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Hollywoods Hunger nach deutschen Regisseuren

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 Autorin: Claudia Oberst
 
Der Filmemacher Edward Berger (''Jack'') lebt zur Zeit in der ''Villa Aurora'' in Los Angeles. Dort knüpft er Hollywood-Kontakte und erklärt, warum die deutschen Zuschauer, anders als die Amerikaner, ''Deutschland 83'' die kalte Schulter zeigen.
 
Wenn Edward Berger an seinem neuen Drehbuch arbeitet, schauen ihm dabei Berthold Brecht, Thomas Mann und Lion Feuchtwanger über die Schulter.
 
Zwar sind besagte Herren nur als Fotografien anwesend, aber der Regisseur von ''Deutschland 83'' weiß sehr wohl, auf wessen Spuren er in der ehrwürdigen ''Villa Aurora'' in Los Angeles wandelt. „Manchmal schrecke ich beim Schreiben hoch, sehe die Bilder dieser großartigen Schriftsteller und denke mir, 'mein Gott, die saßen auch alle hier'“, erzählt Berger mit einem Lachen und fügt hinzu, dass das ziemlich respekteinflößend sei.
 
Der 45-jährige ist seit Oktober einer der acht Stipendiaten der Künstlerresidenz ''Villa Aurora''. Hier findet jedes Jahr die ''Deutsche Party'' am Vorabend der Oscar-Verleihung statt. Noch bis Januar lebt Berger hier und hat Zeit, Land und Leute besser kennenzulernen - und wertvolle Kontakte zu knüpfen.
 
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Deutsche Künstlerresidenz am Pazifik
 
Genau dazu dient die ''Villa Aurora''. Das ehemalige Wohnhaus des jüdischen Schriftstellers Lion Feuchtwanger, der gemeinsam mit seiner Frau Marta vor Hitler-Deutschland floh, war schon immer ein Versammlungsort für Deutsche im Exil. Neben Thomas Mann und Berthold Brecht waren auch Albert Einstein und Alfred Döblin bei den Feuchtwangers zu Gast.
 
Seit 20 Jahren wird die Villa von einer Stiftung getragen und beherbergt jedes Jahr bis zu 12 Stipendiaten aus den Bereichen Musik, Film, Literatur und Kunst. Während ihrer drei Monate in Pacific Palisades, einem wohlhabenden Stadtteil von Los Angeles, widmen sich die Künstler neuen Projekten, inspiriert vom traumhaften Ausblick auf den Pazifik und den Pier von Santa Monica.
 
Auch Edward Berger sammelt hier Ideen. Er ist gemeinsam mit seiner Frau Nele Mueller-Stöfen nach Kalifornien gekommen und nennt den Aufenthalt, weit weg vom Berliner Alltag, „beflügelnd“.
 
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Mit offenen Armen in Hollywood empfangen
 
Nach seinem Erfolg mit dem Film ''Jack'', der bei der Berlinale 2014 lief, und der Serie ''Deutschland 83'', die in den USA Publikum und Kritiker begeisterte, ist der ehemalige ''Tatort''-Regisseur in Hollywood mit offenen Armen empfangen worden. Er hat mittlerweile zwei Agenten und liest täglich mindestens drei Drehbücher.
 
„Ich war überrascht von dem Hunger nach neuen Stimmen, der hier herrscht“, so Berger, dem die gedankliche Freiheit der Amerikaner gefällt, „es gibt erstmal keine Grenzen, alles ist möglich.“
 
Wenn es sich ergibt hätte er nichts dagegen, seine „Spielwiese“, wie er es nennt, über Berlin und Deutschland hinaus zu vergrößern: „Aktuell gibt es drei bis vier Drehbücher, die ich spannend finde und wo ich schon einige Treffen mit dem Produzenten hatte.“ Er schaue dem Ergebnis entspannt entgegen, sagt er und wirkt tatsächlich sehr relaxed, wie er da in Pulli und Hose auf dem Sofa sitzt, an den Füßen abgetragene Turnschuhe.
 
In Hollywood arbeiten will er nur, wenn die Bedingungen stimmen. „Ich will MEINEN Film machen und meine eigene Stimme einbringen“, so der geborene Wolfsburger. „Ich habe keine Lust, dass 400.000 Menschen mitquatschen, das verwässert nur alles.“
 
Illusionen über die Traumfabrik macht er sich keine. Er weiss, dass man hier schnell zum Star werden kann, genau so schnell aber auch untergehen kann. „Man muss aufpassen, nicht zum Auftragnehmer zu werden, der nur seinen Job macht“, sagt Berger, der seinen Filmen eine persönliche Note geben will.
 
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Blick nach vorn
 
Auf schlechte Filme in Hollywood hat er keine Lust, da verfilmt er lieber eigene Sachen in Deutschland. In der ''Villa Aurora'' schreibt er mit seiner Frau zusammen ein Drehbuch für einen neuen Arthouse-Film im Stil von ''Jack''. Drehbeginn ist im Sommer 2017.
 
In ''Eis'', wie der Arbeitstitel heißt, geht es um eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes entdeckt, dass dieser ein Doppelleben geführt hat. Der Betrug stürzt sie in eine Lebenskrise und sie verliert - zumindest vorübergehend - den Glauben an die Liebe.
 
Auch wenn das Skript noch nicht ganz steht hat Berger bereits eine Wunsch-Hauptdarstellerin: „Wir haben beim Schreiben Hannah Herzsprung im Kopf. Sie weiß noch nichts von ihrem Glück, aber wir werden sie fragen, ob sie das spielen will.“
 
''Eis'' ist nicht das einzige Projekt des Regisseurs. Im Sommer dreht er ''Die Hoffmanns'', eine Geschichte über drei Geschwister, die in ihrem Leben schleunigst etwas andern müssen, um ihr Ziel nicht endgültig aus den Augen zu verlieren. Auch hierfür hat er das Drehbuch gemeinsam mit seiner Frau geschrieben.
 
''Deutschland 83'': In Deutschland kein Hit
 
Keine Frage, Berger hat viel zu tun. Da bleibt wenig Zeit, zurückzublicken. Dass die von Kritikern hochgelobte Polit-Thriller-Serie ''Deutschland 83'' bei den deutschen Zuschauern durchfällt, lässt ihn (relativ) kalt. „Mir muss es egal sein“, sagt Berger, „Ich kann das nur so machen, wie ich es gut finde und hoffen, dass andere Menschen es dann auch mögen.“
 
Im Gegensatz zu den Machern von Sundance TV, die die Serie in den USA beworben und ausgestrahlt hatten, habe RTL es versäumt, seine Werbekampagne an Inhalt und Ästhetik von ''Deutschland 83'' anzupassen. „Wenn man eine moderne Serie so verkauft, als würde sie aussehen wie immer, dann zieht man damit keine neuen Zuschauer an und verschreckt die alten“, lautet Bergers Fazit.
 
 
 
 
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