***Kritik: Baymax***

youtube1mobile1

***Kritik: Baymax***


 
 
baymax kritik
 
 Autorin: Simone Michel
 
„Baymax – Riesiges Robowabohu“ nimmt sowohl kleine als auch große Zuschauer mit in die zauberhafte Welt der Walt Disney Animation Studios, in der zwischen einem jungen Erfinder und einem liebenswerten Roboter eine einzigartige Freundschaft heranwächst.
 
Der 14-jährige Hiro Hamada ist für sein Alter sehr geschickt, was das Erfinden von Robotern betrifft. Doch im Gegensatz zu seinem Bruder Tadashi interessiert er sich eher für deren kämpferischen Ausführungen. So wundert es auch nicht, dass Hiro mit Tadashis Pflege-Roboter Baymax zunächst nur wenig anfangen kann. Das aufblasbare Ungetüm weicht jedoch nicht mehr von seiner Seite. Mit einer Gruppe von anderen „Nerds“ begibt sich der junge Erfinder und sein neuer Roboter-Freund bald auf eine gefährliche Mission in ihrer Heimatstadt San Fransokyo.
 
Basierend auf der kleinen Marvel-Comic-Reihe „Big Hero 6“, schafft das Disney-Team mit „Baymax – Riesiges Robowabohu“ seine ganz eigene filmische Version. Optisch haben die Charaktere darin auf jeden Fall kaum noch Gemeinsamkeiten mit ihren gedruckten Vorlagen. Da die Comics jedoch recht unbekannt sind, werden sich wohl die wenigsten Kinogänger daran stören. Die Regisseure Don Hall und Chris Williams inszenieren einen Film mit viel Herz aber nicht minder viel Humor und Action. Da bleibt kaum ein Auge trocken. Sei es vor Rührung oder vor Lachen. Auf diese Weise garantiert der Film nicht nur Kindern einen unvergesslichen Kinobesuch, sondern stellt auch für Erwachsene eine gelungene Form der Unterhaltung dar.
 
 
Zugegeben, Filme mit Robotern mögen keine Neuheit im Abenteuerfilm-Universum sein. Doch weder ist der aufblasbare Hilfsroboter Baymax ein „gewöhnlicher“ Roboter aus Metall und Schaltkreisen, noch steht er im Mittelpunkt dieser Erzählung, wie es der Original-Filmtitel „Big Hero 6“ womöglich besser andeutet. Vielmehr dreht sich die Geschichte um den jungen Hiro, der langsam lernt Verantwortung zu übernehmen, und die Entwicklung seiner Freundschaft zu dem tollpatschigen Ballon-Roboter, welcher ihn dabei auf seine ganz eigene Art unterstützt.
 
Im gesamten Film lassen sich japanische Einflüsse erkennen. So bildet den Schauplatz des Geschehens das fiktionale San Fransokyo, welches sich mit seinen Cable Cars und japanischen Schriftzügen nicht nur namentlich als eine Mischung aus einer amerikanischen und japanischen Großstadt entpuppt. Es bildet eine interessante und liebevoll gestaltete Interpretation einer Stadt in der unglaubliche Erfindungen kreiert und echte Superhelden geboren werden.
 
Auch die Figuren bilden einen Mix aus amerikanischen und japanischen Charakteren. Mit japanischen Animes haben sie aber nichts gemein. Hier bleiben die Macher von „Baymax – Riesiges Robowabohu“ dem gewohnten Animationsstil ihrer Disney-Figuren treu.
 
Diesen wird, neben der detaillierten visuellen Gestaltung, vor allem durch ihre Stimmen Leben eingehaucht. Dies gelingt in der deutschen Fassung bei nahezu allen Figuren.
 
