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Berlinale 2016: Sophie Seifried - Auf Du und Du mit den Stars

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 Autorin: Claudia Oberst

Wenn George Clooney ins Adlon bittet: Als Film-Einkäuferin auf der Berlinale
 
Sophie Seifried ist Film-Einkäuferin. Eigentlich lebt und arbeitet sie in Los Angeles. Für die Berlinale aber ist sie nach Deutschland geflogen, schließlich gehört zum Filmfestival neben Hollywood-Stars und entzückten Fans auch einer der größten Filmmärkte der Welt.
 
Für ihren Arbeitgeber, den Film-Verleih Splendid Film mit Sitz in Köln, ist Seifried im Dauereinsatz. Ihr Auftrag: Neue Filme einkaufen, die dann hoffentlich zu Kassenschlagern werden und ihrem Verleih ein ordentliches Plus erzielen.
 
Vom Roten Teppich und dem Glamour drumherum bekommt Seifried nicht viel mit. Sie verbringt ihre Tage in Hotelzimmern und verhandelt mit Verkaufsagenten um Vermarktungsrechte für den deutschen Markt.
 
„Ich sitze da mit 20 anderen Einkäufern aus allen möglichen Ländern an einem Tisch und der Regisseur eines Films erklärt uns, wie er sich sein Projekt vorstellt, wer darin mitspielt und wie hoch das Budget ist“, erklärt Seifried. Gefällt ihr ein Film, gibt sie ein Angebot dafür ab.
 
Wenn ihr Gebot das aller anderen deutschen Verleiher schlägt, darf sie den Film in Deutschland vermarkten. „In Deutschland gibt es viele starke Verleihe, deshalb ist der Konkurrenzkampf groß“, sagt Seifried. „Jeder will den neuen George Clooney oder Steven Soderbergh-Film.“
 
Termin mit George Clooney um 8:30 Uhr
 
Apropos George Clooney. Der Frauenschwarm ist nicht nur für seinen aktuellen Hit „Hail, Caesar“ auf der Berlinale, er vermarktet auch seine nächste Regie-Arbeit „Suburbicon“, die auf einem Drehbuch der Coen-Bruder basiert.
 
Star-Allüren sind bei Clooney Fehlanzeige. „Wir waren morgens um halb neun bei ihm im Zimmer, damit er uns seinen Film vorstellen kann“, so Seifried. Schick im Anzug gekleidet sei Clooney ganz Geschäftsmann gewesen.
 
„So jemand wie er ist natürlich entspannt und selbstsicher”, sagt Seifried. Clooney wisse, dass es Eindruck macht, wenn er persönlich mit den Einkäufern spricht und nicht einfach einem Agenten die Arbeit überlässt.
 
Das Budget seines Films beträgt 50 Millionen Dollar. Der deutsche Verleiher wird circa zehn Prozent davon übernehmen. Das ist Tradition, sagt Seifried.
 
Der Verleiher bringt den Film in Deutschland ins Kino, verkauft ihn an das Fernsehen und vermarktet ihn auf DVD und Video-on-Demand, etwa bei Itunes.
 
 
 
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„Jeder will Hollywood“
 
Das Geschäft mit dem Film-Verleih ist risikoreich. „Wir informieren uns vorab genau über einen Film und errechnen, wie groß seine Chancen auf Erfolg sind und wie viel er uns wert ist“, so Seifried. Vor Misserfolgen ist trotzdem niemand gewappnet.
 
Deshalb nach wie vor heiß begehrt: Filme aus Hollywood mit großen Stars, die garantiert das Publikum ins Kino locken. „Ohne Zugpferde aus Hollywood geht es nicht. Jeder will Hollywood“, erklärt die Filmmanagerin nüchtern.
 
Als Glücksgriffe erweisen sich immer wieder kleine Produktionen, die relativ günstig zu haben sind und dann sehr erfolgreich werden und viel Geld einspielen. „Still Alice“ mit Julianne Moore aus dem letzten Jahr ist so ein Beispiel.
 
„Durch die Ankunft von Netflix und anderen Streaming-Diensten hat sich der Kampf auf dem Filmmarkt verschärft“, sagt die Expertin. Netflix sei eine riesige Konkurrenz für die Verleiher weil der Streaming-Dienst gleich das komplette Budget bezahle und die Filmemacher dadurch nicht mehr gezwungen seien, ihren Film in jedes Land einzeln zu verkaufen.
 
Seifried will mindestens einen großen Film erwerben, bis der Berlinale-Markt zu Ende ist: „Wenn wir den Clooney kriegen, brauchen wir den Soderbergh nicht mehr.“
 
Der nächste Termin, um Filme zu kaufen, ist im Mai. Beim Festival in Cannes, das den größten Filmmarkt der Welt beheimatet, wird Seifried, die seit 2013 für die Epic Pictures Group, eine amerikanische Filmproduktionsfirma, als PR-Chefin arbeitet, wieder unterwegs sein und Angebote abgeben. Danach kommen Toronto und Los Angeles.
 
„In meiner Branche reist man von Festival zu Festival und trifft immer wieder die gleichen Leute“, sagt Seifried. „Fast wie eine Familie - oder eine Zirkustruppe.“
 
 
 
 
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