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Ostwind 2: Kritik

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Autor: Mattis Toker
 
Flatternde Mähnen, verliebte Teenagerblicke, steigende Pferde und Dressurnummern zu Clubsounds: Die großartigen jugendlichen Hauptdarsteller machen im Zusammenspiel mit ihren Pferden in üppiger Natur „Ostwind 2“ zu einem berauschenden Pferde- und Teeniefilm. Sobald jedoch erwachsene Figuren die Szenerie betreten rumpeln hölzerne bis moralinsaure Dialoge über die Leinwand.
 
Vor zwei Jahren war „Ostwind“ der Kinoerfolg des Frühlings, damals wollten über 800.000 Zuschauer sehen, wie die dreizehnjährige Mika auf Kaltenbach, dem Gestüt ihrer Oma, den Hengst Ostwind aus den Klauen eines Pferdeschinders rettet. Danach lief die unvermeidliche Vermarktungsmaschinerie an, dem Buch zum Film folgte schnell ein Nachfolger mit dem Titel „Rückkehr nach Kaltenbach“, so dass sich der Produzentin Ewa Karlström und der Regisseurin Katja von Garnier ebenfalls auch eine Filmfortsetzung quasi aufdrängte.
 
Die Erwartungen an einen zweiten Teil waren von den Machern aber hoch gesteckt, zum einen sollten die vertrauten Figuren für die eingefleischten Fans wieder auftauchen, andererseits birgt ein Sequel immer die Gefahr der lähmenden Wiederholung.
 
 
Dieser Falle entgingen die Drehbuchautorinnen, indem Sie die innige Mensch-Tier Beziehung des ersten Teils um eine menschliche Liebesgeschichte erweiterten: Mika, inzwischen der Pubertät entkommen, folgt Ostwind auf eine einsame Waldlichtung, beobachtet dort seinen Liebestanz mit einer Stute namens „33“ und trifft gleichzeitig ihren geheimnisvollen Traumprinzen Milan. Klingt wie der Beginn einer modernen „Aschenputtel“- Verfilmung, nur ohne den verlorenen Schuh, denn Mika ist in der Szene schon vorher barfuß.
 
Natürlich funkt es bei aller anfänglichen Frotzelei zwischen den beiden Pferdennarren gewaltig, Milan und Mika haben von nun an mit ihren Pferden eine Art ständiges „Doppeldate“ und liefern dem Film die beeindruckensten Bilder, etwa beim gemeinsamen Ritt durch den regennassen Wald oder beim verliebten Sprintduell gegen ein historisches Flugzeug. Hanna Binke spielt Mika wie im ersten Teil als rothaarig-rebellische Jugendliche, die eigenbrötlerisch ihren Weg geht und ihre Mitmenschen des Öfteren vor Rätsel stellt.
 
Wenn Mika mit Milan durch den Wald jagt und japsend im Gras liegt, erinnern nicht nur die roten Haare an „Ronja Räubertochter“. Anklänge bei Astrid Lindgren nimmt die Geschichte auch in der Figur des Milan, der ähnlich wie Birk erstmal als Dieb und Feind eingeführt wird. Jannis Niewöhner verleiht seinem Milan, bei aller kühlen Zurückhaltung, jedoch von Anfang an eine vertrauensvolle Tiefe, so dass man am positiven Ausgang der Liebesgeschichte keine Minute zweifelt.
 
Niewöhner, der sich trotz seiner jungen Jahre schon eine beachtliche Film- und Fernsehbiographie zusammen gespielt hat, wirkt mit brauner Wuschelmähne wie ein Ebenbild von Ostwind und verdreht sicher nicht nur Mika auf der Leinwand, sondern auch tausenden von jungen Zuschauerinnen den Kopf. Marvin Linke als bodenständiger Sam und Amber Bongard als Stadtgöre Fanny sind mehr als nur „Best Buddys“ der Hauptrolle, die beiden humorigen Figuren komplettieren mit viel trockener Direktheit die gelungene Besetzung der „Nachwuchsabteilung“.
 
Leider können die erwachsenen Rollen in Sachen Timing, Humor und Authentizität bei der Jugend nicht mithalten, was mehr am Drehbuch als an der durchgängig prominenten Besetzung liegt. Cornelia Froboess ist es noch gestattet, eine ernstzunehmende Figur mit einem Zwiespalt zwischen der Liebe zu ihrer Enkelin und den Wunden der Vergangenheit zu spielen.
 
Ein paar Grad schwächer wird das Drehbuch schon bei Tilo Prückners Figur des Herrn Kaan, der als Pferdeflüsterer aber nur einige philosophische Allgemeinplätze zum Besten gibt. Wirklich enttäuschend ist der schmierige Leopold Sasse (Max Tidof im bondmäßigen Bösewichtoutfit), der durch klischeehafte Miniauftritte nie eine echte Bedrohung darstellt. Walter Sittlers Reittrainer Hanns de Burgh mäandert unentschieden zwischen Gut und Böse und Nina Kronjäger und Jürgen Vogel als Elternpaar stehen eher außerhalb der Geschichte und erledigen brav ihre Rollen, ohne viel Eigenleben zu entwickeln Egal, Schwamm drüber, "Ostwind 2" ist ein, im wahrsten Sinne des Wortes, bewegender Streifen, der mittlerweile mit Filmen wie „Der Pferdeflüsterer“, „Hände weg von Mississippi“, „Gefährten“ und „Ostwind“ das Genre des „Pferdefilms“ gelungen weiterführt.
 
Einige dramaturgische Schwächen und Ungereimtheiten sollte man Regisseurin Katja von Garnier verzeihen, sie legt ihr Hauptaugenmerk auf jugendliches Schwärmen und die respektvolle Begegnung zwischen Mensch und Tier. Größte Unterstützung bekommt sie dabei von den für die Zuschauer unsichtbaren Tiertrainern und Doubles der Hauptrollen. Diese wahren „Pferdeflüsterer“ leisten unbemerkt einen fulminanten Job und lassen nie einen Zweifel daran aufkommen, die Schauspieler würden auch in den kniffligsten Situationen nicht selber im Sattel sitzen.
 
Hinter der Kamera sorgt Torsten Breuer für kraftvolle Bilder, changierend zwischen urwüchsiger Natur und zarten Pferdeschnauzen, denen man die Geduld eines Tierfilmers anmerkt. Die Wetterkapriolen des Sommers 2014 mit Regengüssen, durchbrechender Sonne und dampfenden Wiesen waren bestimmt für das Produktionsteam nicht leicht zu händeln, kommen dem ungestümen Charakter Mikas jedoch extrem entgegen.
 
Und als Kontrastprogramm zur schweißtreibenden Natur steht die schönste Szene des Films: Mika rebelliert gegen die genormte, ersatzgräfliche Welt des Dressurreitens und legt zu einem chilligen Clubsound eine Dressurperformance ins Karree, die dem Zuschauer Tränen in die Augen treibt.
 
 
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