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Mara und der Feuerbringer: Kritik

mara kritik
 
Autorin: Simone Michel
 
Basierend auf dem eigens verfassten ersten Teil seiner Fantasy-Romantrilogie, bringt Tommy Krappweis mit „Mara und der Feuerbringer“ nun erstmals einen Film in die Kinos.
 
Mara Lorbeer (Lilian Prent) ist auf den ersten Blick ein ganz normales Mädchen mit mehr oder minder gewöhnlichen Teenager-Problemen. In der Schule wird sie von einer fiesen Mitschülerin (Leonie Tepe) gemobbt und Zuhause von ihrer esoterisch geprägten Mutter (Esther Schweins) zu seltsamen Baumsprechstunden und Erdmutterseminaren geschleppt.
 
Doch dies sind ihre geringsten Probleme. In erster Linie machen Mara ihre unkontrollierbaren Tagträume von Wikinger-ähnlichen Gestalten zu schaffen. Den Wunsch „normal“ zu sein, muss das junge Mädchen spätestens aufgeben, als ihr dann auch noch ein sprechender Zweig (Oliver Kalkofe) von ihrer Bestimmung als sogenannte Spàkona berichtet: Mara soll eine nord-germanische Seherin sein, welche Ragnarök, die weltbedrohende Götterdämmerung, verhindern soll. Zur Seite steht Mara dabei der Universitätsprofessor Dr. Reinhold Weissinger (Jan Josef Liefers), der sie mit seinem Fachwissen über germanische Mythologie unterstützt.
 
 
Außergewöhnlich ist vor allem der Cast von „Mara und der Feuerbringer“. Der Film vereint viele deutsche Schauspiel-Talente, von denen einige Namen vielen ein Begriff sein dürfte. Über die Leistung von Jan Josef Liefers, als bärtiger Professor mit viel Charme und Witz, lassen sich kaum Worte verlieren. Der erfahrene Schauspieler meistert seine Rolle mit Bravour. Auch über Esther Schweins, als überspitzte Hippie-Mutter Christa Lorbeer, wird sich das Publikum amüsieren.
 
Gespannt war ich jedoch insbesondere auf Christoph Maria Herbst’ Verkörperung des Halbgottes Loki. Der sonst eher aus komödiantischen Rollen bekannte Schauspieler, verleiht seiner Figur eine interessante, ambivalente Mischung aus Narzissmuss und liebendem Ehemann, ausgehender Gefahr und vertrauenswürdigem Freund. Schade nur, dass sein Charakter fast die gesamte Handlung lang an einen Stein gefesselt da liegen muss. Eine Herausforderung für Christoph Maria Herbst, der hier vor allem durch Stimme und Mimik glänzt.
 
Lokis gute Seite wird durch dessen Ehefrau Sygin gestärkt, die von der hübschen Eva Habermann gespielt wird. In der Rolle der mysteriösen Sygin kann sie durchaus überzeugen, auch wenn ihr Charakter neben den weiteren Figuren etwas in den Hintergrund tritt.
 
Zuletzt muss natürlich die ausgesprochen gute Leistung der Protagonistin hervorgehoben werden. Nicht nur der Regisseur ist begeistert von Lilian Prents Talent. Ich finde sie als Mara Lorbeer sehr authentisch. Sie geht kein bisschen neben den namenhaften Schauspielern in „Mara und der Feuerbringer“ unter und bietet vor allem dem jüngeren Publikum eine positive Identifikationsfigur.
 
Doch nun zur Handlung von „Mara und der Feuerbringer“, der nicht unbedingt als „klassischer“ Fantasy-Film zu betrachten ist. Dies verdeutlicht zunächst die Hauptfigur, welche alles andere als der gängige Held der Geschichte gelten kann. Mara könnte prinzipiell jeder Jugendliche sein, der zunächst vor allem mit Alltagsproblemen zu kämpfen hat. Besonders erscheint die Kombination dieser Heldin mit den nord-germanischen Mythen.
 
Im Hinblick auf das Drehbuch ist deutlich merkbar, dass sich Tommy Krappweis detailliert an akademischen Quellen germanischer Mythologie orientiert. Einerseits wird den im Film eingebauten Geschichten über Halbgötter und sonstige mythologische Gestalten, somit ein hoher Grad an wissenschaftlicher Korrektheit eingeräumt. Andererseits ist der Handlung teilweise etwas verworren, da verschiedene nord-germanische Sagen, inklusive inhaltlicher Elemente aus Richard Wagners Oper-Interpretation, miteinander verknüpft werden. Da kann man als Zuschauer zwischenzeitlich schon mal kurz den Faden verlieren. Mir ist so zum Beispiel bis zuletzt die Herkunft des titelgebenden Feuerbringers nicht gänzlich klar geworden.
 
Auch wenn gegen Ende des Films ein paar Fragen offen bleiben sollten, so ist die Handlung von „Mara und der Feuerbringer“ jedoch spannend erzählt und bietet insbesondere für die jüngeren Zuschauer ein gutes Maß an Unterhaltung und Humor. Die ganz Kleinen sollten sich den Film allerdings nicht unbedingt anschauen, da vor allem der Feuerbringer und die Folterung Lokis wahrscheinlich etwas zu furchterregend wirken könnten. Die fantastische Welt der germanischen Sagen-Figuren, in welche Mara reist, wird großteils recht düster dargestellt.
 
Nicht nur die Drehschauplätze sind visuell eindrucksvoll, sondern die Animationen ragen deutlich hervor. Die Effekte im Film sind überaus gut gelungen. Das Publikum sieht, dass hier wahre Meister auf diesem Gebiet am Werk waren. Kein anderer als Special Effects-Legende John P. Nugent, der auch hinter der bahnbrechenden  „Herr der Ringe“ Trilogie steht und den tödlichen Feuerteufel „Balrog“ erschuf, ist auch in „Mara und der Feuerbringer“ Erschaffer des flammenden Bösewichts des Films. Bis auf den sagenumwobenen Lindwurm, der mich vielmehr an eine komische Mischung aus einem riesigen Lurch und dem Monster aus „Der Schrecken des Amazonas“ erinnert, sind die Animationen großartig.
 
„Mara und der Feuerbringer“ beleuchtet die nord-germanische Mythologie aus einer recht ungewohnten Perspektive und vereint selbige mit dem Alltagsleben einer scheinbar ganz normalen Teenagerin in München. Den jüngeren Zuschauern bietet der Film viel Spannung, Humor und eine sympathische Protagonistin. Deren erwachsene Begleiter werden an der Handlung des Films womöglich nicht durchgehend Geschmack finden, aber es bleibt ihnen ein netter Film mit einem guten Cast sowie großartigen Effekten.
 
 
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