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Kritik: The Outfit: Verbrechen nach Maß

 
dfdh kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Treffender hätte Graham Moore sein Debüt als Regisseur nicht besetzen können: Oscar-Preisträger Mark Rylance glänzt in einem erzählerisch nicht immer trittsicheren Kammerspielthriller als distinguierter Maßschneider, der zwischen die Fronten verfeindeter Chicagoer Mafiabanden gerät.
 
Wohl überlegte Handgriffe
 
Gleich mit seinem ersten Drehbuch für einen abendfüllenden Spielfilm landete der 1981 geborene US-Amerikaner Graham Moore einen beachtenswerten Erfolg. Seine Vorlage zu Morten Tyldums Biopic „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ über den britischen Informatiker und Kryptoanalytiker Alan Turing wurde bei der Oscar-Verleihung 2015 als bestes adaptiertes Skript ausgezeichnet.
 
In der Folgezeit machte sich der Prämierte, der 2016 seinen zweiten Roman veröffentlichte, im Kino jedoch rar. Erst 2022, also sieben Jahre nach dem Academy-Award-Triumph, präsentierte er der Welt auf der Berlinale mit dem Old-School-Thriller-Kammerspiel „The Outfit – Verbrechen nach Maß“ seine nächste Leinwandarbeit, die er dieses Mal auch selbst in Szene gesetzt hatte.
 
 
Das Zentrum der Handlung bildet ein Herrenausstattungsladen in Chicago, den wir lediglich für kurze Außenansichten und ein paar Flashbacks verlassen. Besitzer dieses feinen, kleinen Geschäfts, das von den lokalen, gerne exquisite Anzüge tragenden Gangstern geschätzt wird, ist der Engländer Leonard Burling (Mark Rylance), der, wie wir in den aufschlussreich-pointierten Einstiegsmomenten beobachten können, seiner Arbeit mit perfektionistischer Genauigkeit und großer Konzentration nachgeht.
 
Aus der Ruhe bringt diesen Mann zum Erstaunen seiner Assistentin Mable (Zoey Deutch) so schnell nichts. Und er weiß, wann es angebracht ist, sich zurückzuziehen und Diskretion zu wahren. Weil er keine Fragen stellt und den Mafiaboss Roy Boyle (Simon Russell Beale), seinen ersten Kunden nach der Ankunft in den Staaten, mit seinem handwerklichen Können überzeugt hat, nutzen die Kriminellen seine Räumlichkeiten als toten Briefkasten.
 
Problematisch wird es allerdings, als in einer Nacht des Jahres 1956 nach einer Schießerei mit einem feindlichen Clan Roys aufbrausender Sohn Richie (Dylan O’Brien) mit schweren Verletzungen und dem skrupellosen Vertrauten Francis (Johnny Flynn) im Schlepptau auf der Matte steht. Die Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen und ein brisantes Abhörband eines noch unbekannten FBI-Spitzels, das die beiden ungebetenen Gäste bei sich haben, beschwören schnell eine explosive Stimmung herauf, die der sanftmütige Leonard zu beruhigen versucht.
 
04 ©2022 Universal Pictures06 ©2022 Universal Pictures08 ©2022 Universal Pictures03 ©2022 Universal Pictures
 
Nicht durchgehend spannend
 
Zu den großen Stärken des Films – das lässt sich schon nach dem ersten Drittel sagen – gehört die Darbietung von Mark Rylance, der für seine Rolle in Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ 2016 mit einem Oscar als bester Nebendarsteller belohnt wurde. Sein Können bringt er auch in „The Outfit – Verbrechen nach Maß“ voll zur Geltung, wo er mit Gespür für Nuancen und dem richtigen Understatement das Porträt eines stillen Mannes zeichnet, der ganz in seiner Arbeit aufgeht. Dass ausgerechnet Leonard, der mit niemandem in Konflikt geraten will, in den Zwist der Unterwelt hineingezogen wird, lässt uns umso mehr mit ihm mitfiebern.
 
Recht früh, angefangen beim eröffnenden Voice-over-Kommentar der Hauptfigur, legen Moore und Koautor Jonathan McClain („Liv und Maddie“) allerdings kryptische Hinweise aus, die die Twists des letzten Aktes vorbereiten. Wer aufmerksam zuhört und schon den ein oder anderen Thriller ähnlicher Bauart gesehen hat, wird, zumindest in groben Zügen, erahnen können, welche Enthüllungen am Ende auf uns warten. Mit der Logik sollte man es dabei übrigens nicht zu genau nehmen, da der Film, gerade in seinen finalen Volten, einige Unwahrscheinlichkeiten bemüht.
 
Der Kammerspielcharakter und Rylances überzeugende Performance sind die besten Voraussetzungen für schweißtreibende, die Spannungsschraube stetig anziehende Unterhaltung. Doch immer mal wieder kommt der erlesen ausgestattete Film trotz packend zugespitzter Szenen ins Stocken. Manche Gespräche sind eher langweilig statt bedrohlich. Gelegentlich werden Gefahren aufgebaut, lösen sich dann aber in Luft auf. Und gerade das Verhalten der angeblich so abgebrühten Gangster ist stellenweise seltsam naiv. „The Outfit – Verbrechen nach Maß“ fällt nie in sich zusammen, wird den zu Beginn aufgebauten Erwartungen allerdings auch nur bedingt gerecht. Daran können weder Mark Rylances starkes Spiel noch die sich auf der Zielgeraden herausschälende tragische Backstory seiner Figur etwas ändern.
 
Fazit
 
Eine vielversprechende Prämisse und ein einnehmender Hauptdarsteller sind die Pluspunkte eines räumlich begrenzten Thriller-Dramas, das sich leider ein paar Drehbuchholprigkeiten zu viel erlaubt, um in der obersten Liga mitzuspielen.
 
 
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