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American Sniper: Kritik

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Autorin: Simone Michel
 
Unter der Regie des Altmeisters Clint Eastwood, präsentiert Warner Bros. mit „American Sniper“ ein emotional geladenes Biopic über einen faszinierenden Mann, den Navy SEAL Scharfschützen Chris Kyle, der als Legende und zugleich tragische Figur in die Geschichtsbücher eingeht.
 
Chris Kyle (Bradley Cooper) und sein Bruder Jeff (Keir O’Donnell) werden schon als Kinder von ihrem Vater darauf getrimmt, dass körperliche Verteidigung einen Mann definiert. Chris beweist damals bereits, dass er einen ausgezeichneten Schützen abgibt. Als Erwachsener fühlt er sich sodann zu Größerem bestimmt als das Leben eines Cowboys in Texas zu führen. Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center, schreibt er sich beim US-Militär ein und wird nach seiner Ausbildungszeit als Scharfschütze in den Irak geschickt.
 
Dort beweist Chris sein unglaubliches Geschick als Sniper und rettet zahlreichen Soldaten das Leben. Nur wenige Sekunden bleiben ihm vor jedem todbringendem Schuss, um zu entscheiden, ob es sich beim anvisierten Ziel tatsächlich um eine Bedrohung handelt. Als „Legende“ unter den Navy SEALs gefeiert, werden auch die irakischen Aufständischen aufmerksamen auf den talentierten Schützen und setzen ein hohes Kopfgeld auf ihn aus.
 
Nicht nur das setzt den jungen Soldaten unter steigenden Druck, sondern sein gesamtes Leben wird für Chris zunehmend zu einer Herausforderung. Mit jeder Heimkehr aus dem Auslandseinsatz fällt es Chris schwerer in den Alltag zurückzufinden und die Distanz zwischen seiner Frau (Sienna Miller) und den Kindern auch innerlich zu überwinden. Der Krieg verfolgt ihn auf jedem Schritt.
 
 
Der Name Clint Eastwood auf dem zugehörigen Regiestuhl, sagt bereits einiges über die zu erwartende Qualität von „American Sniper“ aus. Basierend auf dem Drehbuch von Jason Hall und der von Chris Kyle und Scott McEwan verfassten Autobiographie, wandelt Eastwood den Bestseller in ein ausgesprochen emotionales Filmerlebnis. Dabei spricht „American Sniper“ inhaltlich nicht ausschließlich das US-amerikanische Publikum an, sondern hat auch hierzulande hohe Erfolgschancen.
 
Denn es geht weniger um die Darstellung von oftmals überzogenem Patriotismus, als um die seelischen Qualen, welche die an der Front stationierten sowie heimkehrenden Soldaten und ihre Familien ausstehen müssen. Ob der Irak-Krieg per se gerechtfertigt war, ist hiervon ausgeklammert. Der Film widmet sich nicht den politischen Umständen, sondern beschäftigt sich speziell mit dem Leben der US-Soldaten im Einsatz, wobei Chris Kyles tragische Geschichte im Zentrum steht.
 
Trotz der durch einige Schusswechsel bestimmten Szenen, kann „American Sniper“ nicht allein als Kriegsfilm oder gar als Actionfilm verstanden werden. Die Handlung verweist in Richtung Drama, welches als eine Art Spezialgebiet von Eastwood bezeichnet werden kann, der dabei zudem auf die Charakterstudien deutlichen Wert legt. Die biographischen Einflüsse geben „American Sniper“ eine realistisch wirkende emotionale Nähe, die der Zuschauer deutlich spüren kann.
 
Die zentrale Figur des Chris Kyle wird von Bradley Cooper sehr authentisch dargestellt. Nicht nur, dass Cooper eine gewisse optische Ähnlichkeit zu dem Soldaten aufweist, sondern er schafft es vor allem das emotionale Innenleben des Mannes auf überzeugende Weise nach außen hin sichtbar zu machen. Bradley Cooper gelingt es durch seine schauspielerische Leistung in „American Sniper“ auch nach Verlassen des Kinosaals als Chris Kyle noch lange in den Köpfen der Zuschauer zu bleiben.
 
Neben Bradley Cooper ist es Sienna Miller, die im Film durch ihre Darstellung von Chris Kyles Frau Taya auffällt. Auch Miller schafft es die Gefühle der Ehefrau und Mutter des gezeichneten Soldaten überzeugend auf die Leinwand zu bringen. Die stimmende Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist dabei unübersehbar. Sie bilden ein authentisches Paar, deren Beziehung sich durch eine intensive Liebe, doch nur schwer überwindbare Probleme kennzeichnet. Die Mischung aus Nähe und Distanz der beiden Charaktere ist deutlich merkbar.
 
Mit sechs Oscar-Nominierungen ist „American Sniper“ 2015 einer der Top-Favoriten der Academy Award-Verleihung. Unter anderem in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“, zeigt Clint Eastwood einmal mehr, dass er ein Gespür für die Produktion potenziell mitreißender Filme hat.
 
„American Sniper“ ist einen Kinobesuch definitiv wert. Der Film bietet eine emotional geladene Geschichte, die durch großartige Darsteller, einen spannenden Handlungsbogen sowie eine ausgereifte Inszenierung punkten kann.
 
Bei der 87. Oscar-Verleihung wurde Clint Eastwood´s Film schließlich mit einem Oscar für den besten Tonschnitt ausgezeichnet.
 
 
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