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*** Die Sch´tis in Paris ***


 
dsip kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Dany Boon ist zurzeit einer der populärsten französischen Filmkomiker. In seinem neuen Film agiert er aber neben einem der bekanntesten französischen Filmkomiker aller Zeiten.
 
„Der Luxus des leeren Raumes“
 
Vincent und Constance sind die Stars der Pariser Designwelt. Die beiden verkehren nur in den feinsten Kreisen. Und ihren ebenso hässlichen wie unpraktischen Möbeln wird eine Ausstellung im Museum für moderne Kunst gewidmet. Während eines Interviews für eine Zeitschrift erzählt Vincent von seiner Kindheit in einem Waisenhaus. Das ist aber eine selbstfabrizierte Legende. Tatsächlich ist Vincent in einfachen Verhältnissen im Norden der französischen Provinz aufgewachsen. Er ist also ein Sch’ti.
 
Zuhause spricht die ganze Familie nur den gleichnamigen Dialekt. Der Vater arbeitet mit über 80 Jahren noch auf dem eigenen Schrottplatz. Weil sein Sohn sich von der Familie abgewandt hat, ist der für ihn gestorben. Vincents Bruder Guy hat finanzielle Probleme. Also erklärt er seiner Mutter, Vincent würde sie und die Familie in Paris zu einer Feier zum achtzigsten Geburtstag erwarten.
 
 
Guy hofft, den erfolgreichen Bruder überraschen und um ein Darlehen bitten zu können. Doch Vincent will seine provinzielle Familie nur vor der Öffentlichkeit verbergen. Nach einem Unfall verliert der Designer sein Gedächtnis. Seine Frau Constance muss nun feststellen, dass ihr Mann sich an nichts erinnern kann, das während der letzten 25 Jahre geschehen ist. Er hat seine Karriere vergessen, ihre Ehe und auch sie. Aber am schlimmsten ist; Vincent spricht nur noch Sch’ti!
 
Vor zehn Jahren hat Dany Boon uns schon einmal die Welt der Sch’ti gezeigt. In „Willkommen bei den Sch’tis“ war er ein einfacher Briefträger, der seinem Vorgesetzten die Vorurteile austreiben durfte, indem er ihm die Freundlichkeit und Herzlichkeit der einfachen Leute im französischen Norden gezeigt hat. Nun stellt er die Welt der Sch’ti der feinen Pariser Gesellschaft gegenüber. Natürlich funktioniert das nicht ganz ohne Klischees. Der Bruder aus dem armen Norden ist zwar verschuldet und trinkt zu viel. Echte soziale Probleme bekommen wir aber nicht zu sehen. Die Möbel der beiden Stardesigner sind nicht nur unbequem, sondern gesundheitsgefährdend.
 
Trotzdem sitzt und liegt offensichtlich ganz Paris auf ihnen. Aber gerade wenn man meint, eine formelhafte Komödie nach altbekanntem Muster zu sehen, bekommt der Film doch noch die Kurve. Das liegt vor allem an der Rolle von Laurence Arné als Vincents Frau Constance. In anderen Filmen dieser Art, wäre sie eine hochnäsige Society-Zicke, die rechtzeitig zum Ende des Films plötzlich doch noch einsieht, wie unrecht sie mit allem hatte. Aber im Drehbuch von Sarah Kaminsky und Dany Boon ist Constance eine intelligente, starke Frau, mit echten Gefühlen. Als ihr Mann sich nach seinem Unfall unmöglich verhält, wendet sie sich nicht überfordert ab, sondern unternimmt alles was nötig ist, um ihm zu helfen.
 
01 ©2018 Concorde Film02 ©2018 Concorde Film03 ©2018 Concorde Film04 ©2018 Concorde Film
 
Sie lässt die Familie des Mannes bei sich übernachten und zeigt in einer netten kleinen Szene mit ihrer Schwiegermutter eine bewundernswerte Ehrlichkeit. Nachdem der Gatte nur noch Sch’ti spricht, nimmt sie sogar Unterricht, um den Dialekt verstehen zu lernen. Die Rolle der Ehefrau wirkt dabei nie wie ein bloßes Mittel, um die Handlung vorabzutreiben. Auch Francois Berléand als Schwiegervater handelt aus verständlichen Gründen und nicht bloß, weil der Film nun mal einen Bösewicht braucht. Und Vincents Mutter lässt sich, anders als man es in solchen Komödien sonst sieht, nicht lange von der Charade ihrer Söhne täuschen.
 
Eine Familie auf Abwegen
 
Dany Boon spielt den Designer Vincent nach eigenem Drehbuch und unter eigener Regie. Und das tut dem Film gut. Boon spielt nie hektisch, wie es andere französische Filmkomiker so gerne tun. Tatsächlich lässt er sich sowohl in komischen als auch in dramatischen Szenen Zeit. So wird seine Rolle im ersten Teil des Films nie zur bloßen Karikatur und nach dem Unfall nicht einfach nur zum Provinztölpel.
 
Laurence Arné kennt man bei uns vielleicht aus der Komödie „Nichts zu verschenken“ ebenfalls mit Danny Boon. Sie überzeugt sowohl als kühle, tüchtige Geschäftsfrau als auch als Ehefrau, die einfach nur ihren Mann zurückhaben möchte. Wenn ihr Mann sich Wochen nach dem Unfall zwar an seinen Studienabschluss, aber nicht an das erste Treffen mit ihr erinnert, sehen wir wie Constance zwar einerseits verletzt ist, andererseits aber Hoffnung hegt.
 
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Line Renaud hatte bereits in „Willkommen bei den Sch’tis“ die Mutter von Dany Boon gespielt. Hier spielt sie eine patente Dame vom alten Schlag. Zwar versteht sie ihre Familie als Lebensaufgabe, anderseits lässt sie sich weder von den Söhnen noch von ihrem Mann auf der Nase herumtanzen.
 
Die Sensation des Films ist aber Pierre Richard. Der ehemalige „Große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ ist eine Legende der französischen Komödie. Für den Zuseher ist es schade, wenn er als einsamer Vater nur wenige Szenen hat. Das war aber sicher nötig, um aus dem Film keine Pierre-Richard-Show werden zu lassen. Der Altmeister zeigt mit über achtzig Jahren enorme Energie und Leinwandpräsenz. Dabei ist er nicht nur witzig. In einer ergreifenden Szene lässt er uns den ganzen Schmerz eines enttäuschten Vaters fühlen.
 
Fazit
 
„Die Sch’tis in Paris“ ist eine nette Komödie mit einigen angenehmen Überraschungen. Vor allem die hervorragende Besetzung und die realistischen Darstellungen heben den Film von anderen romantischen Komödien aus Frankreich ab.
 
 
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