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Berlin Independent Film Festival - "Trainstation"

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 Autor: Tim Prahle
 
Wenn eine Filmproduktion zur internationalen Gruppenarbeit wird
 
40 Regisseure, 25 Länder, eine Geschichte. Was die Gästeliste eines Regisseur-Seminars sein könnte, ist in Wirklichkeit der Rahmen eines einzigen Filmes, der nicht nur die ganze Bandbreite internationaler Filmschaffung aufzeigt, sondern auch eine bekannte Wahrheit völlig neuartig darstellt.
 
Die Berlinale: das bedeutet auch 2016 wieder jede Menge Stars, Blitzlichtgewitter und nationale, wie auch internationale Medienaufmerksamkeit. Doch daneben gibt es noch die so gänzlich anders scheinenden Filmspiele – das Berlin Independent Film Festival. Für die deutsche Hauptstadt und seine Besucher ist es die beste Abwechslung von der Berlinale. Kreative Filmprojekte von Künstlern aus der ganzen Welt werden gezeigt. Das schafft Abwechslung für die Zuschauer und ist eine Chance für die „kleineren“ Filme.
 
„Für unabhängige und Low-Budget Produktionen, die nicht bei so einem großen Festival laufen können, kann es eine Gelegenheit sein, um ein filmdurstiges Publikum anzulocken und sogar Investoren, Agenten oder Filmschaffende allgemein, die in gerade in der Stadt sind, zu gewinnen, sagt Xavier Agudo. Er ist einer von 40 Filmemachern die an dem CollabFeature-Film Trainstation mitgewirkt haben.

Wenn nur die Geschichte zählt
 
Trainstation beginnt mit einem Mann, dessen Zug nicht kommt und der in der Folge entscheiden muss, ob er den Bahnhof wieder verlässt oder wartet. Die Simplizität dieser Ausgangslage ist so gewollt, wie passend. Denn über eineinhalb Stunden, werden die Entscheidungen, die der Mann trifft, ihn geradewegs von einer in die nächste Geschichte tragen. Mit jeder Entscheidung ändert sich der Rahmen. Das heißt im Klartext: die Szene wurde von einem ganz anderen Filmteam gedreht. Sprache, Drehort, Alter, Geschlecht, Kleidung - nichts bleibt gleich. Nur die Geschichte.

Die Geschichte schafft es ziemlich schnell den Zuschauer an sich zu binden. Schon nach kurzer Zeit kann dieser sich in die Materie der kleinen und großen Entscheidungen einfinden und zu interessant ist es, wann das nächste Segment auftaucht, welche Sprache dort gesprochen wird, wie sich die äußeren Bedingungen ändern. Was zunächst nur nach einem Projekt für echte Filmfreaks klingt, wird so auch für den Laien schnell unterhaltsam.

Juliane Block ist ebenfalls eine der vielen Filmemacher, die an Trainstation mitgearbeitet haben. Sie erklärt, wie bei diesen komplizierten Rahmenbedingungen überhaupt eine Geschichte entstehen konnte:

„Am Anfang gab es nur die Idee: ein Mann kommt zum Bahnhof, und der Zug kommt nicht. Was macht er? Ich erinnere mich, dass wir 2010 und 2011 viele Ideen einander vorgeschlagen haben - Was kann der Mann machen? Wie wird er sich verhalten? Jede Idee schloss mit einem Entscheidungsdilemma, das ein weiterer Filmemacher aufgreifen konnte, um seine Idee zu darzulegen. Die Ideen wurden dann bewertet und die besten sind in den Film gekommen.
 
Dann wurden diese Segmente verteilt und meistens schrieb der jeweilige Regisseur, der das Segment dann gedreht hat, auch das kurze Drehbuch dazu. Das wurde dann wieder bewertet und so wurde das gesamte Drehbuch immer besser.
 
 
 
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Wenn sich Film und Filmproduktion über die Grenzen der Unterscheidung hinwegsetzen
 
Die Idee, viele Filmschaffende zusammenzubringen und gemeinsame Projekte zu gestalten ist es indes keine neue. Vor bereits sieben Jahren wurde CollabFeature – also das für Trainstation verantwortliche Netzwerk gegründet. „Über Online-Inserate und persönliche Netzwerke haben sich Filmemacher auf der ganze Welt beworben und wurde für verschiedene Projekte angenommen“, erklärt Xavier Agudo, der von Anfang an dabei ist.
 
„Dieses Netzwerk hat sich über die Jahre verbreitet und so sind es mittlerweile um die 100 Filmemacher, die an den verschiedenen Projekten von CollabFeature teilnehmen.“ Juliane Block, für die Trainstation das erste Projekt dieser Art ist, hat neben den Segmenten, die in Deutschland produziert wurden auch in Indonesien an dem Film gearbeitet. Ihr Fazit: „Die Produktion war gar nicht so unterschiedlich. Letztlich sind wir uns halt doch alle sehr gleich."
 
 
Eine Einstellung, die auch den Film als solchen funktionieren lässt. Denn dieser nimmt in seiner Erzählweise wenig Rücksicht auf vermeintliche Unterschiede. Deswegen ist es auch unerheblich, ob der Protagonist plötzlich zu einer Protagonistin wird, am anderen Ende der Welt beheimatet und rund 20 Jahre jünger ist. Agudo, in Venezuela geboren und für das Segment in Berlin zuständig, bringt es auf den Punkt: „Wir sind alle gleich. Wir haben alle die gleichen Probleme, Sorgen, Träume, nur dass wir sie auf unterschiedliche Art, in unterschiedlicher Sprache und in unterschiedlicher Kultur zu Ausdruck bringen.“

Bleibt die Frage, warum es für die Macher wichtig war, eine so simple Wahrheit, wie „jede Entscheidung beeinflusst deine Zukunft“, als zentrale Aussage des Films einzusetzen. Agudo knapp: „Bekannte Wahrheiten sind am einfachsten zu vergessen, weil wir diese als selbstverständlich betrachten.“
 
 
 
Wenn man Abwechslung braucht
 
Der Film ist hingegen alles andere als selbstverständlich und passt damit perfekt zum Independent Film Festival nach Berlin. Die Veranstalter zeigten sich bereits begeistert. Auch vom Zuschauer erwarten sich die ebenfalls anwesenden Xavier Agudo und Juliane Block einiges: „Wir erwarten Neugier und das Bewusstsein, dass Filme auch anders aussehen und produziert werden können“.
 
Den Berlinern und Berlinbesuchern, die sich diese Art von Abwechslung wünschen, ist der Film dringend zu empfehlen. Trainstation wird am Mittwoch, dem 17. Februar um 18:00 im Babylon-Kino gezeigt und einige wenige Tickets sind noch verfügbar.
 
Info:
 
 
 
 
 
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