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Kritik: The Uprising - Für die Freiheit

 
sub kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Actionspezialist Paul Greengrass taucht ins englische Mittelalter ein.
 
Wolken, nur Wolken
 
Englische Geschichte, auf deutschem Boden nachgestellt: In „The Uprising - Für die Freiheit“ versucht sich „Jason Bourne“-Regisseur Paul Greengrass an einer – das sollte man gleich dazu sagen – sehr freien Rekonstruktion des Bauernaufstandes, der das Inselkönigreich im Jahr 1381 in Atem hielt. Gedreht wurde das Historiendrama ausschließlich in Bayern, unter anderem in der Nürnberger Altstadt, in Bad Windsheim und in den Münchner Penzing Studios.
 
Das schlechte Wetter, das man England gemeinhin nachsagt, scheint während der Filmaufnahmen durchgängig vorherrschend gewesen zu sein. Strahlenden Sonnenschein bekommt das Publikum jedenfalls nicht zu sehen. Stattdessen hängen graue Wolken in fast jeder Einstellung tief und schwer über der in gedämpfte Farben getauchten Landschaft. Tristesse, wohin man schaut. Kein Feel-Good-Movie, so viel steht fest!
 
Dass „The Uprising - Für die Freiheit“ zu Beginn eine mit Händen zu greifende Stimmung der Hoffnungslosigkeit erzeugt, kommt nicht von ungefähr. Denn die großen Pestwellen haben in England, wie überall in Europa, zahlreiche Opfer gefordert. Auch der namenlos bleibende, sich selbst nur über seinen Beruf als Pflüger definierende Protagonist (Ex-Spider-Man Andrew Garfield) trauert nun schon seit sieben Jahren um Frau und Kinder. Schlichte Holzkreuze auf seinem Acker erinnern an den schmerzhaften Verlust, den er noch lange nicht verarbeitet hat.
 
 
Als die Adeligen aus dem Rat des erst 14-jährigen Königs Richard II. (Woody Norman) die leere Staatskasse durch neue Steuern auffüllen wollen, regt sich in der einfachen Bevölkerung der Zorn. Beim Anblick des brutalen Vorgehens der Soldaten in seinem Dorf zettelt der von Garfield gespielte Farmer eine gewaltsame Auseinandersetzung an. Schnell kommt es auch in anderen Regionen zu wütenden Protesten, die sich zu einer Bauernbewegung ausweiten. Irgendwann marschieren die wütenden Landbürger Richtung London, um den König zu sprechen, den sie im Klammergriff seines korrupten Rates wähnen.
 
Agile Kamera
 
Paul Greengrass hält sich nicht lange mit einer Einführung in die damalige Zeit oder in sein Figurenensemble auf. Rasch geht es richtig zur Sache, ist der Held mittendrin statt nur dabei. Besonders auf Seiten der Oberschicht bemüht sich das vom Regisseur geschriebene Drehbuch kaum um Differenzierung. Die Mitglieder des Rats, die, im Gegensatz zum Garfield-Bauern, historische Persönlichkeiten sind, werden als durchtriebene, skrupellose Machtakteure gezeichnet. Das Leid der „kleinen Leute“ schert sie nicht. Im Blick haben sie einzig den Erhalt ihrer eigenen Positionen. Der von schrecklichen Albträumen geplagte König ist zunächst bloß eine Marionette in ihren Händen, zweifelt an seiner Herrscherkompetenz, bekommt allerdings eine Wandlung auf den Leib geschrieben. Die Entwicklung des jungen Monarchen indes lässt sich, selbst mit großem Wohlwollen, nur schwer als glaubwürdig bezeichnen.
 
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Auch wenn Greengrass in seiner neuen Leinwandarbeit den dicken Pinsel schwingt, gibt es auf Seiten der Aufständischen immerhin ein paar Abstufungen. Garfields Pflüger mag gegen die Brutalität der Soldaten rebellieren und verschafft sich dadurch Ansehen. Den lauten Wortführer gibt er jedoch nicht, scheint dem Bauernmarsch bzw. einigen Motiven sogar skeptisch gegenüberzustehen. Zumindest geht ihm, der nur das glaubt, was er sieht, der religiöse Eifer mancher Mitstreiter ab. Der Prediger John Ball (Jamie Bell), der mit seinen Ansprachen die Menge anstachelt, steht für einen Furor, der sich bei der Erstürmung Londons als Brandmittel erweist. Anders als es der deutsche Untertitel suggeriert, streben diverse Landbewohner eben nicht nur nach Freiheit, nach einem Ende der Leibeigenschaft. Auch alte Rechnungen wollen sie im Zuge der Unruhen begleichen.
 
Dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, zeigt der Film unmissverständlich. Auch in einem historischen Setting bleibt Paul Greengrass seinem bekannten Inszenierungsstil treu, der auf schnelle Schnitte und eine dynamische, instabile Kamera setzt. Eine pulsierende Energie entfalten besonders die Kampfsequenzen. Überhaupt entfaltet „The Uprising - Für die Freiheit“ eine treibende Kraft. Als Geschichtsthriller funktioniert das Ganze recht ordentlich, obschon die meisten Wendungen wenig überraschend ausfallen und man mitunter erkennen kann, dass den Machern die finanziellen Mittel fehlen, um das Spektakeltableau in seiner vollen Tragweite darzustellen.
 
Mit der Wut einfacher Leute auf eine abgehobene Elite, die den Bezug zum Volk verloren hat, verhandelt der Mittelalterreißer ein Thema, das auch heute für gewaltige Spannungen und Verwerfungen sorgt. Überflüssig sind in diesem Zusammenhang allerdings die Andeutungen und Bezüge, die uns Greengrass in einer Art Nachklapp serviert. Ein Aspekt, der schon im Vorfeld des Kinostarts für Irritationen sorgte, da sich der britische und der US-amerikanische Verleih offenkundig uneins über das eigene Produkt sind.
 
Fazit
 
Saftiges Historienspektakel mit bedrückender Atmosphäre, das inhaltlich allerdings aus eher grobem Holz geschnitzt ist.
 
 
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