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*** Zombieland: Doppelt hält besser ***


ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Zombies sind schwer umzubringen, weil sie weder tot noch lebendig sind. In der Fortsetzung von „Zombieland“ sind sie nun bereits seit 10 Jahren untot, haben sich aber trotzdem weiterentwickelt …
 
Travel light
 
Einige Jahre nach dem Untergang der Zivilisation ist in Zombieland so etwas wie Alltag eingekehrt. Columbus, Tallahassee, Wichita und Little Rock leben im Weißen Haus, während um sie herum die Zombieplage immer schlimmer statt besser wird. Aber Little Rock plagen ganz andere Sorgen. Die junge Frau möchte das Nest verlassen, Gleichaltrige treffen, Gras rauchen. Und Wichita hat Bindungsängste, wieder einmal. Also klauen die beiden Damen Tallahassees Auto – wieder einmal – und verschwinden einfach, wieder einmal.
 
Zweite Teile verdanken ihren schlechten Ruf unter anderem vielen uninspirierten Fortsetzungen von Komödien. Gerade in den 80ern gab es davon jede Menge. Bei Filmen wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“, „Die Supertrottel“, „Porky’s II“ oder den vielen Fortsetzungen von „Police Academy“ war ganz klar, hier hatte man bloß die Ideen verwertet, die während der Drehbuchbesprechungen für den ersten Film noch verworfen wurden. Und so leid es mir tut, „Zombieland 2: Doppelt hält besser“ erinnert allzu oft an diese Filme.
 

 
Tallahassees ewige Suche nach Twinkies war einer der netteren Running-Gags des ersten Films. Offensichtlich waren sich die Drehbuchautoren damals vor Drehbeginn nicht sicher, ob Woody Harrelsons Figur im Film von den kleinen Kuchen oder von Elvis Presley besessen sein sollte. Denn 10 Jahre später, im neuen Film, werden Twinkies mit keinem Wort mehr erwähnt. Dafür spricht Tallahassee nun schon lange vor dem Zwischenstopp in Graceland immer wieder vom King of Rock’n’Roll. Bill Murray hat damals im Film einen wunderbaren Scherz über seine Mitwirkung an „Garfield“ gemacht. Im neuen Film wird aus diesem kleinen Scherz eine mehrminütige mid-credit-scene.
 
Kein Wunder, dass die Drehbuchautoren wieder Dave Callaham, Rhett Reese und Paul Wernick heißen. Sie haben ja nicht wirklich ein neues Drehbuch geschrieben, sondern zum großen Teil bloß eine frühere Version des Buchs zu Teil eins verfilmt. Und dort wo sie sich neue Gags einfielen ließen, fallen diese oft nicht allzu einfallsreich aus. Der erste „Zombie Kill of the Week“ mit dem Mähdrescher ist kein bisschen originell. Der zweite, mit dem Schiefen Turm von Pisa, wird zu lange aufgebaut und wirkt zu gezwungen um witzig zu sein.
 
In Zombieland sind die Ressourcen begrenzt. Und so holen die Filmemacher aus jeder noch so schwachen Idee das Letzte heraus. Tallahassees Ansprüche an Transportmittel wären für ein oder zwei kleine Gags gut. Stattdessen haben wir minutenlange Szenen, in denen es nur um Autos geht. Die Figur eines Pazifisten mit Gitarre wäre für einen Gag gut. Leider bekommt der Gitarrist seine eigene Nebenhandlung. Und man streckt und überdehnt nicht nur eigene Ideen. In „Shaun of the Dead“ gab es eine witzige Szene von einer Minute, in der die Helden auf eine praktisch identische Gruppe Überlebender treffen. Hier dauert eine vergleichbare Szene sehr viel länger und damit viel zu lang.
 
01 ©2019 Sony Pictures02 ©2019 Sony Pictures03 ©2019 Sony Pictures04 ©2019 Sony Pictures
 
Enjoy the little things
 
Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, Teil Zwei sei gar nicht witzig. Wenn Woody Harrelson im Weißen Haus seinen alten Kumpel Wesley Snipes begnadigt, ist das lustig. Und auch die etwas unterbelichtete neue Reisegefährtin Madison sorgt für einige Lacher. Aber ihre Figur strapaziert bald nicht bloß Tallahassees Nerven, sondern auch die Geduld des Publikums. Wie eine dermaßen dumme Person jahrelang allein in Zombieland überlebt haben soll, ist nicht die einzige unbeantwortete Frage des Films.
 
Warum wissen Überlebende am anderen Ende des Landes, wie Bill Murray umgekommen ist, wenn die vier Protagonisten seit Teil eins keinen Kontakt mit anderen Menschen hatten? Wie konnte eine schlecht befestigte Hippie-Kommune all die Jahre ohne alle Waffen überleben? Und wozu sehen wir zunächst drei verschiedenen Arten von Zombies, wenn im Rest des Films nur eine einzige Art eine Rolle spielt? Und was ist mit den Twinkies? Ein Mann legt doch nicht plötzlich seine Besessenheit von Twinkies ab.
 
Teamwork
 
Die großartige Besetzung war 2009 einer der Hauptgründe für den Erfolg von „Zombieland“. Leider haben sich die von Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone und Abigail Breslin gespielten Figuren seit Teil Eins kein bisschen entwickelt. Tatsächlich hat sich diese Gruppe in den Jahren seither weniger entwickelt als während der Handlung des ersten Films. So können uns diese begabten Darsteller nichts zeigen, was sie uns nicht bereits gezeigt hätten.
 
Die großartige Rosario Dawson („Rent“, „Sieben Leben“) verschwendet ihr Talent in einer Rolle die entweder viel größer oder nur ein Gastauftritt hätte sein müssen. So wie sie hier eingesetzt wird, wussten die Autoren und Regisseur Ruben Fleischer wohl nichts mit ihr anzufangen.
 
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Die noch recht unbekannte Zoey Deutch („The Disaster Artist“) ist zunächst wirklich witzig als strohdumme Madison. Aber alles was ihre Figur sagt und tut, sind Variationen einer einzigen Idee. Und so wirkt ihre Figur bald gar nicht mehr witzig und irgendwann nur noch ermüdend.
 
Fazit
 
Nach 10 Jahren haben sich die Untoten in „Zombieland“ weiterentwickelt, die lebenden Bewohner aber leider nicht. Weil sie auch nicht witziger geworden sind und auch sonst nichts Neues bieten, ist die Fortsetzung mehr tot als lebendig.
 
 
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