ht3 fallback ab

 
nflix news

youtube1mobile1

*** Das Zeiträtsel ***


 
dzr kritik
 
Autor: Walter Hummer
         
Braucht man wirklich noch eine Fantasy-Verfilmung für junges Publikum? Hm … es kommt wohl darauf an, ob der Film sich von vergleichbaren Filmen irgendwie abheben kann.
 
Trust nothing
 
Die dreizehnjährige Meg hat es nicht leicht. Vor vier Jahren ist ihr Vater, ein bekannter Wissenschaftler, spurlos verschwunden. In der Schule wird sie gemobbt. Und als sie sich dagegen zu Wehr setzt, zeigen weder die Lehrer noch ihre Mutter Verständnis. Das Interesse ihres Mitschülers Calvin an ihr passt ihr auch überhaupt nicht in den Plan. Und dann ist da auch noch ihr hochbegabter kleiner Bruder, Charles Wallace, der mit Fremden spricht und sie sogar ins Haus lässt. Aber plötzlich sind da drei Damen aus einer anderen Welt. Und die wollen, dass Meg, Ihr Bruder und Calvin sie begleiten um ihren vermissten Vater zu finden …
 
„A Wrinkle in Time“ geht in mancher Hinsicht andere Wege als so viele andere Fantasyfilme der letzten Jahre. Das allein spricht schon mal für den Film. Dabei machen Regisseurin Ava DuVernay („Selma“) und die Drehbuchautoren Jennifer Lee („Frozen“) und Jeff Stockwell („Die Brücke nach Therabithia“) vieles richtig und einiges richtig gut.
 
 
Die Reaktionen anderer Besucher der Pressevorführung und viele negative Kritiken auf der anderen Seite des Atlantiks lassen aber erkennen; Erwachsene müssen sich auf diesen Film erst mal einlassen. Kinder wissen sofort, wie unfähig Lehrer und andere Autoritätspersonen sich im Umgang mit Mobbing anstellen können. Und jeder Jugendliche (aber auch jeder Erwachsene mit einer Erinnerung an die eigene Jugend) weiß, wie schwierig es sein kann, wenn man jemand bei der Hand nehmen soll, den man tatsächlich gerne bei der Hand nehmen möchte. In einer amerikanischen Kritik dieses Films wurde bemängelt, dass die drei jungen Leute kaum zögern würden, sich zusammen mit drei magischen Damen auf die Suche nach dem verschwundenen Wissenschaftler zu machen.
 
Moment mal, aber der kleine Charles Wallace ist gerade mal sechs Jahre alt. Welcher Sechsjährige würde nicht mit drei glitzernden Zauberfrauen mitgehen? Seine Schwester Meg würde alles tun, um ihren geliebten Vater wiedersehen zu können. Und Calvin ist dreizehn und verknallt. Erwachsene Männer, die mit dreizehn nicht bereit gewesen wären, mit ihrem Schwarm auf eine magische Reise zu gehen, können einem doch wirklich einfach nur leidtun.
 
Nicht alle Teile des Films sind gleichermaßen gelungen. Die Spezialeffekte wirken meistens recht kompetent gemacht, sind aber kaum beeindruckend zu nennen. In einer Szene sollten wir wohl ein magisches, fliegendes Blumenwesen gezeigt bekommen. Was wir sehen, wirkt aber eher wie eine Werbefigur für Blattsalat. Das Finale ist dann doch etwas unübersichtlich inszeniert.
 
So ist man an einer Stelle nicht mehr sicher, ob Meg nun zusammen mit den anderen oder alleine zur Erde zurückkehrt. Aber diese kleinen Schwächen werden von vielen originellen Ideen aufgewogen. Wenn uns eine Vorortsiedlung oder ein Strand voller Urlauber als Vorhöfe zur Hölle gezeigt werden, verrät das einen feinen Sinn für Humor der vielen vergleichbaren Filmen fehlt. Wenn der schlimmste Feind der Heldin eine verbesserte Version ihrer selbst ist oder das Böse sich in der Gestalt eines Sechsjährigen manifestiert, funktioniert der Film sogar als psychologisches Drama.
 
01 ©2018 Walt Disney Pictures02 ©2018 Walt Disney Pictures03 ©2018 Walt Disney Pictures04 ©2018 Walt Disney Pictures
 
Which, Whatsit and Who
 
Storm Reid haben wir u.a. in “12 Yeears a Slave” gesehen. Die junge Schauspielerin spielt die Heldin Meg glaubhaft und intelligent, ohne je zu dick aufzutragen. Wenn der Film besser als viele ähnliche Filme funktioniert, dann ist das zu einem großen Teil ihr Verdienst.
 
Der hochbegabte Charles Wallace hätte leicht altklug wirken können. Der kleine Deric McCabe spielt sogar die dunklen Seiten dieses Wunderkinds so, dass wir genauso viel Angst um ihn haben wie seine Schwester.
 
Levi Miller ist es als Calvin zu verdanken, dass wir endlich mal eine Liebesgeschichte zwischen Teenagern zu sehen bekommen, die uns nicht auf die Nerven geht.
 
Reese Witherspoon hätte hier deutlich mehr Mut zeigen müssen. Zusammen mit Drehbuch und Regie hätte sie die Rolle der Mrs. Whatsit viel schräger anlegen können. Das hätte dem Film und vor allem ihrer Darstellung nur gut getan.
 
Oprah Winfrey hat als Mrs. Which sicher die langweiligste Rolle abbekommen. Ihre Dialoge klingen leider fast immer wie Kalendersprüche. An einer Stelle spricht sie von einem Geschenk und man erwartet fast, sie gleich Autos verschenken zu sehen.
 
Mindy Kaling ist eine von zwei großen Überraschungen der Besetzung. In ihren komischen Rollen hat sie bisher selten besonders subtil gespielt. Als Mrs. Who ist sie die zauberhafteste der drei magischen Damen. Fast ihr gesamter Dialog besteht aus Zitaten großer Denker und Dichter. Das funktioniert überraschend gut und hat eine angenehme Wirkung auf den ganzen Film. Vielleicht fehlt vielen Filmen einfach ein bisschen Poesie.
 
Die zweite Überraschung ist Zach Galifianakis. In seiner einzigen Szene als sensibles Medium wirkt er ebenso witzig wie liebenswert.
 
Chris Pine als Vater zeigt nach „Hell or High Water“ wieder einmal, dass er mehr kann als bloß in Blockbustern gut auszusehen. Hier erinnert er auf angenehme Weise an Darsteller vergangener Zeiten, wie etwa den jungen Henry Fonda.
 
Fazit
 
„Das Zeiträtsel“ ist ein Familienfilm im besten Sinne des Wortes. Kinder ab acht Jahren werden ebenso unterhalten wie ihre älteren Geschwister und deren Eltern. Und wenn die Familie im Anschluss an den Film noch über die eine oder andere Frage zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ins Gespräch kommt, kann man doch kaum mehr verlangen.
 
 
Unterstütze FantasticMovies.DE:
                                                                                                                                        
 
 
feedback