Uralter nordafrikanischer Dämon frisst sich in das Leben einer Familie.
Lost in Egypt
Selbst Hollywood-Superstar Tom Cruise kann mit seinem unbändigen Körpereinsatz einige Filme nicht vor dem Absturz bewahren. 2017 tauchte der „Mission: Impossible“-Darsteller in „Die Mumie“ auf, einer kruden Mischung aus Spukstreifen, Fantasy-Spektakel und Abenteuergeschichte, die nicht nur einem klassischen Horrorstoff neues Leben einhauchen sollte, sondern zugleich als Startschuss eines großen Leinwandgruselkosmos, ähnlich der Marvel-Reihe, geplant war. Mit dem sogenannten „Dark Universe“ wollte das Studio Universal hauseigene alte Monsterproduktionen auffrischen und teils lose verbinden. Da der von der Kritik verrissene Cruise-Beitrag an den Kinokassen unter Durchschnitt performte, wurde das Vorhaben jedoch wieder eingemottet.
Das Motiv einer einbalsamierten Leiche, die aus ihrem Sarkophag befreit wird und Unheil verbreitet, hat seit Karl Freunds „Die Mumie“ aus dem Jahr 1932 zahlreiche filmische Bearbeitungen erfahren. Bekannt ist heute vor allem die bislang dreiteilige Saga um den US-amerikanischen Schatzjäger Rick O'Connell (Brendan Fraser) und die britische Bibliothekarin und Ägyptologin Evelyn Carnahan (Rachel Weisz), die ein viertes, für 2028 anvisiertes Kapitel erhalten soll.
Vorher legt allerdings Lee Cronin eine Neuinterpretation des Mumienmaterials vor, bei der es der irische Filmemacher sogar mit seinem Namen in den Titel geschafft hat. Freunden des Horrorkinos dürfte der Regisseur und Drehbuchautor spätestens seit dem beinharten Schocker „Evil Dead Rise“ (2023) ein Begriff sein, mit dem er sich auf überzeugende Weise in das von Sam Raimi erschaffene „Tanz der Teufel“-Franchise einschrieb. Schon sein vorheriges Werk, das schaurige Mutter-Sohn-Stück „The Hole in the Ground“ (2019), ließ erkennen, dass der 1982 geborene Horrorfan Genrekonventionen und emotionale Extremsituationen eindringlich zu kombinieren weiß.
In „Lee Cronin’s The Mummy“ bricht die Welt der vorübergehend in Ägypten lebenden Familie Cannon von einem Tag auf den anderen zusammen, als Tochter Katie (Emily Mitchell) aus dem Garten des angemieteten Hauses verschwindet. Während die örtliche Polizei im Dunkeln tappt, kehren Vater Charlie (Jack Reynor), ein Fernsehjournalist, seine im Krankenwesen arbeitende, schwangere Ehefrau Larissa (Laia Costa) und Katies Bruder Sebastián (Dean Allen Williams) auf ihr einsam gelegenes Anwesen nahe Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico zurück, wo Larissas Mutter Carmen (Veronica Falcón) auf sie wartet.