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*** The Outpost: Überleben ist alles ***


 

ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Viele Kriegsfilme meinen, den Krieg „realistisch“ darzustellen. Beruht so ein Film „auf einer wahren Begebenheit“ macht es das oft nicht besser …
 
Es wird nicht besser
 
Der Standort des US Army-Außenpostens in Kamdesh, Afghanistan wurde nicht nach strategischen sondern politischen Überlegungen gewählt. Daher sind die Soldaten am Fuß mehrerer steiler Berge an der Grenze zu Pakistan stationiert. Täglich werden sie beschossen und versuchen doch ihrer Aufgabe nachzukommen, die lokale Bevölkerung davon zu überzeugen, sich von den Taliban abzuwenden und sie zu unterstützen. Nach mehreren Verlusten soll der Außenposten endlich aufgegeben werden. Doch kurz vorher greift eine Übermacht der Taliban das Lager an …
 
Kriegsfilme sind fast so alt wie das Kino selbst. Bereits George Méliès dreht 1897 einen kurzen Film über eine Seeschlacht. Das späte Zwanzigste Jahrhundert bescherte uns „Der Soldat James Ryan“, der zwanzig Minuten lang ein Meisterwerk, dann mehr als zwei Stunden lang ganz gut und dann fünf Minuten lang unerträglich war. Das Einundzwanzigste Jahrhundert des Kriegsfilms begann mit „Black Hawk Down“, der seither den Maßstab für die realistische Darstellung von Kampfhandlungen bildet. 2010 bekam Katherine Bigelow den Oscar für „The Hurt Locker“ und konnte so gegen die 500-Millionen-Dollar-Midlife-Crisis ihres Exmannes bestehen. Und seither kommen immer wieder neue „realistische Kriegsfilme“ ins Kino.
 
 
Nun hat Regisseur Rod Lurie („Rufmord – Jenseits der Moral“) einen weiteren Kriegsfilm gedreht. Lurie war früher Filmkritiker für die New Yorker „Daily News“. Und wie es aussieht, hält er sich an Jean-Luc Goddard, der einmal meinte „Um einen Film zu kritisieren, muss man einen weiteren Film machen“. Und diese Methode funktioniert. Lurie hat nicht nur einen wirklich hervorragenden Kriegsfilm gemacht. Für den aufmerksamen Betrachter zeigt sein Film auch die Schwächen anderer Kriegsfilme auf.
 
Wenn wir sehen, wie wichtige strategische Entscheidungen nach politischen Erwägungen getroffen werden und damit Menschenleben kosten, sehen wir auch wie unkritisch viele andere Filme das Wirken militärischer Strukturen zeigen. Wenn wir die Soldaten und Offiziere alle als unterschiedliche Charaktere kennenlernen, die auch mal Meinungsverschiedenheiten haben oder einander nicht ausstehen können, sehen wir wie falsch die romantische Idee von „The Hurt Locker“ ist, Soldaten wären alle Brüder die einander wichtiger sind als ihre eigenen Familien. Und wenn Lurie zeigt, wie wichtig Zusammenarbeit und Effizienz während eines Feuergefechts sind, entlarvt er den aufgesetzten Pseudo-Realismus in Filmen von Regisseuren wie Peter Berg.
 
Vor allem aber zeigt uns Lurie die Realität des furchtbaren Alltags der Soldaten im Feindesland. Und auch hier unterscheidet sich Lurie wohltuend von anderen Filmemachern, indem er uns tatsächlich Bilder zeigt und nicht alles im Dialog erklären lässt. Wenn Staff Sergeant Romesha zu Beginn des Films zum ersten Mal aus dem Helikopter steigt, zeigt uns ein Kameraschwenk, was der Soldat zu sehen bekommt: steile, hohe Berge rundherum, die das Lager zum Ziel in einem Schießstand machen. Dieser Schwenk ist nicht lang und episch. Er fällt kurz aber gründlich aus, ganz so wie ein erfahrener Soldat sich umsehen würde. Das lässt diese Einstellung noch stärker wirken.
 
