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Macho Man: Kritik

mman kritik
 
Autorin: Simone Suko
 
Deutsche Beziehungskomödien mit einem multi-kulturellen Hintergrund erfreuen sich immer mehr Beliebtheit und bei den herbstlichen Tempera-turen ist eine leichte Sommerkomödie dieser Art absolut willkommen. Auch das Thema „Was wollen Frauen wirklich“ wenn es um den Mann ihrer Träume geht, sorgt für Zündstoff auf beiden Seiten und stellt ein schier unerschöpfliches Thema dar. Diesmal das Dilemma von Daniel, der bald selbst nicht mehr weiß, wer er ist – oder eher sein soll.
 
Daniel ist ein Kind von 68er-Eltern: man diskutiert alles aus, findet einen Konsens, spricht offen über Sexualität und ist tolerant gegenüber allem und jeden. Der typische „beste Freund“ aus Sicht der Frauen, ein idiotischer Frauenversteher in den Augen „richtiger“ Männer – ein Weichei also! Nachdem seine Beziehung eine Bruchlandung erlitten hat („sorry, ich brauche einen richtigem Mann, aber als Freund will ich Dich nicht verlieren“, so seine Ex) trifft Daniel im Türkei-Urlaub auf seine Traumfrau Aylin. Sie ist Türkin und lebt – welch´ göttliche Fügung – sogar in seiner Stadt. Eine Affäre bahnt sich an. Aber kann ein Warmduscher wie Daniel in der Welt der coolen Machotypen überleben und seiner Traumfrau das bieten, was sie tatsächlich möchte? Cem, der Bruder von Aylin, soll Abhilfe schaffen und Daniel beibringen wie sich ein Mann in der Macho-geprägten Gesellschaft verhält – und er findet mehr und mehr Gefallen daran.
 
 
Daniel wird vom einem zunächst tollpatschigen und auf seine Art drolligen Christian Ulmen dargestellt. Schon allein sein Äußeres, man achte auf die Sandalen, unterstreichen seinen Charakter: liebenswürdig, hilfsbereit und ein wenig schüchtern, privat wie im Job. In der Werbeagentur befasst er sich als Kreativer ausschließlich mit coolen Typen. Ein Kontrastprogramm zu ihm selbst, was ihm jedoch nicht sonderlich bewusst ist.
 
Daniels Kollegen mögen ihn, glauben aber nicht so recht an seine Urlaubsgeschichte. Sie fragen ihn wie er einer Frau wie Aylin überhaupt gerecht werden kann. Doch Daniel lässt sich naiv in die multi-kulti Liebesgeschichte hineinfallen und bemerkt im Laufe der Zeit, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Er will genauso draufgängerisch sein wie die männlichen türkischen Familienmitglieder und, noch wichtiger, von der Familie akzeptiert werden. Die Gefühle von Aylin lässt er dabei völlig außer Acht. Der Softie mutiert zum super Macho mit coolen Klamotten, der richtigen Gangart und den dazugehörigen Sprüchen. Jetzt klappt´s auch mit der türkischen Familie. Nur in seiner Beziehung zu Aylin geht es bergab, was er allerdings überhaupt nicht versteht.

Aylin, gespielt von Aylin Tezel ist eine unabhängige und moderne türkische Frau. Die teilweise vernichtenden Kommentare ihrer Familie über Daniel nimmt sie geduldig und beobachtend hin. Dem Zuschauer bleibt zunächst verborgen, wie sie dazu steht. Sie wirkt hin und hergerissen von den familiären Erwartungen und ihren Gefühlen zu Daniel. Aylin Tezel verkörpert Aylin als eine bodenständige und doch freche junge Frau, die direkt und aufrichtig ist.
 
Christian Ulmen ist die Rolle des tollpatschigen Softies auf den Leib geschrieben. Mit seiner schnoddrig-liebenswerten Art unterstreicht er den verspielten Charakter von Daniel. Aber auch die Wandlung zum coolen Macho verkörpert Christian Ulmen überraschend überzeugend. Alle weiteren Rollen sind durchgängig hochkarätig und absolut passend besetzt. Cem (Dar Salim) ist apart, gutaussehend, irgendwie unnahbar und deshalb so begehrlich.
 
Er spielt den Macho-Lehrmeister mit einer Lässigkeit, die ihm natürlich anhängt. Dabei bleibt er trotzdem sympathisch. Bunter und leicht überzogen stellen sich Peter Prager und Gitta Schweighöfer als 68er Eltern dar, jedoch nicht weniger witzig. Sehr köstlich ist auch das Zusammentreffen mit den jeweiligen Eltern, wenn deutsche 68er auf die traditionsbewusste türkische Generation (Lilay Huser und Vedat Erincin) treffen und hitzig Vorurteile ausgetauscht werden. Interessant ist hierbei die Entwicklung bzw. der Seitenwechsel von Daniel vor und nach seiner „Mutation“.
 
Regisseur Christof Wahl hat Macho Man durch kleine effektvolle Kameratricks, z.B. bei der Eincreme-Szene oder der ersten Begegnung am Pool, witzig in Szene gesetzt. Treffend auch die teilweise harten Musikbeats, die an Evolution und Steinzeitmensch erinnern.
 
Wenn dann noch unser Chauvi voll ins Fettnäpfchen latscht und der „Macho Man“-Jingle erklinkt, ist die Situationskomik perfekt. Die Handlung nimmt zum Schluss rasant Fahrt auf, als würde die Zeit drängen. Die Auflösung ist voraussehbar aber eine Komödie verlangt hoffnungsvollerweise ein gutes Ende. Nur hätte es nicht so schnell daherkommen müssen. Alles in allem eine sehr amüsante Familien- und Liebesgeschichte mit witzigen Pointen, mal parodiert mal verspielt – auf Weichei- und Macho-Seite.
 
 
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