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Im Rausch der Sterne: Kritik

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Autorin: Simone Michel
 
Kennt ihr das, wenn man ins Kino geht, ohne große Erwartungen, und den Saal am Ende positiv überrascht verlässt? Die Tragikkomödie „Im Rausch der Sterne“ ist einer dieser Filme, der genau das schaffen kann.
 
Im Zentrum der Handlung steht der Zwei-Sterne-Koch Adam Jones (Bradley Cooper). Vor fünf Jahren noch in Paris als Chefkoch eines hochkarätigen Restaurants beschäftigt, fällt Adam zunächst sehr tief vor seiner späteren Rückkehr in die Gourmetwelt. Nach zahlreichen Drogen- und Alkoholexzessen, während derer er einige Menschen verletzt hat, ist er nun seit zwei Jahren clean und hat einen Plan geschmiedet.
 
Er überrascht seinen alten Freund und Kollegen Tony (Daniel Brühl) in dessen Londoner Restaurant und will von heute auf morgen die dortige Küche als Chefkoch übernehmen. Tony weiß nicht wie im geschieht. Er trifft jedoch nach langem Hadern den Entschluss seinem früheren Kumpel, der sowohl Genie als auch Wahnsinn in sich vereint, eine Chance zu geben. Schließlich ist Adam eine Koch-Legende, die Tonys Restaurant mehr Ruhm verspricht, als er jemals allein erreichen könnte. Adam selbst verfolgt dabei nur ein Ziel: Mit seinen eigenen „sieben Samurai“ auf die Jagd nach dem dritten Michelin-Stern zu gehen. Das von ihm ausgewählte Team stellt schnell fest, dass ihr neuer Chefkoch eine tickende Zeitbombe ist, für die nur das perfekte Menü alles bedeutet.
 
 
Kulturelle Schauspieler-Vielfalt
 
Schaut man sich erst einmal den Cast von „Im Rausch der Sterne“ an, so wird schnell klar, dass die Macher keine Kosten und Mühen gescheut haben international erfolgreiche Schauspieler in diesem Projekt zu vereinen. Genau wie die kulinarischen Spezialitäten im Film, so bildet auch die Besetzung ein kulturell buntes Potpourri.
 
Fangen wir beim Hauptdarsteller an, der wohl kaum noch aus der aktuellen Filmlandschaft wegzudenken ist: Bradley Cooper gibt auch in diesem Film mal wieder alles, was seine Schauspiel-Facetten hergeben. Zuletzt in Hits wie „American Sniper“ oder „Silver Linings“, holt Cooper auch bei „Im Rausch der Sterne“ emotional das Letzte aus seinem Charakter. Chefkoch Adam Jones wird dem Zuschauer als Kontrollfreak präsentiert, der nichts außer dem dritten Michelin-Stern antreibt. Das Einzige, was er dabei jedoch nicht unter Kontrolle hat, ist er selbst.
 
Demgegenüber steht Tony als ausgleichender Ruhepol. Egal welche Eskapaden sich Adam erlaubt, Tony steht durchweg zu seinem Freund. Daniel Brühl verkörpert diesen sympathischen Charakter ausgezeichnet. Es ist schön den deutschen Schauspieler erneut in einer großen Rolle einer Hollywood-Produktion zu sehen. So überrascht es auch kaum, dass er 2016 in „Captain America 3“ als Teil eines Star-Ensembles den Superschurken mimen wird.
 