Kamera und Schnitt arbeiten in diesem Film hervorragend zusammen. Mehrmals sehen wir scheinbar eine lange Einstellung, wo in anderen Filmen hektisch geschnitten worden wäre. Eine Sequenz auf einer Brücke ist zunächst eine Gruppenszene, dann eine Dialogszene von zwei Darstellern in Halbtotale, wird dann zum Drohnenflug und zeigt plötzlich wie ein Mann von einem Sprengsatz zerfetzt wird und unter der Brücke im Fluss landet und das alles scheinbar ohne Schnitt! Alleine für diese Meisterleistung verdient dieser Film zwei Oscars.
 
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Keine Diskussion während des Gefechts
 
Lurie will uns nicht bloß visuell beeindrucken. Er zeigt solche Kunststücke dort, wo sie der Handlung dienen. An einigen Stellen sterben Männer auch außerhalb des Bildes. Einer der schlimmsten Verluste im Film ereignet sich ziemlich undramatisch und vermittelt so die Sinnlosigkeit mancher Missionen noch deutlicher. Das trägt zum Realismus dieses Films ebenso bei wie Dutzende Kleinigkeiten, die in vielen anderen Filmen immer wieder unter den Tisch fallen oder falsch dargestellt werden.
 
Wenn ein Mann zum Verbandsplatz gebracht wird, ist die Information, wie lange er bereits Blut verliert, tatsächlich lebenswichtig. Und wenn in einem Camp mehr als 50 Mann weitab der Zivilisation leben und es dort keine Kanalisation gibt, ist der Latrinendienst tatsächlich eine bessere Strafmaßnahme als Soldkürzungen. Auch benötigen in diesem Film unterschiedliche Waffen tatsächlich unterschiedliche Munition. Und zum ersten Mal seit langem sehen wir hier einen Kriegsfilm, der Munition von Anfang an als endliche und damit extrem wertvolle Ressource behandelt und nicht bloß an einer einzigen spannenden Stelle. Wenn Romesha im ersten Feuergefecht wenige gezielte Einzelschüsse aus seinem Sturmgewehr abgibt, sehen wir einen erfahrenen Soldaten, der weiß was er tut und keinen „Lone Survivor“.
 
Die erfahrene Gelassenheit von Staff Sergeant Romesha vermittelt aber vor allem sein Darsteller Scott Eastwood („Fast & Furious 8“). Bisher hat der Sohn von Altmeister Clint kaum beeindruckende Leistungen gezeigt. In der Rolle des Unteroffiziers erinnert er in einigen Szenen aber stark an den jungen Herrn Papa. Wenn er einen auf Vorschriften bedachten Offizier fragt, wo die Schüsse den hergekommen seien, erinnert das an entsprechende Szenen in „Dirty Harry“. Aber er zeigt uns einen viel realistischeren Helden als wir sie in alten Filmen seines Vaters zu sehen bekamen. Seine Figur ist kein cooler Einzelgänger, sondern ein echter Anführer. Und so ist es auch besser, wenn er im Film von den Kameraden immer als „Ro“ angesprochen wird. Romeshas Vornahme lautet nämlich tatsächlich „Clint“ und so viel Verwirrung hätte nur abgelenkt.
 
Der zweite mit der „Medal of Honor“ ausgezeichnete Held, der während des Feuergefechts um den Außenposten Großartiges geleistet hat, war Specialist Ty Carter. Und sein Darsteller Caleb Landry Jones („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) leistet Großartiges in diesem Film. Er spielt den unangepassten Ex-Marine, der zur Army gewechselt ist, nicht als Nervensäge, sondern als etwas schwierigen Menschen, der Mühe hat seine innere Kraft und seine Emotionen im Gleichklang zu halten. Wenn er während des Gefechts zum Helden wird, tut er das auf eine ganz andere Art als Eastwoods Romesha und mit einer ganz anderen Motivation und kann uns so auf ganz andere Art überzeugen.
 
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Der Rest der Besetzung, bestehend aus Berufsschauspielern und echten Soldaten, die zum Teil tatsächlich am Gefecht in Kamdesh teilgenommen haben, wird angeführt von Orlando Bloom, der nun nach „Black Hawk Down“ in seinem zweiten erstklassigen Kriegsfilm mitgewirkt hat.
 
Fazit
 
Vermutlich kann man Krieg im Film niemals realistisch darstellen. Aber „The Outpost“ versucht es wenigstens. Und wenn der Film sein Ziel nicht ganz erreicht, zeigt er doch, wie weit andere Filme daneben liegen.
 
 
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