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HERRliche Zeiten: Verrückt, lustig, absurd und böse!


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Mit HERRliche Zeiten stellt Regisseur Oskar Roehler hoch amüsant Fragen nach Schein und Sein, Freiheit, Moral und Menschenrechte auf einen perfiden und unterhaltsamen Prüfstand.
 
In den Hauptrollen spielt Katja Riemann die Gartenarchitektin Evi Müller-Todt, eine Frau in einer Sinn- und Lebenskrise. Oliver Masucci spielt ihren Mann Claus, ein Schönheitschirurg, der die Dinge wesentlich leichter nimmt und Samuel Finzi den belesenen und gebildeten Diener, der sich mit seiner attraktiven Frau Lana in der Villa der Müller-Todts einnistet.
 
HERRliche Zeiten erzählt über weite Strecken ein Kammerspiel mit wenigen Protagonisten. Eine reizvolle Herausforderung für die Hauptdarsteller, zumal unter der provokanten Prämisse der Geschichte.
 
„Du musst dich mit den Figuren in einer Satire nicht identifizieren können, weil du ihnen genussvoll in ihren selbstgewählten oder selbstbestimmten oder fremdbestimmten Untergang folgst“, so Oskar Roehler. „Der Schauspieler hat also die Aufgabe, es zu schaffen, dass das Publikum ihn irgendwie mag. Deshalb stecke ich Sympathieträger in die bösen Rollen, dann stimmt der Mix.“ Über Katja Riemann, mit der er bereits 2004 bei „Agnes und seine Brüder“ zusammenarbeitete, führt Roehler weiter aus: „Katja ist grandios im Kleinen und im Großen.
 
Sie hat ein unglaubliches Gespür für ihr Publikum und ein unheimliches Fingerspitzengefühl, was Rollen angeht.“ Die gebürtige Bremerin begann ihre Schauspielkarriere am Theater, unter anderem als Ensemblemitglied der Kammerspiele München und des Schillertheaters Berlin, bevor sie dann zum Film wechselte. Sie wurde bereits mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Deutschen Filmpreis, dem Grimme Preis und dem Bambi. Seit 2011 arbeitete sie mit Bora Dagtekin bei dessen Debutfilm „Türkisch für Anfänger“ und der „Fack ju Göhte“-Trilogie zusammen.
 
 
 
 
 
 
Wie das Publikum auf ihre Figur der skrupelgeplagten Sklavenhalterin Evi reagieren wird, lässt Katja Riemann selbst offen: „Ich glaube, dass es jeden Zuschauer anders erwischen wird. Bei diesen absurden Situationen hat jeder eine sehr persönliche und subjektive Betrachtungsweise.
 
Ein Film ist ja keine Aufgabe, für die es eine richtige oder falsche Antwort gibt.“ Von der bestehenden Gefahr, dass eine Satire die Figuren als Karikatur zeichnet, will sie sich nicht limitieren lassen: „Satire hin oder her, wir haben die Figuren vergrößert, aber sie trotzdem dreidimensional gespielt, so gut wir es vermochten. Wir wollten interessante Menschen darstellen und nicht irgendwelche Comic-Figuren.“
 
Riemann macht nicht nur vor der Kamera, sondern auch hinter dem Mikrofon eine gute Figur und veröffentlichte bereits mehrere Alben verschiedener Stile. Aktuell führt sie die offiziellen deutschen Klassik-Charts an mit einer Neueinspielung von Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“.
 
 
 
Wie Katja Riemann war auch Oliver Masucci bereits ein gefragter Theaterschauspieler aus dem Ensemble des Wiener Burgtheaters, bevor seine eigentliche Kinokarriere begann. Deutschen Filmfans dürfte er aber vor allem durch David Wnendts satirischer Bestsellerverfilmung „Er ist wieder da“ (2015) in Erinnerung geblieben sein. International sorgte er erst vor kurzem durch seine Hauptrolle in der Netflix-Serie „Dark“ für Aufsehen. Dass Oskar Roehler ihn noch nicht kannte, spielte sehr schnell keine Rolle mehr: „Ich habe ihn gesehen und fünf Minuten später wusste ich, das ist ein Bruder von mir, ein größerer Bruder und Beschützer mit einer unglaublichen Energie und schauspielerischen Ausdruckskraft, die ich in Deutschland sehr, sehr selten gesehen habe,“ so der Regisseur. Auch Masucci war von Roehlers Vision begeistert.
 
„Oskar hat den Mut, richtig reinzuhauen, weil er großes Kino machen will. Für mich war das künstlerisch sehr befruchtend. Es war verrückt, lustig, absurd, böse“, so der in Hamburg geborene Schauspieler, der auch weitere Zusammenarbeiten in Aussicht stellt: „Ich mache auch gerne mit Oskar weiter. Da gibt es schon Überlegungen. Ich bin sehr, sehr froh, dem Oskar begegnet zu sein. Ein großer Regisseur.“ Für seine Rolle als sklavenhaltender Schönheitschirurg wurde Oliver Masucci für den Deutschen Filmpreis nominiert. Wie die Zuschauer die mutige Absurdität des Gezeigten aufnehmen werden, will auch er jedem selbst überlassen: „Dieser Film ist verrückt. Wir machen so etwas, weil wir die Menschen unterhalten wollen.
 
Was für eine Erfahrung sie dann mitnehmen, das sollen uns die Leute selbst sagen.“ Interessanterweise handelt es bei HERRliche Zeiten nicht das erste Mal darum, dass Masucci über Schauspielkollege Samuel Finzi befehlen kann, der hier den Diener Bartos spielt. Bereits in einer Theateraufführung von Heinrich von Kleists „Amphytrion“ standen Masucci als Jupiter und Finzi als Diener Sosias in einem ganz ähnlichen Verhältnis.
 
 
 
Samuel Finzi, Ensemblemitglied des Deutschen Theaters Berlin, stand für Oskar Roehler schnell für die Rolle des devoten und undurchsichtigen Dieners Bartos fest. „Soll ich über ihn auch noch sagen, dass er ein toller Schauspieler ist? Hat er tausendmal bewiesen, auf allen Bühnen Deutschlands und in meinem letzten Film.“ („Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ von 2015).
 
Diese Anerkennung gibt Samuel Finzi gerne zurück: „Oskar schafft es, das Flirren unserer Gesellschaft in seinen Geschichten einzufangen und traut sich Mittel einzusetzen wie kaum ein anderer. Die Geschichte in dem Film seziert das Verhältnis von „oben" und „unten".
 
Und zeigt ein verschärftes Bild vom Zustand unserer Gesellschaft.“ Dabei war aber kein banaler Realismus gefragt, wie er bestätigt: „Mir gefällt, dass Oskar Roehler nicht versucht, die Geschichte psychologisch zu erzählen, sondern zu starken Mitteln greift und Behauptungen aufstellt. Nur so kannst du ein großes Bild schaffen.“ Dieses große Bild wirft einen unvergleichlichen Blick hinter die Kulissen einer saturierten Gesellschaft, die ihren Wohlstand auf Ausbeutung und Gier stützt.
 
 
 
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