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Macbeth: Kritik

mbeth kritik
 
Autor: Alexander Friedrich
 
Kaum jemand, der sich mit Literatur und Film befasst, wird wohl je an William Shakespeares Theaterstück „Macbeth“ vorbeigekommen sein. Nach zahlreichen Verfilmungen (z.B. von Roman Polanski) wagt man sich nun erneut an den populären Stoff, diesmal unter der Regie des Australiers Justin Kurzel und mit einer Top Besetzung u.a. mit Michael Fassbender als Macbeth.
 
Nach seinem Sieg über die norwegische Armee genießt der schottische Heerführer Macbeth (Michael Fassbender) Ruhm und Anerkennung im Königreich. Doch drei Hexen prophezeien dem Thane of Cawdor großes Übel und es dauert nicht lange, bis dieses seinen Lauf nimmt. Die machthungrige Gattin Lady Macbeth (Marion Cotillard) sehnt sich nach dem Thron und drängt so mehr und mehr ihren Mann, sich die Krone endlich an sich zu reißen. Beim Besuch des Königs Duncan (David Thewlis) gibt Macbeth unter dem nicht endenden Druck seiner gierigen Frau schließlich nach und ermordet den König bei seinem Schlaf.
 
 
So erlangt das neue Königspaar die Macht über Schottland, doch es dauert nicht lange, bis diese von Macbeth mehr und mehr Besitz ergreift. Als Lady Macbeth endlich begreift, welche schlimmen Konsequenzen ihr Handeln hat, hat sich ihr Gemahl längst in einen bösartigen wie unbarmherzigen Tyrannen verwandelt. „Full of scorpions is my mind“, zitiert Fassbender in einer Szene Shakespeares Original. Und genauso fühlt sich der Zuschauer auch, wenn er dem Stoff nicht die nötige Aufmerksamkeit gibt. „Macbeth“ macht keine Kompromisse oder Versuche, der mehrere Jahrhunderte alten Tragödie einen modernen Anstrich zu verleihen, zumindest, was den Text und Dialog betrifft.
 
Das geht auch völlig in Ordnung, versteht sich vielleicht sogar von selbst, ist das Original von 1606 immerhin ein unantastbarer Klassiker der Literatur und Bühnentragödie. Kurzel und seine Drehbuchautoren haben sogar nahezu den kompletten Originaltext von Shakespeare eins zu eins übernommen und lassen ihn lediglich in neuem filmischen Gewand erstrahlen. Zweifelsohne stecken die bedeutungsschwangeren Verse und poetischen Zeilen voller Schönheit und lyrischer Präzision, doch so manchmal wollen sie einfach nicht zu den modernen Bildern passen. Teilweise hat man den Eindruck, dass Fassbender willkürlich seine Monologe nur dem Original zuliebe vorträgt.
 
Vor allem aber ist es sehr schwer, dem Gesprochenen zu folgen. Wer sich „Macbeth“ im O-Ton ansehen mag, was beim Text von Shakespeare auch auf der Hand liegt, sollte des Englischen sehr mächtig sein. Gerade durch den schottischen Akzent, den die Darsteller, teils echt, teils gespielt, miteinbringen, gerät der Film in Kombination mit der rauen genuschelten Sprache für den Zuschauer zu einer bockschweren Herausforderung. Wer hier den Faden verliert, was beim anspruchsvollen Text von Shakespeare wirklich keine Schande ist, läuft Gefahr „Macbeth“ in einem völlig anderen Licht zu sehen.
 
Denn dann ist Kurzels Neuverfilmung nur ein zäher Epos mit wenig Höhepunkten und träger Dramaturgie. Wer mit Fassbenders vorgetragenen Versen nichts anfangen kann, der kann auch keinerlei Beziehung zu seiner Figur Macbeth aufbauen und hier steht wie fällt der Film. Dabei ist die eigentliche Performance Fassbenders, der übrigens wie auch Cotillard 2016 wieder unter der Regie Kurzels in „Assassins Creed“ zu sehen sein wird, wirklich beachtenswert, wenn nicht sogar das Highlight des Films. Der innere Wahnsinn Macbeths und der Zerfall seiner Persönlichkeit, wird von Fassbender so gut verkörpert, dass man gar nicht immer jeder gesprochenen Zeile folgen muss, um dies zu verspüren.
 
Auch Marion Cotillard (Inception, The Dark Knight Rises) brilliert geradezu als Lady Macbeth. Den Ehrgeiz der Gattin des Thane of Cawdors, in dem mehr Habgier als Vernunft steckt, nimmt man der Französin jederzeit ab. Der Rest der Protagonisten geht dabei ziemlich unter, wird der Film doch so sehr von den Macbeths getragen, dass fast kein Platz für weitere Leinwandpräsenz bleibt. David Thewlis oder auch Sean Harris spielen ihre Rollen zwar solide, im Kopf bleiben sie jedoch nicht. Sehr gelungen ist aber auch die Optik des Films, die einen Mix aus eines düsteren Tons (klar von „Game of Thrones“ inspiriert) und purer Ästhetik darstellt. Regisseur Justin Kurzel beweist ein wirklich tolles Händchen für die Kulisse, manchmal hat man sogar das Gefühl, Gemälde zu betrachten. Optisch ist „Macbeth“ einer der besten Filme des Jahres geworden.
 
Fazit:
 
„Macbeth“ ist ein zweischneidiges Schwert. Kenner und Fans der Vorlage werden begeistert sein, denn Justins Kurzels Neuverfilmung lässt Shakespeares Original nahezu unangetastet, verleiht ihm aber einen tollen optischen modernen Anstrich. Die Kombination aus Theater und cineastischer Ästhetik will im filmischen Sinne jedoch nicht ganz aufgehen, zu viel wird geredet, ohne das dies wirklich etwas für die Dramaturgie Bedeutung hätte.
 
„Macbeth“ ist vielmehr ein filmgewordenes Bühnenstück, indem mehr optische wie verbale Schönheit als echte narrative Spannung liegt. Man kann nicht wirklich etwas an „Macbeth“ aussetzen aber ganz gemein ausgedrückt, ist dieser Film schlicht einfach Geschmackssache.
 
 
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