*** Immenhof: Das große Versprechen ***

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Kritik: Immenhof: Das große Versprechen


 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Manche Filme sind für ein großes Publikum gedacht, andere wiederum können nur einen bestimmten Teil der Ticketkäufer ansprechen. „Immenhof – Das große Versprechen“ ist nur für eine ganz spezielle demografische Gruppe bestimmt …
 
Wir wollen niemals auseinandergehn
 
Lou leitet den Immenhof zusammen mit Josy und muss sich erst um ein schwangeres Pferd, dann um ein altes Pferd und dann um ein Rennpferd kümmern. Das Rennpferd wurde vergiftet und muss vor Erpressern beschützt werden. Aber dann muss das Rennpferd auch noch vor seinem skrupellosen Besitzer beschützt werden. Zwischendurch und währenddessen interessieren sich zwei verschiedene attraktive junge Männer für die attraktive junge Lou. In einer von vielen weiteren Nebenhandlungen verschleppen Lous kleine Schwester und deren Freundin ein paar Dutzend Islandpferde weil eine alte Dame vergiftet wurde und irgendwann wird das ganze Durcheinander dieses Films ein bisschen zu viel …
 
Zur Historie: Kurz nach dem zweiten Weltkrieg erschien Ursula Bruns‘ Roman „Dick und Dalli und die Ponies“. In den Fünfzigerjahren wurden nach dieser Vorlage drei sehr erfolgreiche „Immenhof“-Filme mit Heidi Brühl und Angelika Meissner gedreht. In den Siebzigern folgten zwei weitere Filme mit Heidi Brühl und Horst Janson bevor Heidi Brühl dann mit Clint Eastwood „Im Auftrag des Drachen“ drehte und sich für den „Playboy“ nackig machte. In den Neunzigern folgte eine Fernsehserie, die praktisch nichts mit den früheren Verfilmungen zu tun hatte.
 
 
Das alles hat wenig mit dem neuen Film zu tun. Aber mir ist jeder Grund recht, alte „Playboy“-Bilder anzuschauen .. zu Recherchezwecken. 2019 kam Sharon von Wietersheims Neuverfilmung „Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers“ in die Kinos und hat offensichtlich genug eingespielt, dass belgische und deutsche Geldgeber das Budget für eine Fortsetzung lockergemacht haben.
 
Ich weiß selbst, dass Sharon von Wietersheims ihren neuen Film nicht für mich geschrieben und inszeniert hat. Oder für irgendeinen anderen erwachsenen Mann. Ich würde ja gerne schreiben, dieser Film ist nur für Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren geeignet, die einen großen Teil ihrer Zeit mit Pferden verbringen. Aber tatsächlich ist dieser Film nur für Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren geeignet, die einen großen Teil ihrer Zeit mit Pferden verbringen und den ersten Teil mehr als einmal gesehen haben. Für alle anderen ist dieser Film nicht einmal eingeschränkt zu empfehlen.
 
Es gelingt nicht jedem Filmemacher, Fortsetzungen als Teile eines großen Ganzen und gleichzeitig so zu gestalten, dass die Filme für sich bestehen können. Aber selten habe ich eine Fortsetzung gesehen, die gar nicht erst versucht hat, als Film für sich zu bestehen. Teile der Story von „Immenhof – Das große Versprechen“ werden sich niemanden erschließen, der Teil Eins nicht gesehen hat. Ich habe nach der Pressevorführung nachgelesen, was in Teil Eins passiert ist, um die Handlung wenigstens halbwegs beurteilen zu können.
 
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Figuren werden in diesem Film nicht eingeführt. Sie sind einfach da. Und das Publikum hat gefälligst zu wissen, wer sie sind und in welcher Beziehung sie zu anderen Figur stehen, die auch nicht eingeführt wurden sondern einfach nur da waren. Das ist verwirrend genug. Aber obwohl Sharon von Wietersheim an Szenen spart, die uns geholfen hätten die Charaktere kennenzulernen oder wenigstens unterscheiden zu können, gönnt sie uns ganze Sequenzen, die nur darauf eingehen, welche Figuren aus dem Vorgängerfilm diesmal nicht oder nur wenig zu sehen sind. Ich habe über eine Stunde vergeblich auf einen inhaltlichen Anschluss zu einem Telefongespräch vom Anfang des Films gewartet, bevor mir klar wurde, damit wurde nur aufwendig die Abwesenheit einer Figur aus Teil eins erklärt.
 