Helene ist neben Adam und Tony eine charakterlich eher wenig überraschende Figur. Als einzige Frau im Team treibt Adam vor allem sie in den Wahnsinn, baut aber auch besonders auf ihr Talent. Dies sorgt natürlich für Reibung zwischen den beiden Charakteren. Sienna Miller fällt hierbei als Helene aber insbesondere durch deren äußeres Erscheinungsbild auf, das weniger auf weibliche Reize setzt. Das alternativ anmutende Äußere passt gut zu der Köchin, die genauso hart schuftet, wenn nicht sogar mehr, als ihre männlichen Kollegen. Das etwas übertriebene Puzzle bedeutungsloser Tätowierungen will bei Helene allerdings nicht so wirklich natürlich erscheinen…
 
Für eine kulturelle Vielfalt sorgen die Nebencharaktere, die allesamt auf ihre Weise interessant erscheinen: Der französische Schauspieler Omar Sy, der mit „Ziemlich beste Freunde“ seinen internationalen Durchbruch hatte, spielt Michel, Adams ehemaligen Sous Chef, der den neuen Job im Team dringend braucht. Der irisch-stämmige „Misfits“-Star Sam Keely ist der junge Koch David, der bei seinem Idol Adam lernen will. Der italienische Schauspieler Riccardo Scamarcio übernimmt die Rolle des temperamentvollen Max, ebenfalls ein ehemaliger Kollege von Adam.
 
Was „Im Rausch der Sterne“ zudem noch besitzt, ist ein überragender Gegenspieler, der – wie die meisten – ein früherer Kollege von Adam ist. Gespielt wird der erfolgreiche Drei-Sterne-Koch Reece von Matthew Rhys, der den eitlen Rivalen bildet, welcher sich Adams Team in keinem Fall anschließen will.
 
Außerhalb der Koch-Arena fallen Auftritte von Uma Thurman als gefürchtete Restaurantkritikerin, Emma Thompson als Adams Ärztin und die hübsche Alicia Vikander als seine Ex-Freundin ins Auge. Zwar haben die Schauspielerinnen keine großen Rollen im Film, runden den Cast aber optimal ab.
 
Schade ist angesichts der großartigen Schauspieler und Charaktere lediglich die Tatsache, dass die unterschiedlichen Akzente der Figuren in der deutsch synchronisierten Fassung verloren gehen. Besonders bei Tony und Michel ist dies der Fall, deren Charaktere dadurch an Charme einbüßen.
 
Nicht nur für Feinschmecker ein Augenschmaus
 
„Im Rausch der Sterne“ zeichnet sich neben den tollen Schauspielern aber insbesondere durch die aktuelle Thematik und die betörenden Bilder aus. Nahrungsmittel waren nie so schick und angesagt, wie derzeit. Essen soll den Menschen nicht mehr nur schmecken, es muss auch noch eindrucksvoll aussehen. Genau darauf stützt sich „Im Rausch der Sterne“. Sowohl das Thema Kochen aus Leidenschaft als auch der harte Gastronomie-Beruf, erfasst der Film auf spannende Weise.
 
Doch nicht nur Feinschmecker werden angesprochen. Man braucht keine Ahnung vom Kochen, um einen Einstieg in die Handlung des Films zu finden. Dies beweist Protagonist Adam bereits zu Beginn durch einen Besuch bei Burger King, das er genauso als Restaurant betrachtet, wie die Gourmetküchen der Welt.
 
„Im Rausch der Sterne“ mag einer dieser Filmtitel sein, die es schwer haben im Gedächtnis zu bleiben. Wenn auch als Beschreibung der Story um den temperamentvollen Sternekoch sehr treffend, so hätte der ebenfalls passende Originaltitel „Burnt“ vermutlich einen schnelleren Weg ins Langzeitgedächtnis gefunden. Wer es dennoch schafft den deutschen Titel bis zur Kinokasse zu behalten, der wird es sicher nicht bereuen.
 
Auch wenn das Filmplakat es anmutet: Es handelt sich um keine Romanze oder seichte Liebeskomödie. „Im Rausch der Sterne“ ist eine spannende Dramedy, mit einem Thema, das in diesem Genre bisher relativ unberührt blieb, doch genau zur richtigen Zeit kommt. Ein Gang ins Kino lohnt sich nicht nur aufgrund des ausgezeichneten Casts also allemal.
 
 
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