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Abschussfahrt: Kritik

afahrt kritik
 
Autor: Mattis Toker
 
Die deutsche Kultproduktionsfirma RAT PACK serviert uns eine Städtereise der ganz besonderen Art nach Prag. Im Zentrum stehen dabei drei Freunde, die fest entschlossen sind ihre Abschlussfahrt zu einer Abschussfahrt zu verwandeln. Doch manchmal sollte man aufpassen, was man sich wünscht… Die drei Freunde Paul, Bernie und Max schließen den Pakt, dass sie auf Ihrer Schulabschlussfahrt nach Prag so abgehen, wie noch nie zuvor.
 
Dieser Plan wäre ja schon schwierig genug für die drei Loser, doch da bindet Pauls heimlicher Schwarm Julie den drei Chaoten ihren noch eigenartigeren Bruder Magnus ans Bein. Kurzerhand wird dieser mitgenommen und durch diverse Etablissements der tschechischen Hauptstadt geschliffen. Wo sie auch hingehen, hinterlassen sie Chaos und Tohuwabohu –oder es wird an ihnen hinterlassen. Gleichwohl rutschen sie immer tiefer in die Prager Nachtwelt und geraten dabei in einen Strudel aus Drogen, Sex, Verstümmelung und Tod. Dass sie da nicht als die gleichen Freunde herauskommen versteht sich…
 
 
Das Konzept ist nicht neu und wohlbewährt. Man nimmt eine Handvoll verschiedener und charismatischer Hauptfiguren und lässt sie in die Unterwelt einer fremden Stadt eintauchen, um für uns alle diesen Trip ins doch so reizvolle Unbekannte zu machen, während wir gefahrlos zuschauen können. Genau diesen Effekt macht die Anziehungskraft an diesem Filmgenre aus, dass ich daher gerne „Nachtwelt-Voyeurismus“ nennen möchte.
 
Das Publikum möchte allerlei obskure Dinge, Menschen und Handlungen sehen und dabei sollte es bitteschön möglichst keine Grenzen geben. Somit sind die Handlungen und Geschehnisse natürlich nicht in Dimensionen wie „Realismus“ oder „Glaubhaftigkeit“ zu bewerten und so bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob er die Ereignisse, die ihm dargeboten werden, als amüsant und/oder spannend erachtet. Bei dieser Bewertung gibt es sicherlich auch immense Unterschiede zwischen den Zielgruppen. Es ist davon auszugehen, dass der Film gerade bei den Teenies für viele Lacher und Begeisterung sorgen wird: Die üblichen Zutaten wie Strip-Clubs, Kotzereien, Schlägereien, Drogen und Slapstick-Elemente sind alle ordnungsgemäß vorhanden.
 
Doch das Problem könnte sein, dass man es als deutscher Kinozuschauer gewohnt ist, bei einem deutschen Film auch realistische Dinge zu betrachten; Man geht mit Bleibtreu, Ferch und Berben kritischer um, als mit Pitt, Willis und Roberts, weswegen es spannend bleibt, ob die Generation YouTube auf den Film anspringt.
 
Aus diesen Gründen ist es auch nahezu unmöglich kritisch auf den Inhalt des Films einzugehen, da hier absolut genregemäß und wirksam gearbeitet wurde! Der kritische Blick fällt aber auf die Akteure dieses Schauspiels, die es tragen und anbieten. Und da kommen wir zu den deutlichsten Stärken und Schwächen des Films: Die oben gestellte Frage nach der Glaubhaftigkeit entzündet sich pro Charakter und vor allem mit seinem Darsteller. Tilman Pörzgen gibt eine sehr harmlose Vorstellung der eigentlichen Hauptfigur Paul.
 
Es fehlt an Ecken und Kanten, wodurch er unauthentisch und seine Sätze auswendig gelernt wirken. Das führt leider dazu, dass man sehr bemüht ist, ihm Emotionen, wie Liebe, Verzweiflung oder Freundschaft zu glauben. Den gleichen Effekt findet man bei seinem „Love Interest“ Lisa Volz. Das eigentliche Model gibt hier ihr Schauspieldebut und man merkt deutlich, dass es für sie noch ungewohnt ist, Sätze aufzusagen, so dass sie natürlich klingen.
 
Dadurch werden ihre Dialoge oftmals steif und irreal, was vor allem bei auffallend nachsynchronisierten Szenen (Wenzelsplatz) auffällt. Doch dadurch wird umso mehr der imaginäre rote Teppich für die weiteren Charaktere ausgerollt: Der Stand-Up Comedian Chris Tall gibt hier ebenfalls sein Schauspieldebut. Das ist zwar an manchen Stellen deutlich zu merken, doch macht er dies mit einer charismatischen Leinwandpräsenz wett: Ihm glaubt man, ihn hat man gern und ihm verzeiht man auch leicht Fehler!
 
Eine absolute Spitzenleistung zeigt Max von der Groeben. Die Art wie er gewisse Blicke einsetzt und mit welcher Intonation er bestimmte Sachen sagt, entwickelt einen unglaublichen Humor, der mitreißt und der einfach nur Spaß macht! Das muss man wirklich gesehen haben.
 
An ihn kommt nur noch Alexander Schubert als überkorrekten Lehrer heran, der auch eine sensationelle Leistung abliefert, von der man gerne noch mehr gesehen hätte.   Die restlichen Akteure sind sehr überzeugend, gut gewählt und führen einen effektiv in die Nachtwelt Prags ein. Über die einzelnen Handlungspassagen von „Abschussfahrt“ kann man kritisch nichts sagen: Sie entsprechen voll und ganz dem Genre und es gibt immer wieder Lacher - wenn auch nahezu abwechselnd von verschiedenen Zuschauern unterschiedlichen Alters.
 
Bei den handelnden Akteuren muss man ebenso viele Augen schließen, wie Jubelschreie ausstoßen und so tut sich der Film ein wenig schwer, die Zuschauer kohärent in die Prager Nachtwelt zu entführen. Das ist zwar schade, jedoch kann man dennoch einige spaßige Momente feiern.
 
 
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