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Kritik: Spa Weekend

 
sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Ebenso wie Männer können Frauen die Heldinnen in jeder Art von Film sein …
 
Willkommen und Namaste
 
Auszug aus der Einladung zur Pressevorführung: „SPA WEEKEND ist eine bissige und freche Female-Buddy-Komödie über vier Freundinnen, die sich ein entspanntes Wellness-Wochenende in Palm Springs gönnen wollen. Sonne, Spa, Sekt – alles soll relaxt und harmonisch sein. Im Mittelpunkt des Films stehen Jane, Coco und Sophie – doch als ihre unberechenbare Freundin Mel auftaucht, entwickelt sich die geplante Auszeit zu einem turbulenten Abenteuer und schnell wird klar: Dieser Luxus-Trip wird alles andere als erholsam. Was folgt, ist ein chaotisches Wochenende voller Missverständnisse, verletzter Egos und überraschender Wahrheiten. Ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt – bis zum unvermeidlichen Breakdown.
 
Wichtiger Hinweis an alle Drehbuchautoren: Wenn Ihr einen unterhaltsamen Film schreiben wollt, sollten Eure Hauptfiguren sympathisch sein. Das ist extrem wichtig. Denn so wie man im echten Leben keine Zeit mit unsympathischen Menschen verbringen und sich nicht anhören möchte, was sie zu erzählen haben, so verliert man im Kino das Interesse, sobald einem die Hauptfiguren unsympathisch sind. Deshalb sind ja auch die meisten Komödien mit Adam Sandler so unerträglich für alle Menschen, die die sich nach dem zwölften Lebensjahr geistig weiterentwickelt haben. Oder um dem Ganzen einen positiven Spin zu geben: „Spa Weekend“ ist der Film für alle Frauen, die sich bisher benachteiligt gefühlt haben, weil es Filme wie „Happy Gilmore“ oder „Big Daddy“ nicht auch mit weiblichen Hauptfiguren gibt.
 
Und um dieses jahrzehntelange Versäumnis auszugleichen, liefern uns die beiden Autoren und Regisseure Jon Lucas und Scott Moore (die Macher hinter den ganz ähnlich gelagerten Werken „Bad Moms“ und „Bad Moms 2“) gleich vier Hauptfiguren mit abfallenden Sympathiewerten und ansteigender sozialer Inkompetenz. Da ist zunächst einmal die erfolgreiche Anwältin Jane (dargestellt von Lieslie Mann in der ihrer dümmsten Rolle seit „Willkommen in Marwen“), die sich gerne mit einem attraktiven Kollegen zu einem Date verabreden möchte, aber erst in drei Monaten einen Termin frei hat. Warum sie so viel zu tun hat, wird im Film übrigens nie gezeigt. „Spa Weekend“ ist nicht die Art von Film in der die Figuren nachvollziehbare Motivationen haben oder gar etwas tatsächlich gezeigt wird. Diese Jane ist einfach nur doof und langweilig und daher unsympathisch und uninteressant.
 
 
Dann sehen wir die von Anna Faris dargestellte Sophie. Ihrer Figur gestehen die Macher des Films wenigstens eine Szene zu, in der die ganze Misere ihres Jobs zu sehen ist. Leider ist diese Szene so dumm, witzlos und unergiebig, dass Sophie noch ein bisschen doofer und langweiliger und damit noch ein bisschen unsympathischer und uninteressanter auf uns wirkt als ihre Freundin Jane. Aber alle Zuschauer*innen, die nun meinen, sie hätten das Muster erkannt und die dritte und die vierte der Hauptfiguren würden nun jeweils nur ein bisschen unsympathischer und uninteressanter wirken als ihre Freundinnen, dürfen sich auf eine Überraschung gefasst machen.
 
Die von Michelle Buteau dargestellte Coco wirkt nicht einfach bloß noch ein bisschen unsympathischer und damit uninteressanter. Diese Figur ist cholerisch und aggressiv und scheint keine einzige positive Charaktereigenschaft zu haben. Sie ist nicht einfach bloß unsympathisch und uninteressant. Sie ist geisteskrank. Eine Szene, in der sie vor den gemeinsamen Kindern ihren Exmann und seine neue Partnerin minutenlang beleidigt, ist im höchsten Maße unangenehm anzusehen und man fragt sich, was mit Autoren los ist, die meinen, so etwas könnte unterhaltsam wirken. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann wir im Kino das letzte Mal eine schrecklichere Frauenfigur gesehen haben. Ich würde sagen, die von Mo’Nique dargestellt Mutter in „Precious“ war kaum schwerer zu ertragen.
 
Aber halt! Die beiden Autoren haben noch eine vierte Protagonistin anzubieten: die von Isla Fischer dargestellte Mel. Während die Figur der Coco dringend in stationäre psychiatrische Behandlung gehört, hätte man für die vierte der Freundinnen nach einer halben Stunde Laufzeit tatsächlich bereits die Polizei rufen müssen. Nach einer weiteren halben Stunde wäre sie aus dem Knast so bald nicht mehr rausgekommen und das absolut zu Recht.
 
