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Das Märchen der Märchen: Kritik

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Autor: Tobias Sasse
 
Als eine der ältesten Erzählformen hat das Märchen unzählige Male Einzug auf die große Leinwand erhalten. Matteo Garrone hat in „Das Märchen der Märchen“ drei Geschichten aus dem gleichnamigen Werk Giambattista Basiles (im Original:"Il Racconto dei Racconti") verfilmt und parallel montiert.

In einer magischen Felsen- und Waldlandschaft regieren drei Herrscher in ihren Königreichen. Der König von Longtrellis (JOHN C. REILLY) ist bereit zum Äußersten zu gehen, um seiner Königin (SALMA HAYEK) den einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen, einen Sohn auf die Welt zu bringen, auch wenn er damit Tod und Schrecken heraufbeschwört.
 
Der König von Strongcliff (VINCENT CASSEL) wird von seinem Verlangen nach den beiden einzigen Frauen seines Reichs, die er noch nicht besessen hatte, fast in den Wahnsinn getrieben - ohne zu ahnen, dass die Schwestern Imma und Dora ein Geheimnis haben, das er niemals erfahren darf. Und der König von Highhills (TOBY JONES) ist von seiner Begeisterung für einen riesenhaften Floh so geblendet, dass er leichtfertig Zukunft und Leben seiner einzigen Tochter aufs Spiel setzt...

 
Große Kulissen, tolle Kostüme, beeindruckende Landschaften: Optisch wird man von „Das Märchen der Märchen“ sofort in die Welt der fantastischen Geschichten entführt. Da gibt es holde Prinzessinnen, riesige Flöhe, ungewaschene Oger und prunkvolle Könige. Es ist hier alles so, wie man sich ein Märchen bildlich vorstellt. Der Gedanke dahinter zieht sich merklich durch den ganzen Film: Hier wurde versucht ganz nah am Märchen an und für sich zu bleiben, so wie es seit vielen Jahren erzählt wird. Dieser Film möchte bewusst nicht den Weg verfolgen, den zum Beispiel „Rapunzel – Neu verföhnt“ oder „Cinderella“ eingeschlagen haben.
 
Dort wurde uns gezeigt, wie man ein uraltes Märchen modern interpretieren und darstellen kann. Man könnte sagen, dass diese Märchen für das Kino „übersetzt“ wurden, um auf die spezifischen Möglichkeiten des Films besonders einzugehen und die Sehgewohnheiten des Publikums bedienen zu können. Und genau das macht „Das Märchen der Märchen“ nicht und geht aufgrund dessen auch unter. Man hat über den ganzen Film das Gefühl, dass da was nicht zueinander passt und das liegt genau an dem oben erwähnten fehlenden Übersetzungsprozess.
 
Die Art, wie die drei Geschichten erzählt sind, erinnern einen wahrhaftig an die vertraute Stimme des Großvaters, der wir als Kinder so gerne gelauscht haben. Aber im Kino funktioniert das leider nicht. Die Spannungsbögen sind wirr und unausgewogen, Überraschungen gibt es nahezu keine, viele Dinge passieren einfach ohne eine weiterführende Bedeutung zu haben und erscheinen daher sehr zweckdienlich. Nichts ist anders, als man denkt und alles ist so, wie es scheint. Eine wirkliche Identifikation mit den Protagonisten bleibt weitestgehend aus und so entsteht auch kein Suspense, da man nicht wirklich an den Schicksalen dieser Geschöpfe hängt.
 
Selbst die Action-Szenen und Visual Effects wirken alt und verstaubt und leider keineswegs überzeugend. Dem Film fehlt es zudem an Witz und Charme und so quält man sich durch die gut zwei Stunden. In dieser ganzen Zeit wird übrigens auch nicht ganz klar, warum ausgerechnet diese drei Geschichten aus dem großen Werk Basiles ausgesucht wurden.
 
Inhaltlich haben sie keinerlei Parallelen, es ist auch kein übergeordnetes Thema zu erkennen (außer vielleicht menschliche Fehler und Eigenarten, um die es ja irgendwie immer im Märchen geht). Es wurde auch kein Wert darauf gelegt, diese Geschichten irgendwie inszenatorisch zu verbinden (wenn man von kurzen nichtssagenden Erscheinungen mal absieht), was dem Film bestimmt gut getan hätte. Aber dies scheint schon wieder ein zu filmisches Element für „Das Märchen der Märchen“ gewesen zu sein. So laufen die drei Märchen ohne wirkliche Berührungspunkte aneinander vorbei und das spiegelt die Beziehung des Zuschauers zu dem Film leider ganz gut wieder.
 
Das Bestreben des Films dem Märchen seine ursprüngliche Dramaturgie und Eigenarten zu lassen, halte ich für ein nobles Vorhaben. In Punkto Ausstattung und Kostüm klappt dies auch wunderbar, aber man kann dem Kino nicht einfach so das Märchen überstülpen ohne auch auf die Eigenarten des Films einzugehen. Wenn man das Märchen schon Märchen sein lassen will, dann bitte auch genauso, wie es gehört: erzählt von einem lieben Menschen, an dessen Lippen wir gespannt hängen.
 
 
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