.
 
Aber diese zwei Punkte wären halb so wild. Jede Menge Filme sind unwitzig und unrealistisch. Schwerer wiegt eine dritte Nachlässigkeit: Rebecca, die Reporterin, hat Bob ursprünglich zu den fragwürdigen Praktiken seiner Versicherung im Umgang mit Diabeteserkrankungen ihrer Kunden befragen wollen. Das ist vor allem in den USA, in der sich Versicherungen noch mehr als hierzulande regelmäßig vor der Erfüllung von Leistungen drücken, ein heikles Thema. Deshalb verwundert es auch, wenn es in einer Komödie angesprochen wird. Noch mehr verwundert es aber, wenn dieses ernste Thema danach nie wieder aufgegriffen wird. Haben die Drehbuchautoren Mark Steilen („Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln“) und Rob McKittrick („Die Solomon Brüder“) etwa ein komplett unpassendes Thema in einer seichten Komödie verwendet? Und haben sie es dann noch nicht mal geschafft, daraus einen Gag zu machen? Leider ja. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.
 
Im Laufe des Filmes bekommen wir unter anderem folgendes zu sehen: erwachsene Männer, die sich während einer Therapiestunde eines Freundes im Schrank der Therapeutin verstecken und zuhören; Kidnapping eines Unbeteiligten und die Androhung von Waterboarding um ein Kinderspiel weiter spielen zu können; eine romantische Rückblende an eine Highschool-Liebe, in deren Verlauf eine Schülerin ihren Freund manuell befriedigt (ich wollte nicht „einen runterholt“ schreiben, weil meine Kinder manchmal meine Rezensionen lesen. Nicht oft, aber doch manchmal); mehrere Fälle von Einbruch; mehrere Fälle von schwerer Körperverletzung unter Freunden; Freunde, die ein Meeting der Anonymen Alkoholiker stören, weil sie ihren Freund erwischen wollen; einen erwachsenen Mann, der ein Kirchenfenster zerstört um ein Kinderspiel zu gewinnen; eine Frau die eine Schwangerschaft erfindet und eine Fehlgeburt vorspielt, damit ihr Mann ein Kinderspiel gewinnen kann, … und das alles OHNE das eine dieser Szenen halbwegs witzig wäre.
 
01 ©2018 Warner Bros Pictures02 ©2018 Warner Bros Pictures03 ©2018 Warner Bros Pictures04 ©2018 Warner Bros Pictures
 
„Get hard, stay hard“
 
Und so kommen wir zu der von Jeremy Renner gespielten Figur des Jerry. Der ehrgeizige Freund, Nachbar, Kollege oder Nebenbuhler ist natürlich ein altbewährtes Motiv in Komödien. Und natürlich muss so eine ehrgeizige Figur - zumindest für eine Weile - immer ein wenig unsympathisch wirken. Dieser Jerry ist aber nicht bloß ehrgeizig. Er wirkt nicht bloß ein wenig unsympathisch. Der Kerl ist ein waschechter Soziopath. Er nimmt nicht nur einfach in Kauf, dass er und andere im Laufe des Spiels schwer verletzt werden. Er führt diese Verletzungen und Sachbeschädigungen gezielt herbei. Die Verletzungen die er anderen und sich selbst zufügt sind ihm offenbar gleichgültig. Als die Freunde ihren ersten Versuch starten, ihn endlich mal zu erwischen, schlägt er mehrmals mit den Fäusten auf einen seiner alten Freunde ein, ehe er durch ein geschlossenes Fenster springt.
 
Jeremy Renner versucht nun seit Jahren in einem Film cool zu wirken. Dabei hat er bisher wirklich alles falsch gemacht. Er hat nebeneinem Halbgott, einem Supersoldaten, einem Hulk und einem Millionär mit High-Tech-Anzug einen Typen gespielt, der gut mit Pfeil und Bogen schießen kann. Er hat ein Franchise von Matt Damon (einem der uncoolsten Stars in der Geschichte des Kinos) übernommen, nur um es sich wieder abnehmen zu lassen. Und er ist in ein Franchise von Tom Cruise eingestiegen. Brillante Idee! Tom Cruise ist ja bekannt dafür, seinen Ruhm gerne zu teilen. Aber selbst Jeremy Renner hat noch nie einen größeren Fehlgriff getan, als mit dieser Rolle in diesem Film.
 
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Ed Helms ist ein großartiger Komiker. Und ein viel besserer Schauspieler als man anhand seiner Arbeit in den Hangover-Filmen meinen möchte. Ich möchte dazu allen Lesern seinen praktisch unbekannten Film „Willkommen in Cedar Rapids“ wärmstens ans Herz legen. Nach „Wer ist Daddy?“ (ausführliche Kritik hier auf cinepreview.de) hat er bei der Auswahl seiner Projekte nun zum zweiten Mal in Folge komplett danebengegriffen.
 
Jon Hamm („Mad Men“) spielt die Rolle, die er in fast jedem seiner Filme spielt. Und er hat sie noch nie so schlecht gespielt.
 
Jake Johnson („New Girl“) spielt eine Figur, die in einem besseren Film eine witzige Nebenrolle gewesen wäre. Leider ist sie hier eine unwitzige Hauptrolle. Der Stand-up-Comedian Hannibal Buress spielt den Quoten-Schwarzen. Seine Figur ist so vernachlässigbar, in einem Horrorfilm wäre sie nach weniger als zehn Minuten tot. Isla Fisher (Shopaholic“) spielt Hoagies Ehefrau, Annabelle Wallis („Die Mumie“) die Reporterin und Leslie Bibb („Iron Man“) Jerrys Verlobte. Da das Drehbuch von Zwölfjährigen geschrieben wurde, die zwar irgendwie wissen, dass Mädchen interessant sein sollten, aber noch nicht warum und wozu, ist es müßig, über die Frauenrollen in diesem Film weitere Worte zu verlieren.
 
Fazit
 
Regisseur Jeff Tomsic hätte aus dieser Geschichte mehrere ganz verschiedene Filme machen können. Er hat sich für die schlimmste aller Möglichkeiten entschieden: eine geschmacklose Komödie, die einfach nicht witzig ist.
 
 
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