ALADDIN 160x600 Wide Skyscraper Dis Kinoservice AB AzF

 
nflix news

youtube1mobile1

Zu guter Letzt

zgl news 331
 
kritik
b story n
b gallerie n
b web n
 
Wer meint, immer im Recht zu sein, der will auch stets das letzte Wort haben – so oder so ähnlich lautet die Devise der köstlichen Kratzbürste Harriet Lauler, einem penetranten Alphaweibchen, das seine Umwelt mit spitzen Bemerkungen, unverschämten Anweisungen und nervigen Tiraden auf Trab hält.
 
Hollywood-Legende Shirley MacLaine spielt diese Frau mit der ihr eigenen Mischung aus gnädiger Herablassung und lakonischem Humor; ihre alterslose Eleganz und ihr bewundernswerter schauspielerischer Mut machen die hochemotionale Dramedy ZU GUTER LETZT zu einem Ereignis dieses Kinofrühlings. „Das letzte Wort haben“ ist in Harriets Fall, nun ja, tatsächlich wörtlich gemeint: Die erfolgreiche Geschäftsfrau, die noch nie irgendetwas dem Zufall überlassen hat, will auch jene Worte kontrollieren, die dereinst ihren Nachruf füllen werden.
 
Schließlich hat die alte Dame einiges geschafft in ihrem Leben: Sie war schon emanzipiert, als diese Vokabel im kollektiven Wortschatz noch gar nicht vorkam. Sie setzte sich mit ihrer Werbeagentur souverän in einer Männerwelt durch. Und erwarb ein hübsches Vermögen, das sie heute wohlhabend und unabhängig macht. Allerdings ist Harriet auch so allein, dass sie nichts Besseres zu tun hat, als Anne Sherman (Amanda Seyfried) in die Welt hinauszuschicken, um besagten Nachruf zu recherchieren.
 
Die junge Journalistin stellt bald fest, dass die Sache einen Haken hat, und zwar einen ziemlich spitzen: Jeder, der irgendwann in Kontakt mit Harriet stand, seien es Familienmitglieder wie ihr Ex-Mann Edward (Philip Baker Hall) und ihre Tochter Elizabeth (Anne Heche) oder Gelegenheitsbekanntschaften wie eine Friseurin, mag entweder gar nicht erst über Harriet sprechen – oder hat nur Schlimmes über sie zu sagen. So wird aus Annes kurioser Mission, einen Nachruf schon zu Lebzeiten zu verfassen, eine Art Himmelfahrtskommando, nämlich etwas Nettes über jemanden zu schreiben, über den es – zumindest auf den ersten Blick – nur Abscheuliches zu berichten gibt.
 
Aus dieser Ausgangskonstellation macht Regisseur Mark Pellington (DIE MOTHMAN PROPHEZEIUNGEN, ARLINGTON ROAD) ein durchaus tiefschürfendes, vor allem aber vergnügliches Porträt zweier Frauen, die sich jede auf ihre Weise selbst im Weg stehen, sich aber auch gegenseitig helfen, ihrem Leben eine neue, bessere Richtung zu geben. Dabei geht es um Fragen, die Jung und Alt gleichermaßen betreffen: Wie viel Egoismus ist erlaubt (oder notwendig), um die eigenen Träume durchzusetzen? Was ist wirklich wichtig im Umgang mit Freunden, Familie, Bekannten? Und welche Dinge machen ein Leben lebenswert, egal, ob man noch am Anfang steht oder vom Ende her zurückblickt? Pellington garniert seine Geschichte, die viel von einem leichtfüßigen Entwicklungsroman hat, mit solchen Fragen, ohne sie zu überfrachten. Seinen besonderen Reiz bezieht der Film zunächst aus den ungezählten Konfrontationen, in die sich die unablässig auf Krawall gebürstete Harriet lustvoll stürzt.
 
Die unnachahmliche Shirley MacLaine macht aus jeder davon ein mitreißendes Kabinettstück, und wenn sie sich dann in den Clinch mit ihrer widerwilligen Biografin begibt (eine nicht minder überzeugende Amanda Seyfried), wird daraus bald eine faszinierende doppelte Charakterstudie, die nach und nach immer mehr Facetten ans Licht bringt und jede Menge Überraschungen bereithält. Das Schöne dabei ist, dass beide Frauen gleichermaßen voneinander profitieren: die eine, weil sie sukzessive vom hohen Ross herunterkommt, die andere, weil sie sich allmählich aus der Deckung wagt. Und so spielt es am Ende der gemeinsamen Reise gar keine so große Rolle mehr, wer schließlich das letzte Wort behält...
 
Im Verleih von Tobis.
 
 
feedback