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Ant-Man: Kritik

antman kritik
 
Autorin: Simone Michel
 
Nach „Iron Man“, „Thor“, „Captain America“ sowie einigen weiteren Charakteren des Marvel Comic-Universums, gesellt sich nun endlich auch „Ant-Man“ auf die Kinoleinwand zu seinen Superhelden-Kollegen. Die Marvel Studios sind somit die Ersten, welche dem kleinen Superhelden einen Film widmen.
 
Scott Lang (Paul Rudd) ist gerade erst aus dem Gefängnis freigelassen worden und will sein Leben von Grund auf ändern. Seine Ex-Frau Maggie (Judy Greer) misstraut dem ehemaligen Meisterdieb jedoch und versucht Scott von ihrer gemeinsamen Tochter Cassie (Abbie Ryder Fortson) fern zu halten. Sie stellt ihm das geteilte Sorgerecht nur unter der Bedingung in Aussicht, dass er den Unterhalt alsbald aufbringt. Als Ex-Gefängnisinsasse hat Scott es allerdings schwer einen neuen Job zu finden. So verwundert es nicht, dass er schnell wieder auf die schiefe Bahn gerät. Scott lässt sich von seinem Kumpel Luis (Michael Peña) dazu überreden in eine Villa einzusteigen, wo ein Safe mit unbekanntem Inhalt darauf wartet von ihm geknackt zu werden. Gesagt, getan. Was er jedoch nicht ahnt: Der Besitzer des Hauses weiß genau von Scotts Plan, lässt ihn aber bereitwillig mit der mysteriösen Beute aus dem Tresorraum verschwinden.
 
Es dauert nicht lange und Scott wird verhaftet. Zu seinem Glück kann ihm sein neuer „Anwalt“ helfen zu entkommen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei diesem um Dr. Hank Pym (Michael Douglas) handelt, einen wohlhabenden Wissenschaftler und ehemaligen Leiter eines großen Biotech-Unternehmens – der Mann bei dem Scott kurz zuvor noch eingebrochen hatte. Hank bittet Scott um Hilfe. Er soll mit der Unterstützung seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly) und einer Vielzahl kleiner Komplizen, die Welt vor einer ungeahnten Gefahr schützen. Dafür muss Scott erneut zum Meisterdieb werden. Im Gegenzug verspricht Hank ihm die Lösung seiner finanziellen Probleme und vor allem, dass Scott für seine kleine Tochter endlich zu einem Helden wird. Im wahrsten Sinne des Wortes…
 
 
Schon wieder ein Superheld. Das war mein erster Gedanke als ich den Trailer zu „Ant-Man“ gesehen habe, auch wenn ich ein großer Fan von Comic-Verfilmungen bin. Wie alle Filme der Marvel-Studios, ist der Trailer beeindruckend inszeniert, aber was kann „Ant-Man“ bieten, um das Interesse des Publikums neben den bereits existierenden zahlreichen Superheldenfilmen zu wecken? Eine Besonderheit ist natürlich zunächst die Größe des Protagonisten. Allerdings hat diese, zumindest in der Vorschau, zuallererst eine recht lächerliche Wirkung. Ein Held in Ameisengröße, dessen Schlagkraft weitaus intensiver ist als die eines normalen Menschen? Das mag im Comic-Heft noch funktionieren, aber auf der Leinwand?
 
Zugegeben, es sieht anfangs womöglich etwas seltsam aus, wenn Männer von unsichtbarer Hand oder einer Miniatur-Gestalt zusammengeschlagen werden. Doch was im Trailer noch für Belustigung sorgt, wird beim Schauen des Films schnell zur Normalität. Der Mikrokosmos von Ant-Man wirkt geradezu faszinierend und schnell akzeptiert man als Zuschauer, dass er nun einmal die Kraft hat ausgewachsene Männer zur Strecke zu bringen.
 
Der deutliche Perspektivwechsel ist gerade das, was den Film zu etwas Besonderem macht, so wie es zuletzt insbesondere Kultfilme wie „Die Reise ins Ich“ von 1987 und „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ von 1989 zu tun vermochten. Während sich die Miniaturisierung bei Letzteren eher als Unfall eines wissenschaftlichen Experiments äußert, so geht Ant-Man ganz gezielt mit seiner Fähigkeit der Größenveränderung um, wobei die Zuschauer ihm folgen können, was in 3D umso beeindruckender wirkt.
 
