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***Smaragdgrün***


smg kritik
 
Autor: Sascha Fersch
 
Smaragdgrün ist der perfekte Film für Leute, die schon immer mal wissen wollten, was passiert, wenn man Twilight mit Harry Potter kreuzt. Der letzte Teil der Trilogie beendet eine Geschichte mit vielen inhaltlichen Schwächen, aber mit dem Drang zur großen Geste.
 
Eine Geschichte ohne Biss (zum Morgengrauen) Wenn man die drei Teile direkt hintereinander schaut und dafür den besseren Teil einer Nacht opfert, fällt einem auf wie wenig dann doch erzählt wird. Es ist wirklich nicht notwendig alle drei Teile gesehen zu haben, es bringt noch nicht mal einen Mehrwert. Die Liebesdynamik, die Bösewichte, die Selbstzweifel der Protagonistin, alles köchelt eher so auf Sparflamme. Auch auf unerwartete Wendungen oder spannende Zeitreisen wartet man vergeblich. Nicht einmal die Charaktere sind plastisch genug um wirklich faszinierend zu sein.
 
So ist die junge Gwendolyn (Maria Ehrich) sehr damit beschäftigt ein Teenager zu sein, inklusive Liebeskummer, ausschweifender Partys, der neidischen Cousine und emotionaler Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Kind. Nebenbei reist sie noch ein bisschen in der Zeit, wird von einer geheimen Loge für deren böse Zwecke instrumentalisiert, was es natürlich zu verhindern gilt. Sie findet aber nicht so richtig in den Kampf, die Pläne schmieden dann doch eher andere Personen. Der Butler zum Beispiel, auch ihr Kumpel/Lover/Kotzbrocken Gideon (Jannis Niewöhner), oder selbst die beste Freundin aus der Schule kümmern sich viel aktiver darum die Geschichte endlich zu einem Ende zu bringen.
 
Der Bösewicht erinnert an eine Karikatur von Dorian Grey, die ganze Loge ist trotz ihrem angeblichen weltherrschaftlichen Streben eher zurückhaltend, so dass der letzte Kampf dann auch eher bescheidene Ausmaße annimmt. Eher nebenbei wird noch eine sozialkritische Botschaft eingebaut, aber ohne ernsthafte Ambitionen. Das alles ist in seiner Tonalität wahrscheinlich auf ein junges Zielpublikum ausgerichtet und daher altersgerecht, doch es fehlen wirkliche Schauwerte oder emotionale Tiefe.
 
 
Ein Wiedersehen mit dem Stein der Weisen
 
Die Versatzstücke dieser Geschichte versuchen zeitweise nicht einmal ihre Herkunft zu verbergen. Offen wird „der, dessen Name wir nicht nennen“ zitiert und auch ein unvermittelt auftauchender Wasserspeier mit reiner Kommentarfunktion wird von Rufus Beck gesprochen, der ja bekanntlich schon so kongenial die Hörbücher zu Harry Potter mit seiner Stimme veredelt hat. Die Liebesgeschichte orientiert sich dafür eher an der erfolgreichen der Twilight-Reihe.
 
Coole Typen fahren auf Motorrädern, kleiden sich in Lederjacken, in einem modernen High-School-Setting, während junge Frauen deren dunkle Geheimnisse versuchen zu enthüllen. Zwar werden diese Parallelen immer wieder offensichtlich, doch die Filmemacher (Regie: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde) haben sich nicht getraut, eine klare Position zu beziehen. Entweder hätten sie diese Genres auf die Spitze treiben und damit karikieren müssen, oder sich langsam davon emanzipieren um eine eigene Mystik zu entwickeln. So bleibt die ganze Geschichte seltsam blutleer und ideenlos. Sie eifern den internationalen Vorbildern nach, lassen die Geschichte in London spielen, schreiben sich auf englisch SMS und geben sich großstädtisch. Auch die Dialoge (Drehbuch: Katharina Schöde, Felix Fuchssteiner, Barry Thomson) sind bemüht auf Hollywood getrimmt, mit Einzeilern wie: „Bereit, wenn du es bist“. Es ist wirklich erstaunlich wie wenig die Heldin ihre Gabe zur Zeitreise wirklich nutzt, abgesehen von den anderen Fähigkeiten, die sie erst kurz vor Schluss entdeckt.
 
Die meiste Zeit passiert gar nichts relevantes in der Vergangenheit, und Veränderungen in der Zeitlinie scheinen auch nicht spürbar zu werden. Vielmehr sitzen sie in abgeschlossenen Räumen, schicken sich Briefe durch die Zeit und plaudern entspannt beim Kaffee über die Dringlichkeit ihrer Mission. Da kommt nicht wirklich Spannung auf. Selbst als die sieben Heiligtümer des Todes beisammen sind, damit der Stein der Weisen aus dem Feuerkelch geholt und in der Kammer des Schreckens geöffnet werden kann, geht kein Ruck durch die Welt, irgendwie bleibt alles gleich. Der Film lässt sich gar nicht erst auf komplexe Gedankengänge ein, wie es bei Butterfly Effect oder Donnie Darko der Fall war.
 
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Die Frage nach dem Sinn von Trilogien
 
Die Kinowelt ist längst den Marketing-Vorteilen der Trilogien erlegen. Ist das Franchise erst mal etabliert, zerrt man so lange von der initiativen Begeisterung bis wirklich kein Geld mehr zu machen ist. Spätestens seit dem Hobbit weiß man aber auch, dass sich Geschichten nicht endlos strecken lassen.
 
Nun gäbe es ja durchaus noch ein paar Edelsteine, die auf ihre Zeit zu scheinen warten. Doch ehrlich gesagt hätte man auch diese Geschichte eigentlich sehr viel spannungsreicher in einem turbulenten Film erzählen können, anstatt drei Teile so dahin plätschern zu lassen. Ob die Bücher in diesem Fall mehr Material zur Verfügung stellen würden, entzieht sich dabei leider meiner Kenntnis. Die Schauspieler sind zwar trotzdem immer bemüht, emotional und mit der gebotenen Dringlichkeit zu agieren, allein ihnen fehlt der dramaturgische Unterbau.
 
Der Graf von St. Germain (Peter Simonischek) versucht mit teuflischem Lachen furchteinflössend zu wirken, Gideon und Gwendolyn haben nach wie vor Probleme sich zu vertrauen, weswegen sie lieber gar nicht miteinander reden. Und die Mutter (Veronica Ferres) glänzt durch Abwesenheit, wie auch einige andere Charaktere der letzten beiden Filme.
 
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Fazit
 
Smaragdgrün ist handwerklich ganz ok, und auch die grundsätzliche Richtung stimmt. Es fehlt allerdings an Inhalten, die nicht gar so generisch und austauschbar sind, sowie einer stimmigen Charakterentwicklung, oder alternativ dem Geld für ein atemberaubendes Action-Spektakel.
 
So bleibt es bei dem etwas bemüht wirkenden Versuch, mit einer deutschen Produktion die internationalen Erfolge zu kopieren. Aber wenn sie als Elternteil die Twilight-Trilogie durchgestanden haben, werden sie diese Filme auch noch schaffen. Und als Kind und/oder echter Fan der Bücher gehen sie vermutlich sowieso rein. Egal was ich hier herumnörgele.
 
 
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