Diese vier Frauenfiguren mit unterschiedlich schweren sozialen und psychischen Störungen werden uns in diesem Film als Freundinnen verkauft. Sorry, nicht nur wären diese vier Frauen im realen Leben nicht miteinander befreundet. Keine von ihnen hätte überhaupt irgendwelche Freundinnen. Der Film war noch nicht einmal zur Hälfte durch, da haben diese vier Frauen bereits ernsthaft aufeinander eingeschlagen. Happy Gilmore hat andere wenigstens bloß mit abgebrochenen Flaschenhälsen bedroht. Diese Damen hier machen ernst.
 
Das alles wäre halb so schlimm, wenn „Spa Weekend“ halbwegs lustig wäre. Wenn dieser Film wenigstens ab und zu eine witzige Szene zu bieten hätte. Aber nix. Damit niemand sein teuer verdientes Geld für eine Kinokarte ausgeben muss, gebe ich hier den einzigen halbwegs erträglichen Gag des ganzen Films wieder. Also aufgepasst: Die Freundinnen reden darüber, ein Spa Weekend miteinander zu verbringen. Daraufhin meint Jane wörtlich: „Die letzte Massage hatte ich bei meiner Mammografie.“ Das war’s. Das war der eine erträgliche Gag des Films. Alles andere in diesem Film ist kein bisschen witzig, komisch oder sonst wie unterhaltsam.
 
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Es ist nicht witzig, wenn eine Frau heimkommt und Wein direkt aus der Flasche trinkt. Die unpassende Fäkalsprache in diesem Film ist nicht komisch. Ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen, wie oft die Heldinnen einander gegenseitig als „Bitches“ bezeichnen, als eine von ihnen ihre Begeisterung über die schöne Unterkunft mit „Ich will einen Tittenfick auf dieser Couch“ ausdrücken musste. Und es ist nicht unterhaltsam, wenn eine Frau zu einem Hotelmitarbeiter sagt, „Ich gebe Dir 100 Mäuse, wenn Du meine Freundin vögelst“ und keine der Figuren darauf irgendwie angemessen reagiert. Weil die beiden Regisseure ihr eigenes Drehbuch auch nicht interessant zu inszenieren vermochten, fallen auch die Szenen mit Ziegen-Yoga, Schlammbad und Golf-Cart alle nur dumm, langweilig und uninteressant aus.
 
Was geht, Ihr Wechseljahrschlampen?
 
Leslie Mann kann grandios komisch sein. Das wissen wir seit ihrer Nebenrolle in „Jungfrau (40), männlich, sucht …“. In der falschen Rolle kann sie leider aber auch langweilig und dumm wirken. Die Rolle der Jane ist die falsche Rolle und „Spa Weekend“ ist der falsche Film für sie.
 
Anna Faris war rasend komisch in den frühen „Scary Movies“. Und sie war das Beste an „House Bunny“. Seit „Der Diktator“ sieht man sie kaum noch im Kino, weil ihre neueren Filme die Tendenz haben, direkt auf DVD und/oder Streaming-Diensten zu erscheinen (ich habe das Remake von „Overboard“ mit ihr nie gesehen, habe aber das Gefühl nichts verpasst zu haben). Andererseits könnte es sein, dass man Anna Faris durchaus immer noch im Kino sieht und sie bloß nicht erkennt. Hätte ich nicht gewusst, dass sie in „Spa Weekend“ eine der Hauptrollen spielt, hätte ich sie sicher nicht so bald erkannt. Es ist schwer zu sagen, was die plastischen Chirurgen mit Anna Faris‘ Gesicht angestellt haben, weil es schon schwer zu sagen ist, was sie überhaupt damit vorhatten. Man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht gut funktioniert hat.
 
„Spa Weekend“ ist der erste Film, in dem ich Michelle Buteau als Schauspielerin wahrgenommen habe. Laut Wikipedia ist sie eine erfolgreiche Stand-Up Comedienne. Nach ihrer Leistung in diesem Film möchte ich lieber keines ihrer Programme sehen. Ich möchte sie auch lieber nicht mehr als Schauspielerin in einem Film sehen. Es tut mir leid, aber ich glaube, ich möchte Michelle Buteau gar nicht mehr sehen.
 
Ich schätze und verehre Isla Fisher seit vielen Jahren. Die Liste der Werke in der sie das Beste am ganzen Film (oft das einzig Gute) war, ist ellenlang. Angefangen von „Wedding Crashers“ über den zu Unrecht unterschätzten „Hot Rod“ bis zu „Bridget Jones – In den Wechseljahren wird nix besser“ hat Isla Fisher immer brilliert. Es kann also nicht ihre Schuld sein, wenn ihre Darstellung in „Spa Weekend“ nicht nur kein bisschen witzig, sondern tatsächlich nur peinlich wirkt.
 
Verschiedene durchaus begabte Nebendarsteller*innen wirken auch noch in diesem Film mit. Da Ihnen das sicher unangenehm ist und sie einem nur leidtun können, werde ich ihre Namen hier nicht erwähnen.
 
Fazit
 
Frauen können also auch die Heldinnen in miesen Komödien über unsympathische Hauptfiguren sein. Gut, damit hätten wir das nun auch abgehakt. Davon abgesehen hat diese stinklangweilige, in praktisch jeder Hinsicht misslungene Komödie keinen weiteren Wert.
 
 
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