Hierbei sind Ant-Man sowohl der coole Anzug, als auch das von Hank entdeckte Pym-Partikel von Nutzen. Hinzu kommt das Vermögen mit Ameisen zu kommunizieren und sie zu kontrollieren. Diese sind auf der Leinwand recht realistisch dargestellt, so dass einem die kleinen Insekten fast leid tun können, so bereitwillig wie sie sich für ihren Meister aufopfern.
 
„Ant-Man“ kennzeichnet sich zudem dadurch, dass er nicht als klassischer Action-Film verstanden werden kann, sondern zusätzlich mit Elementen der Komödie und denen eines Heist-Movies, in dem ein spektakulärer Raub im Zentrum steht, ausgestattet ist. Die humoristischen Aspekte werden dabei vor allem durch den Hauptcharakter sowie seine kriminellen Helfer vermittelt.
 
Paul Rudd, der neben ernsten Rollen hauptsächlich aus Komödien bekannt ist, verkörpert den Dieb Scott Lang und dessen Alter-Ego Ant-Man. Dabei offenbart der Schauspieler eine charmante und natürliche Art von Humor. Seine drei Komplizen Luis, Dave (gespielt von US-Rapper T.I.) und Kurt (David Dastmalchian), sorgen daneben für die übrigen Lacher. Insbesondere Michael Peñas Figur Luis fällt positiv auf. Mit seinem sympathischen mexikanischen Akzent und seinen ausschweifenden Erzählungen, die auf amüsante Weise audiovisuell dargestellt werden, hat sein Charakter durchaus Potenzial zum heimlichen Publikumsliebling.
 
Eine Figur, die mir in „Ant-Man“ außerdem ausgesprochen gut gefällt, ist der Schurke des Films. Jeder Superhelden-Film steht und fällt mit seinem Antagonisten, den ich hier als sehr gut ausgewählt erachte: Darren Cross wird von Corey Stoll gespielt. Darren ist seit Hanks Ruhestand der Chef der Biotech-Firma und die zwei waren sich einst so nah wie Sohn und Vater. Er hatte jedoch eine ganz andere Vorstellung vom Einsatz der dort entwickelten Technologie, was die beiden schließlich entzweit hat. Darrens krankhafte Besessenheit und seine Enttäuschung über die Abwendung seines Mentors, verdeutlicht Stoll sehr überzeugend. Man nimmt ihm absolut ab, dass er zwischen Mensch und Monster gefangen ist.
 
Das wohl bekannteste Gesicht des Films bildet jedoch Schauspiel-Ikone Michael Douglas, der als Dr. Hank Pym eine zentrale Rolle spielt, aber dessen Charakter sonst oftmals eher unauffällig erscheint. Dasselbe gilt für dessen Tochter Hope, welche von Evangeline Lilly verkörpert wird, die spätestens seit der TV-Sensation „Lost“ und den letzten beiden „Hobbit“-Filmen bekannt sein dürfte. Dem anfänglichen Konflikt zwischen ihrem Charakter und Hank wird leider etwas zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, um das volle Potenzial aus den Figuren schöpfen zu können.
 
Bedenken, dass es sich bei „Ant-Man“ lediglich um einen weiteren Superhelden-Film aus der Hollywood-Maschinerie ohne besonderen Flair handele, können durchaus als unbegründet betrachtet werden. Dies zeigt bereits das ungewöhnliche Team hinter der Kamera, das aus den britischen Autoren Edgar Wright (Cornetto-Trilogie) und Joe Cornish („Attack the Block“) sowie dem amerikanischen Regisseur Peyton Reed („Der Ja-Sager“, „Girls United“) besteht, die jeweils hauptsächlich bekannt für Komödien der besonderen Sorte sind.
 
Der Film wird es vermutlich nur aufgrund der Relation zu seinen zahlreichen Superhelden-Vorgängern schwer haben. „Ant-Man“ bietet jedoch in sich eine gute Mischung aus Humor und Action, eine spannende Geschichte, einen interessanten Cast sowie tolle visuelle Effekte. Für Fans von Superhelden-Filmen ist „Ant-Man“ auf jeden Fall einen Besuch im Kino wert, der sich insbesondere in 3D lohnt.
 
 
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