Ein junger Ziegenbock will hoch hinaus - und ist die Hauptfigur einer „Zoomania“-Variante im Sportmilieu.
Basketball für Hartgesottene
Mit seinen Superheldenabenteuern „Spider-Man: A New Universe“ (2018) und „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ (2023) setzte der Hollywood-Riese Sony im Animationskino der jüngeren Vergangenheit zwei von Kritik und Publikum gefeierte Akzente. Erstgenannter Film heimste bei der 91. Oscar-Verleihung gar den begehrten Preis als beste animierte Leinwandarbeit ein. Zu bieten hatten beide Werke neben einer aufregenden Optik auch eine emotional mitreißende Geschichte. Was uns zur jüngsten Produktion aus dem Hause Sony Pictures Animation bringt. „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ wartet zwar mit einem interessanten Stil auf, der sich von den auf Perfektion getrimmten Bildern des Konkurrenten Disney unterscheidet. Ihre Underdog-Story (besser gesagt: Undergoat-Story) spult die um einen jugendlichen Ziegenbock (im Englischen: goat) kreisende Sportkomödie aber unter dem Motto „Malen nach Zahlen“ ab.
Schauplatz des Films ist eine anthropomorphe Tierwelt, in der eine fiktive Sportart namens Roarball die Massen in Ekstase versetzt. Auch unser Held Will Harris, der in der urigen, dicht bewachsenen Stadt Vineland lebt, begeistert sich, seit er denken kann, für das Spiel, das sich als Basketball unter erschwerten Bedingungen und mit härteren Bandagen beschreiben lässt. Sein großes Idol ist die schwarze Pantherin Jett Fillmore, die den Bewohnern von Vineland als die Größte aller Zeiten (im Englischen: Greatest of All Time, kurz: G.O.A.T.) gilt. Im Teenageralter hat Will seinen Traum von einer eigenen Roarball-Profikarriere nach wie vor nicht aufgegeben, eifert weiter Fillmore und den heimischen Vineland Thorns nach.
Für das bislang noch titellose Team sieht es in der Meisterschaft gerade alles andere als gut aus, weshalb Jett von Klubbesitzerin Florence Everson, einem Warzenschwein, endlich die dringend benötigte Verstärkung fordert. Als Will den selbstverliebten Hengst Mane Attraction von den gegnerischen Lava Court Magmas bei einem Spaßwettkampf ein wenig alt aussehen lässt, geht ein Video davon im Internet durch die Decke und macht den Ziegenbock über Nacht berühmt. Kurzerhand nimmt Florence den Jungspund unter Vertrag, der allerdings zunächst auf der Bank versauert. Nach seinem ersten vielversprechenden Auftritt scheint die demoralisierte Mannschaft wieder Auftrieb zu bekommen. Jett jedoch schmeckt der Wirbel um Will ganz und gar nicht.
Auch wenn „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ von „Funky Dunks“, einem unveröffentlichten Buch von Chris Tougas, inspiriert ist, fällt eines sofort auf: Pate stand hier offenkundig auch Disneys Animationshit „Zoomania“ von 2016, der Ende letzten Jahres eine gelungene Fortsetzung erhielt. Der wuselige Tierkosmos mit unterschiedlichen Vegetationsformen und klimatischen Bedingungen – ein Roarball-Team spielt beispielsweise in einer Eisarena – fordert Vergleiche regelrecht heraus. Abheben kann sich der Sony-Film indes mit seinem leicht verwaschenen, bewusst etwas klobigen, nicht ganz flüssigen Look, der das Ganze comicartiger wirken lässt. Emotionen vom Reißbrett Unbestreitbar legt Regisseur Tyree Dillihay, unterstützt von Adam Rosette, eine irres Tempo hin, sorgt dafür, dass ständig etwas passiert. Die Figuren und die Handlung gehen aber immer mehr unter, wenn man fast permanent auf dem Gaspedal steht, keine Zeit für echte Ruhepausen lässt.
Dass hier Spektakel oberstes Gebot ist, zeigen schon die vielen schnellen Schnitte und die hippen Beats, mit denen zahlreiche Szenen unterlegt sind. Die verschiedenen Roarball-Partien mögen einiges fürs Auge bieten. Den Ablauf der Spiele bildet der Film jedoch bloß mäßig ab. Manche Passagen werden willkürlich gerafft, und die Spielstände geraten oft nur kurz in den Blick. Ein richtiges Gefühl für die Sportart und das Hin und Her bekommt man so leider nicht.
Will gibt sicherlich eine sympathische Außenseiterfigur ab. Und auch die Selbst-kleine-Tiere-können-zu-Helden-werden-Botschaft ist in Ordnung. Aber die Art und Weise, wie der Film die Reise des Protagonisten und seine potenziell spannende Beziehung zu Jett (alternde Ikone vs. Shootingstar) aufzieht, erweist sich als ernüchternd uninspiriert. Genau an den Stellen, an denen es die klassische Drehbuchdramaturgie vorsieht, kommt es zu Wendungen und Stimmungswechseln. Weil diese bloß pflichtschuldig abgehakt werden oder schlicht schwach motiviert sind, ist es kaum möglich, mitzufühlen. Ein tragischer Exkurs in Wills Vergangenheit etwa erweckt den Eindruck, als wäre den Verantwortlichen urplötzlich eingefallen: Huch, wir brauchen ja auch ein bisschen was fürs Herz!
Was ebenfalls ins Auge sticht: Mit den schon im Titel (erst recht im deutschen Untertitel) anklingenden Wortspielen übertreibt es „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ ein ums andere Mal. Auf Dauer ermüden zudem die vielen Witze um die Social-Media-Auswüchse, unsere Abhängigkeit vom digitalen Dauerflow. Viel nerviger ist allerdings, wie aggressiv sich der Film, jedenfalls in der für diese Kritik gesichteten deutschen Synchronfassung, an das junge Publikum ranwanzt. Fast jeder zweite Dialog versucht, die hiesige Sprache der Heranwachsenden zu imitieren, ist gespickt mit Anglizismen. Selbst „das crazy“, das 2025 gekürte Jugendwort des Jahres, kommt wiederholt vor. Mehr „cringe“ geht wirklich nicht!
Fazit
Die optisch reizvolle Animationskomödie verpasst ihrer sympathischen Hauptfigur eine nach Schema F gebaute Glaub‘-stets-an-deine-Träume-Story und verliert sich in hektischem Aktionismus. Ob die englische Originalfassung auch so krampfhaft darum bemüht ist, die moderne Jugendsprache abzubilden?