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A Most Violent Year: Kritik

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Autor: Jonas Sticherling
 
„A Most Violent Year“ entführt uns in die frühen 80er Jahre im verschneiten New York, wo ein brutaler Kampf um die Vorherrschaft um den Heizölsektor herrscht und Gewalt und Korruption die Geschäftsbeziehungen nicht nur beeinflussen sondern lenken.
 
Der aufstrebende Geschäftsmann Abel Morales(Oscar Isaac) behauptet sich seit Jahren in dem hart umkämpften Markt um die Heizölversorgung von New York City und steht kurz vor einem Kauf einer Industrieanlage, die seine Ausgangsposition und damit seinen Kampf um New York entscheiden könnte.
 
Doch genau in dieser kritischen und kostspieligen Investitionsphase eskaliert die Gewalt in New York endgültig. Das Jahr 1981, dass mit seiner Kriminalitätsrate als gefährlichstes in der Geschichte der Metropole gilt, geht auch nicht an ihm vorbei, da zunehmend seine Heizöllieferungen überfallen werden und sein Öl samt Trucks gestohlen wird. Abel gerät unter Druck von seinen Investoren, Konkurrenten und seiner Frau Anna (Jessica Chastain) und findet bald seine moralischen Grundsätze, stets ehrlich Geschäfte zu führen, gefährdet. Das Ehepaar sieht sich schon bald gefangen in einer Spirale aus Gewalt, Intrigen und Korruption.
 
 
Regisseur J.C.Chandor, der mit „Der große Crash- Margin Call“, für den er 2012 eine Oscar-Nominierung erhielt, und „All is Lost“ bekannt wurde, ist bekannt für gesellschaftskritische Stoffe mit interessanten Charakteren und gilt als einer der neuen aufstrebenden Filmemacher in Hollywood.
 
Auch in „A Most Violent Year“ inszeniert Chandor eine dunkle, dramatische Geschichte, die von ihren Charakteren lebt. Er schafft es einen Film mit tollen Bildern zu erschaffen, die durch einen hervorragenden Soundtrack getragen werden und durch ein gutes Schauspiel getragen werden. Dennoch kann der Film nicht richtig überzeugen und fesselt einen nur kurz. Sicherlich, der Film hat mit einem aufstrebenden Regisseur, einem tollen Cast und einen Golden Globe prämierten Komponisten tolle Startbedingungen, aber vermag es nicht, diese richtig einzusetzen.
 
Dies mag vor allem an der Handlung liegen. Chandor, der auch das Drehbuch verfasste, setzt den Film in die spannende Epoche der frühen 80er, nutzt diese aber nicht für seinen Film. Es wirkt eher wie eine Rechtfertigung für Autos, die mittlerweile zu Klassikern geworden sind und aus dem Alltag verschwundene elegante Anzüge und Büroausstattung. Auch drängt der Titel die Annahme auf, dass die Handlung mehr Bezug auf die erschreckend hohe Kriminalitätsrate des Jahres 1981 nimmt, doch bis auf einzelne Radiobeiträge, die bei den Autofahrszenen laufen, wird dieses Potenzial nicht genutzt.
 
Doch das Hauptproblem ist nicht der fehlleitende Titel oder der (wie leider so oft) irreführende Trailer, die beide einen spannenden Gangsterfilm a la „Der Pate“ erwarten lassen, sondern die langweiligen Charaktere und die wenig fesselnde Geschichte.
 
Chandor ist bekannt für komplexe, tiefgründige Charaktere, doch diese fehlen oder werden nicht genügend eingeführt. Der Zuschauer verliert ab ungefähr der Hälfte des Films das Interesse am Handeln des Hauptcharakters Abel. Warum ist er so penibel darauf bedacht ehrlich und moralisch einwandfrei zu handeln? Warum riskiert er die Zukunft seiner Familie und Firma, nur um kein Geld aus kriminellen Geschäften zu nehmen?
 
Auch wirken die Hindernisse, die es zu überwinden gilt, eher marginal, da zum Beispiel der Staatsanwalt (überzeugend gespielt von David Oyelowo) nicht als Bedrohung und Gegenspieler sondern schon von früh an als Freund und Verbündeter im Sumpf der Korruption und Gewalt.
 
Und ebenfalls wird mehrmals auf die kriminellen Verbindungen von Abels Frau Anna verwiesen, diese aber nie tiefer ergründet, was dem Film möglicherweise das nötige Momentum gegeben hätte.
 
Die Handlung ist für ein Drama zu wenig fesselnd, die Herausforderungen zu leicht und das Ende konsequenterweise deshalb ein leicht bitteres Happy-End. Dennoch hat der Film seine starken Momente: Das Schauspiel ist bei allen Rollen, trotz der etwas einseitigen Charaktere, toll anzuschauen und besonders Jessica Chastain vermag es als Gangster-Tochter die böse, treibende Kraft in der Ehe mit Abel zu sein.
 
Die Kamera schafft interessante Bilder, die im Zusammenspiel mit dem sehr guten Soundtrack, den Film tragen und einen teilweise wundern lassen wo man besagtes Bild schon mal gesehen hat. So wirken einige die Szenen, in denen Abel mit fast mafiösem Verhalten Konkurrenten bedroht oder zurechtweist wie Szenen aus „Der Pate“ oder „Goodfellas“.
 
Auch fühlt man sich teilweise an Christopher Nolans „Interstellar“ erinnert, wenn Jessica Chastain zum einer dramatischen Orgelsoundtrack weint, während die Kamera in langsamen Fahrten das Tempo der Szene bestimmt.
 
„A Most Violent Year“ wurde am 19. März 2015 durch die Verleiher „Square One Entertainment“, die zuletzt mit „The Imitation Game“ einen hochkarätigen Drama-Thriller präsentierten, und „Universum Film“, die sich als Allrounder etabliert haben, in die deutschen Kinos gebracht.
 
Der Film ist kein schlechter Film und durchaus ansehnlich, sofern man die Erwartungen von Gangster-Drama zu einem Drama mit spannenden Momenten mittlerem Niveaus herunterschraubt. Besonders für Fans von anspruchsvollerem Kino ist dieser zu empfehlen, da er für ein Mainstream-Publikum vermutlich zu speziell sein dürfte.
 
Alle Zuschauer, die J.C.Chandors frühere Werke wie „All is lost“ interessant fanden und Filme mit einem leichten kriminellen Touch aus einer historischen Epoche faszinierend finden, werden hier gut unterhalten, aber eben leider auch nicht mehr.
 
 
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