Überhaupt wird in diesem Film viel erklärt. Frau von Wietersheim schreibt und inszeniert sonst vor allem für das deutsche Fernsehen und das merkt man. Alles, aber auch wirklich alles wird erklärt. Es wird erklärt, warum dieses Pferd dorthin muss, während jenes Pferd woandershin muss. Es wird erklärt, wer was wann getan hat, tut oder tun wird, obwohl das alles auch zu sehen ist. Es wird sogar mehrfach erklärt, dass eine Klippe steil ist, obwohl wir diese steile Klippe durchaus zu sehen bekommen.
 
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Trippel Trappel Pony
 
Nicht erklärt wird nur, was wohl bereits in Teil Eins erklärt wurde. Also z.B. warum die junge Frau weiche Knie bekommt, wenn ein junger Mann auftaucht und warum dann ein ganz anderer junger Mann nochmal in ihrer Abwesenheit auftaucht. Alles andere wird erklärt und besprochen. Die Qualität der Dialoge erinnert leider auch an deutsche Fernsehproduktionen. Ein Polizeibeamter meint zum Verdächtigen, „Das können sie alles dem Haftrichter erklären“. An einer anderen Stelle meint ein Teenager etwas sei „besser bewacht als Fort Knox“.
 
In meiner Lieblingsdialogzeile des Films bezeichnet jemand eines der Rösser als den „Lamborghini unter den Rennpferden“. Nun tragen Lamborghinis nicht nur traditionell Namen aus dem Stierkampf. Das Logo von Lamborghini zeigt auch einen Stier, kein Pferd. Wenn es bloß einen vergleichbaren italienischen Hersteller von Supersportwagen gäbe, der irgendeinen Bezug zu Pferden oder vielleicht sogar sowas wie ein Pferd im Logo hätte. Maserati? Nein, die haben einen Dreizack. Pagani? Nö, auch nix. Schade eigentlich …
 
Die Qualität der Dialoge schwankt also irgendwo zwischen klischeehaft und lächerlich. Dazu passt auch die Handlung. Wer sich immer schon gefragt hat, wie „Die Lindenstraße“ wohl mit jeder Menge Pferde darin abgelaufen wäre, bekommt hier die Antwort. Das Drama ist dramatisch, die Romanzen sind romantisch und das Pathos ist pathetisch. Wenn ein hysterischer Teenager einem Pferd quer über eine Schlucht seinen Selbstmord ausredet und anschließend mit ihm am Strand kuschelt, ist es dann auch längst genug.
 
Mehr als genug. Die Inszenierung schwankt zwischen gefällig und unfreiwillig komisch. Eine junge Frau nimmt ihrer sehr viel kleineren Schwester ein Pony ab und reitet darauf davon, ohne vorher auch nur die Steigbügel umzustellen. Später kann sie zu Fuß mit einem galoppierenden Wildpferd mithalten. Der Film wurde in verschiedenen deutschen Bundesländern, Spanien und Belgien gedreht, um von überall Filmfördermittel beziehen zu können. Also steht der Immenhof in einer nicht näher bezeichneten Gegend mit Sandstränden, steilen Klippen und Fichtenwäldern, in der Wildpferdeherden umherstreifen und deutsch gesprochen wird.
 
Die Hauptrollen werden von attraktiven jungen Menschen gespielt. Leia Holtwick, Maximilian Befort und ihre jungen Kollegen agieren, als würden sie in der längsten H&M-Werbung aller Zeiten mitspielen.
 
Einige erfahrene Profis wie Max von Thun oder Heiner Lauterbach sind in Chargenrollen zu sehen. Andere wie Ludger Pistor und Kurt Krömer sollen wohl für Lacher sorgen. Und Caro Cult scheitert an der Doppelbelastung in einer Chargenrolle für Lacher sorgen zu müssen. Die Pferde machen alle einen guten Job, wenn auch der „Haupt-Darsteller“ des Rennpferdes Cagliostro deutlich zu alt für seine Rolle aussieht.
 
Fazit
 
Ein Film für Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren, die einen großen Teil ihrer Zeit mit Pferden verbringen und den ersten Teil mehr als einmal gesehen haben. Für alle anderen Filmfans fällt mir kein Grund ein, diesen Film zu sehen.
 
 
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