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Alles steht Kopf: Kritik

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Autorin: Simone Michel
 
Was wäre, wenn Emotionen als kleine Gestalten in unseren Köpfen leben und einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit bestimmen würden? Mit dieser ungewöhnlichen Frage beschäftigt sich das preisgekrönte Team von Filmemachern des neuen Disney-Pixar-Animationsfilms „Alles steht Kopf“ auf sehr fantasievolle und rührende Weise.
 
Riley ist elf Jahre alt, spielt Eishockey aus Leidenschaft, schätzt Ehrlichkeit und albert gerne herum, vor allem mit ihrer besten Freundin und ihren Eltern. Also eigentlich ein ganz normales Mädchen. Allerdings ändert sich für Riley alles mit dem Umzug ihrer Familie von Minnesota nach San Francisco. Ihre Emotionen beginnen verrückt zu spielen und das nicht nur im übertragenen Sinne: Im Kontrollzentrum der Emotionen, das als Hauptquartier mitten in Rileys Kopf existiert, geht es drunter und drüber.
 
Deren Anführerin „Freude“ hat es schwer die anderen vier Emotionen in Griff zu halten und ihre eigene Mission, dass Riley immer glücklich bleibt, durchzusetzen. Doch auch wenn „Angst“, „Wut“ und „Ekel“ sich verhäuft einschalten, so behält „Freude“ immer gerade noch die Oberhand. Ein wirkliches Problem stellt jedoch „Kummer“ dar, die sich nicht sicher ist, was ihre Aufgabe eigentlich sein soll, wobei die anderen Emotionen ihr nur zustimmen können. „Freude“ versucht sie einfach nur tunlichst vom Kontrollpult fernzuhalten, damit sie Riley nicht traurig macht, was aber schließlich nicht gelingt.

 
„Kummers“ Unsicherheit entwickelt sich für die anderen Emotionen, und insbesondere für Riley, zum Verhängnis. So macht sie sich an den wichtigen Kernerinnerungen zu schaffen, die Rileys Persönlichkeit bestimmen. Als „Freude“ sie versucht davon abzuhalten, geraten die zwei Emotionen währen eines Gerangels in ein Röhrensystem, das sie direkt ins Langzeitgedächtnis saugt, welches weit vom Hauptquartier entfernt liegt. Zurück bleiben „Wut“, „Angst“ und „Ekel“, die nun übergangweise alleine über Rileys Gemütszustand bestimmen müssen, bis „Freude“ und „Kummer“ zu ihnen zurück gefunden haben. Das bedeutet natürlich Chaos pur, was auch Rileys Eltern nicht lange verborgen bleibt…
 
Die eigene Tochter als Inspiration, ein Star-Team für die Umsetzung
 
Die Geschichte verspricht genauso viel, wie es die Kreativen hinter der Kamera zu tun vermögen. Denn niemand anderes als der Oscar-Preisträger Pete Docter höchstpersönlich führt nach Kinohits wie „Toy Story“, „Die Monster AG“ und „Oben“ auch bei „Alles steht Kopf“ erneut Regie. Seine eigene Tochter, die in Rileys Alter ist, dient Docter als große Inspiration für den Film, der auf der Frage basiert, was im Kopf eines jungen Mädchens wohl vorgehen mag. Bei der Umsetzung dieser neuartigen Idee steht ihm der Storyboard- Künstler Ronaldo Del Carmen als Ko-Regisseur zur Seite. Zudem zählt auch der renommierte Musikspezialist Michael Giacchino abermals zum Team, der den großartigen Soundtrack beisteuert.
 
Im Original werden die Figuren in “Alles steht Kopf” (Orig. „Inside Out“) von vielen bekannten amerikanischen Schauspielern und Comedians gesprochen. Doch auch die deutsche Synchronisation kann sich hören lassen, trotz des weniger bekannten Teams hinter den Stimmen. Sie verleihen den Figuren zweifelsohne ihre wichtigen Charakterfacetten und erwecken sie somit zum Leben.
 
„Alles steht Kopf“ präsentiert den Zuschauern eine unfassbar fantasievolle, farbenfrohe Welt, in der jedes Detail genau durchdacht ist. Nicht umsonst haben die Filmemacher von Pixar mit Experten zusammengearbeitet, die sich mit der Funktion des menschlichen Verstandes beschäftigen. Auf diese Weise werden nicht nur fantastische Orte, wie das Kontrollzentrum, das Langzeitgedächtnis und die Traumfabrik akribisch visualisiert, sondern auch den Emotionen selbst wird auf ungewöhnliche, aber nachvollziehbare Weise, Leben eingehaucht.
 
Sowohl die kleinen Figuren in Rileys Kopf stellen facettenreiche und witzige Charaktere dar, als auch Riley selbst und ihre Eltern, die ihren Emotionen auf recht realistische Art sprachlich, mimisch und gestisch Ausdruck verleihen. Jeder im Kinopublikum wird den einen oder anderen bekannten Menschen oder sogar sich selbst in einer dieser Figuren wiedererkennen können.

Emotionaler Film für Groß und Klein
 
Den Emotionen per se wird in „Alles steht Kopf“ in doppelter Hinsicht ein hohes Maß an Aufmerksamkeit zu teil. So beschäftig sich der Film inhaltlich und visuell mit der Gefühls-Thematik, setzt sich aber vor allem auch auf der Wirkungsebene mit den Emotionen  der Zuschauer auseinander. Das wird wahrscheinlich für einige von ihnen an zahlreichen Stellen des Films deutlich spürbar sein, wobei insbesondere Freude und Kummer eine entscheidende Rolle spielen. So zum Beispiel, wenn Riley sich vor der versammelten Klasse als Neuling vorstellen muss oder „Freude“ entdeckt, wer „Kummer“ wirklich ist.  „Alles steht Kopf“ ist auch für die Zuschauer selbst eine emotionale Achterbahnfahrt, die hauptsächlich durch Lachen und Tränen geprägt sein wird. Nur schwer lassen sich empathische Gefühle gegenüber den Figuren des Films ausblenden.
 
„Alles steht Kopf“ ist ein wunderschöner Film, der auf allen Ebenen überzeugt. Er ist fantasievoll, spannend, humorvoll, traurig und vor allem eines: überraschend. Er beschäftigt sich mit dem Thema Gefühle und Persönlichkeit auf eine Art und Weise, die so noch nie zuvor in einem anderen Film zu sehen war. Es ist toll, nach zahlreichen Film-Fortsetzungen endlich eine wirklich neue Idee mit einer so kreativen und qualitativ hochwertigen Umsetzung auf den Kinoleinwänden zu sehen.
 
Der Film eignet sich für jede Altersstufe. Den Erwachsenen sei versichert, dass es sich bei „Alles steht Kopf“ nicht „bloß“ um einen Kinderfilm handelt, sondern dass er auch für sie absolut sehenswert ist. Ein Film für jeden eben, den ich gerne mit großer Begeisterung weiterempfehle.
 
 
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