Meine anfänglichen Bedenken, dass die Stimme des Komikers Bastian Pastewka übertragen auf den sanftmütigen Baymax überzeugend wirkt, waren rasch überwunden. Je schneller der Zuschauer nicht mehr an die reale Person hinter der animierten Figur denkt, desto besser kann er sich auf den dargestellten Charakter einlassen. Bei prominenten Sprechern kann dies oftmals schwer fallen. Aber Pastewkas Stimme passt sich Baymax sehr gut an, so dass die beiden eins werden. Genauso verhält es sich mit der Stimme des Sängers Andreas Bourani, der es schafft in seinen Charakter auf der Leinwand zu schlüpfen. Er kann als lässiger, verpeilter Fred überzeugen.
 
09 ©2014 Walt Disney Pictures08 ©2014 Walt Disney Pictures10 ©2014 Walt Disney Pictures12 ©2014 Walt Disney Pictures
 
Allein die Synchronstimme der Figur Wasabi hat mir missfallen. Dies lag jedoch nicht an der Stimme selbst, sondern vielmehr an dessen aufgesetztem Akzent. Der Sprecher verpasst dem eher neurotischen, aber coolen Wasabi eine auffällige Berliner Note, die dem Charakter so gar nicht stehen will. Der eher gezwungen lustig wirkende Einsatz des Akzents, verfehlt sein Ziel aus meiner Sicht.
 
Ich bin mir jedoch sicher, dass sich zumindest die kleineren Zuschauer durchaus darüber amüsieren können.Wer übrigens glaubt, dass der Film Gesangseinlagen beinhalte, den muss ich leider enttäuschen. Dieser Disney-Film kommt ganz ohne musikalische Einsätze seiner Charaktere aus, was aber auch weder zu den Figuren noch zu der Geschichte passen würde. Die musikalische Untermalung wird allein durch Orchestermusik, Synthesizer-Klänge und dem Ohrwurm „Immortals“ der US-Rockband „Fall Out Boy“ bestimmt. Insgesamt ein passender, eingängiger Soundtrack.
 
Neben den Synchronstimmen und der Filmmusik soll zuletzt selbstverständlich nicht die animatorische Leistung in „Baymax – Riesiges Robowabohu“ unberücksichtigt bleiben. Nicht nur die sehr unterschiedlich gestalteten Figuren, sondern die komplette Welt in der diese leben, ist sowohl recht detailgenau als auch verhältnismäßig realistisch kreiert worden. Dies bezieht sich nicht nur auf San Fransokyo mit seinen Straßen, Läden, Häusern und der Universität, sondern insbesondere auf die beinhalteten technischen Aspekte.
 
14 ©2014 Walt Disney Pictures15 ©2014 Walt Disney Pictures16 ©2014 Walt Disney Pictures17 ©2014 Walt Disney Pictures
 
Das Recherche-Team um den Regisseur Hall hat bei seinen Nachforschungen zu Robotik ganze Arbeit geleistet. Natürlich überspitzen es die Macher bei den technischen Kreationen aus San Fransokyo, doch die Erfindungen wirken nachvollziehbar und visuell unfassbar dynamisch. Man kann sich somit kaum satt sehen. Marvel-Fans unter euch können sich dabei übrigens auf einen geschickt versteckten Cameo-Auftritt des bekannten Comicbuch-Autoren Stan Lee freuen.
 
„Baymax – Riesiges Robowabohu“ ist ein durch und durch empfehlenswertes Filmerlebnis für Groß und Klein. Der abenteuerliche Film setzt dabei nicht allein auf Humor, sondern bringt eine rührende Geschichte zum Vorschein, die für einen Großteil weiterer Disney-Produktionen charakteristisch ist. Eine vergleichbare Freundschaft zwischen einem Roboter wie Baymax und einem Jungen wie Hiro Hamada, haben die Zuschauer bestimmt noch nicht gesehen. Nicht umsonst ist er kürzlich für den Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ nominiert worden.
 
"Baymax: Riesiges Robowabohu" ist bei uns am 22.01.2015 in den Kinos gestartet.
 
 
feedback